Worlds Aarhus: Erste Finalentscheidungen ohne deutsche Teilnehmer

Bei den gemeinsamen Weltmeisterschaften aller zehn olympischer Segel-Disziplinen, den Worlds in Aarhus/Dänemark, hat die deutsche Flotte am Tag der ersten Medaillen-Entscheidungen kräftige Dämpfer hinnehmen müssen. Bei den Finns und 470er (weiblich und männlich) hatten sich keine Athleten aus dem German Sailing Team für das Medal Race qualifizieren können.

Damit konnte auch vorerst keine deutsche Crew in diesen drei Klassen ein Nationenticket für die Olympischen Spiele in Tokio lösen. Die nächsten Chancen, um Deutschland für die Spiele 2020 zu qualifizieren, stehen bei den Klassen-Weltmeisterschaften im kommenden Jahr an. In den anderen sieben Klassen werden die Entscheidungen bis zum Wochenende fallen. Bei den Laser und den 49er-Männern stehen die Chancen dabei gut, Medaillen nach Hause zu bringen. Die finalen Rennen der Laser- und 49er-Frauen werden dagegen ohne deutsche Beteiligung ausgetragen. Trotz eines mäßigen 26. Platzes sicherte Svenja Weger den deutschen Laser-Frauen immerhin das Olympia-Nationenticket für Tokio.

In der Vorrunde der Finns hatte Phillip Kasüske, der an Aarhus durch den Gewinn des Junioren-WM-Titels vor zwei Jahren beste Erinnerungen hat, starke Ergebnisse hingelegt und sich unter die Top-Segler gemischt. In den vier Rennen der Goldflotte rutschte das deutsche Talent dann aber aus den Top-Ten heraus. In der letzten Wettfahrt, als eine Sturmfront über das Feld der Finns hinwegzog, landete Kasüske durch Platz drei noch einmal ein starkes Resultat, musste sich am Ende aber mit Rang 15 begnügen. Damit fand das Medal Race ohne ihn statt. Und auch die acht Nationentickets waren vergeben, da im Finale der besten Zehn bereits acht Nationen vertreten waren. Den Titel sicherte sich schließlich überraschend der Ungar Zsombor Berecz.

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Ähnlich war auch der Verlauf der 470er-Serie bei den Frauen. Lange schien es so, als könnten entweder Fabienne Oster/Anstasiya Winkel oder die EM-Dritten Nadine Böhm/Ann-Christin Goliaß das Medal Race erreichen, doch mäßige Resultate zum Abschluss der sieben Wettfahrten warfen sie noch aus den Top-Ten heraus. Als 13. fehlten Oster/Winkel nur sechs Punkte auf Platz zehn, zwei weitere Plätze zurück rangierten Böhm/Goliaß. Neun Nationen sind vor den Deutschen platziert. Da Japan ohnehin für die Spiele nominiert ist, gehen die acht Tickets denkbar knapp an den Deutschen vorbei. WM-Gold holten sich Ai Kondo Yoshida/Miho Yoshioka.

Überraschend deutlich verfehlten dagegen die deutschen 470er-Männer das Medal Race. Malte Winkel/Matti Cipra gingen immerhin als EM-Dritte in die WM gestartet, fanden nur vereinzelt in den Rhythmus und mussten sich schließlich mit Platz 19 zufriedengeben. Damit waren sie noch die beste DSV-Mannschaft, alle anderen verfehlten sogar die Goldflotte. Das Rennen an der Spitze entschieden die Franzosen Kevin Peponnet/Jeremie Mion für sich.

Für die kommenden Tage hat der DSV zumindest noch drei starke Asse im Ärmel: Bei den Laser-Männern segelte Philipp Buhl trotz zwichenzeitlicher mittlerer Ergebnisse mit einem fünften Platz zum Abschluss der Goldgruppe in Scchlagdistanz zu den Medaillenrennen. Als Fünfter geht er in die abschließende Wettfahrt. Gold und Silber ist zwar nicht mehr erreichbar, aber mit lediglich vier Punkten Rückstand auf den drittplatzierten Elliot Hanson ist in Sachen Bronze noch alles drin. Es wird ein Dreikampf um den letzten Podiumsplatz, denn auch der Neuseeländer Sam Meech will hier als Vierter noch mitspielen. Tom Burton (Australien) auf Platz sechs ist mit 17 Punkten Rückstand auf den dritten Platz schon zu weit abgeschlagen, um ernsthaft in das Geschehen eingreifen zu können. Das Medal Race wird am Freitag gesegelt – ebenso wie das finale Rennen der Frauen ohne deutsche Beteiligung.

Bei den 49er-Männern scheint sogar eine Sensation möglich. Das junge Team Tim Fischer/Fabian Graf liegt nach zwölf von 14 möglichen Rennen auf dem Silberrang, hinter den kroatischen Fantela-Brüdern und vor Erik Heil/Thomas Plößel. Können die beiden deutschen Teams diese Position in den verbleibenden beiden Rennen der Goldflotte wahren, dann wäre im Finale am Samstag der große Coup möglich. Für die 49er-Frauen bleibt dagegen nach Platz 16 für Victoria Jurczok/Anika Lorenz und dem Verpassen des Medal Races nur die Erkenntnis, dass diese WM nach dem EM-Erfolg alles andere als nach Plan lief. Und auch im Nacra 17 sind trotz dreier ausstehender Rennen die Chancen dünn auf das finale Rennen und die Nationanequalifikation. Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer zeigten zwar zwei starke Läufe in der Goldflotte, müssen aber von Rang 17 noch 28 Punkte aufholen, um ins Medal Race zu kommen.

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