Volvo gibt Eigentümerschaft am Ocean Race ab

Das aktuelle Rennen des Volvo Ocean Race (VOR) geht gerade erst in seine entscheidende Phase, da wird bereits die nächste Ausgabe geplant. Und es sind nicht nur gute Nachrichten, die aus der VOR-Zentrale kommen.

Denn das Unternehmen Volvo, das das Rennen in den vergangenen 20 Jahren geführt hat, wird seine Eigentümerschaft abgeben. Allerdings will der Autobauer als Sponsor an Bord bleiben. Die Organisatoren meldeten unterdessen, dass die nächste Ausgabe in 2021 gestartet werden soll. Dann sollen zwei Klassen in das Rennen gehen.

Richard Brisius und Johan Salén, ehemalige VOR-Segler, haben zu dieser Auflage des VOR das Management übernommen, nun werden sie mit dem Unternehmen Atlant Ocean Racing Spanien gemeinsam mit Jan Litborn die Eigentumsanteile von der Volvo Group und Volvo Cars übernehmen.

Brisius und Salén starteten 1989/90 als Segler, bevor sie als Teammanager Erfolge feierten, unter anderem bei EF Language (1997-98) und Ericsson 4 (2008-09). Zuletzt haben sie in der letzten Ausgabe das Team SCA, den rein weiblichen Einstieg, gemanagt.

„Die Geschichte dieses Rennens um die Welt ist inspirierend und die Zukunft ist sehr vielversprechend“, sagte Brisius. „Ich hatte Glück, da viele meiner Träume wahr geworden sind. Zuerst mein Traum, dieses Rennen zu segeln, dann mein Traum, ein Team-Manager zu werden, gefolgt von meinem Traum, das Rennen zu managen, und jetzt der Traum, die Zukunft des Rennens steuern zu können. Wir sind lange dabei und fest entschlossen, dass das Rennen weiterhin ein erfolgreiches Welt-Sportereignis sein wird. Ich freue mich darauf, mit den Teams, Städten, Volvo und all unseren Hauptbeteiligten zusammenarbeiten.“ Die Organisatoren des Rennens planen, zwei Klassen von Booten in 2021 starten zu lassen: die aktuellen VO 65 und eine andere, noch zu bestimmenden Klasse.

Die aktuelle Führungsriege des Volvo Ocean Race wird sich in den kommenden Wochen mit den Eigentümern austauschen, um das Rennen kommerziell und aus sportlicher Sicht auf die nächste Auflage vorzubereiten. Am Ende dieser Ausgabe sollen weitere Details veröffentlicht werden.

Volvo Cars wird auch weiterhin als Sponsor des Rennens 2021 fungieren, während bereits Gespräche mit bestehenden Gastgeberstädten und weiteren Sponsoren geführt wird. „Das Volvo Ocean Race war eine großartige Möglichkeit für den Aufbau von Kundenbeziehungen, die Stärkung der Marke Volvo und die Präsentation unseres Unternehmens und unserer Produkte für ein globales Publikum“, sagt Kina Wileke, Executive Vice President der Volvo Group. „Nach zwanzig Jahren haben wir aber das Gefühl, dass es an der Zeit ist, die Verantwortung für diesen prestigeträchtigen Wettbewerb an einen neuen Eigentümer mit Erfahrung und Knowhow zu übergeben, um es noch weiter zu entwickeln“, sagte Björn Annwall, Senior Vice President von Volvo Cars. „Volvo Cars wird das Rennens als Sponsor mit besonderem Fokus auf Nachhaltigkeit unterstützen.“

Dass die Übergabe der Eigentümeranteile mit den negativen Schlagzeilen zusammenhängt, die das Volvo Ocean Race in dieser Ausgabe durch zwei Todesfälle geschrieben hat, ist nicht belegt.

2 Comments

  1. Die Todesfälle hätten nicht passieren dürfen! Hier ist ganz klar der Veranstalter in die Pflicht zu nehmen. Welcher Sponsor möchte Sportveranstaltungen unterstützen, bei deren Durchführung es zum Tode führen kann? Der Imageschaden seit dieser Vorfälle ist sicher immens. Ich denke auch, dass das öffentliche Interesse dadurch stark zurückgegangen ist. Schon die Aktion mit dem über Bord gehen des Seglers auf dem Boot von Witt, was filmisch ein bisschen lächerlich, wie ein Badeausflug dargestellt wurde, ist völlig inakzeptabel. Da laufen Leute in Badeshort auf dem Boot herum, dass sich ständig mit mehr als 10 kt. Geschwindigkeit bewegt. Ich möchte den Freizeitskipper sehen, der 10 kt. erreicht und deutlich mehr, dabei keine Rettungsweste trägt und nicht angeleint ist. Hier liegt auch ein schwerer Verstoß gegen die Vorbild gebende Funktion vor. Solche Skipper gehören nicht auf ein VOR Boot !

    Claus Fuhrmann

  2. Der leichtfertigen Bade-Garderobe auf dem Boot von Witt folgt eine ultimative Ansage des Skippers. Dieser Vorfall erscheint mir nicht lächerlich dargestellt, sondern er zeigt genau jenen Verlauf, wie das dann spätestens dahingehört.
    Die Todesfälle hingegen sind ein anderer, tragischer Maßstab, bei dem sich eine Imagefrage für den Ausrichter nicht stellt, schon gar nicht durch Dritte von außen im Nachhinein. Hier muss ich der Entrüstung meines Vorredners widersprechen: Das Leben bleibt gefährlich, auch wenn uns Bauvorschriften und technische Helferlein von Navi bis autonom täglich mehr etwas anderes vorgaukeln. Erst recht, wenn man in diese Grenzbereiche vordringt, wo die Natur spürbar stärker ist, bzw. in diesen beiden tragischen Fällen auch übermächtig und tödlich auftreten kann. Aus dem jeweiligen Maßstab der Ereignisse heraus nachvollzogen, haben sich Crews wie Rennleitung angemessen verhalten. Und weil die Umstände jeweils so komplex waren, kann ich mir nicht anmaßen, vom heimischen Plüschsessel heraus irgendjemandem irgendwas vorzuwerfen – als ob nur eine Brügersteigbeleuchtung ausgefallen wäre. Es wird den Frauen und Männern nicht gerecht, die wissend an Bord gehen, was sie tun und riskieren. Der Badeunfall kann dies unmöglich verdecken, zumal der Mensch – auch der Profi – zur Leichtfertigkeit neigt, wenn die Umstände nur allzu harmlos scheinen.
    Und das ist eine menschliche Dimension, die uns allen eigen ist. Wer dies nie selbst erfahren hat, soll den ersten Stein arglos werfen. Dass wir unsere Endlichkeit dennoch irgendwann ertragen müssen, wenn sie uns wider aller Willen gewaltsam vor Augen geführt wird, ist das andere. Ich schreibe das mit Demut und großer Bescheidenheit, zumal sich die Unfälle jenseits meiner Erfahrungshorizonte ereigneten. Aber in einer Sache bin ich mir trotzdem sicher: Es gibt Grenzbereiche, in denen Schuldzuweisungsversuche nicht mehr greifen.

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