Volvo Ocean Race: Havarie von Team Vestas Wind

Knirschende Kohlefaser, harte Schläge in dunkler Nacht. Was passierte in der Nacht vom 29. auf den 30. November im Indischen Ozean?

Die Sonne war am Samstag vor nicht einmal einer Stunde untergegangen, als das dänische Team Vestas Wind unter Skipper Chris Nicholson um 16.00 Uhr deutscher Zeit mit 19 Knoten auf die Ausläufer des Riffs der Cargados Carajos Inselgruppe donnerte.
Auf mehr als 60 Kilometern erstreckt sich das Riff im Indischen Ozean. Ein Großteil liegt nur knapp unter der Wasseroberfläche. Die vier Teams, die vorher die Inselgruppe passierten, wählten einen westlicheren Kurs, um den heimtückischen Riffs nicht zu nahe zu kommen. Zur Zeit kann nur gerätselt werden, wieso Navigator Wouter Verbraak einen östlicheren Kurs wählte.
Die 65-Fuß Rennyacht schob sich mit Schwung auf das Riff, verlor beide Ruderblätter und konnte aus eigener Kraft das tiefe Wasser nicht mehr erreichen. Hoch und Trocken setzte die neun Mann starke Crew einen Notruf ab und informierte die Rennleitung des Volvo Ocean Race. Team Alvimedica unterbrach das Rennen, änderte sofort den Kurs und steuerte die Position des havarierten Seglers an. Nach fünf Stunden konnten sie das Boot auf dem Riff erkennen und hielten in einem Abstand von knapp zwei Seemeilen unter Motor die Position.

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Wassereinbruch

An Bord von Team Vestas Wind verschärfte sich die Lage in der Nacht noch weiter, da die hintere Sektion des Schiffes Wasser machte. Glücklicherweise besitzen die Rennyachten wasserdichte Sektionen, die komplett verschalkt werden können. Zudem setzte das Heck im Wellengang immer wieder hart auf das Riff auf, sodass die Crew befürchtete, das Schiffe könne auseinanderbrechen. Um Kurz vor elf Uhr unserer Zeit setzten sie zwei Rettungsflöße aus, die in 15 Meter Entfernung vom Boot trieben. Doch die Bewegungen des Bootes nahmen weiter zu und Skipper Chris Nicholson traf die schwere Entscheidung das Schiff noch vor Tagesanbruch zu verlassen. Kurz vor fünf Uhr Ortszeit waten die neun Crewmitglieder durch das knietiefe Wasser auf die trockenen Stellen des Riffs und ziehen die Rettungsflöße ebenfalls an Land.

Rettung

Im Morgengrauen kann schließlich ein kleines, offenes Rettungsboot der Küstenwache die neun Segler an Bord nehmen und auf die benachbarte Íle du Sud bringen. Team Alvimedica harrte noch aus, bis alle in Sicherheit waren und setzte das Rennen nach Abu Dhabi fort. Die Art der Vergütung für das Team steht noch nicht fest.
Skipper Chris Nicholson gab in einem Telefoninterview bereits bekannt, dass er nochmals zum gestrandeten Boot fahren möchte, alle Tampen entfernen und an Ausrüstung ausräumen möchte, was möglich ist. Erst danach soll sich die Crew auf das mehr als 400 Seemeilen entfernte Mauritius aufmachen. Dort soll dann entschieden werden, was mit dem gestrandeten Schiff passieren soll. Ob es noch zu retten ist, bleibt offen. Nicholson sprach von massiven Schäden am Rumpf. So brach auch die Kielbombe ab und das Deck begann sich zu knicken, als die Entscheidung getroffen wurde, das Schiff aufzugeben.

 

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