Check des Riggs

Am Rigg hängt alles! Versagt nur ein winziges Bauteil, wie ein Splint oder ein kleiner Bolzen, kann das zu einer Kettenreaktion führen und der Mast bricht. Das Rigg regelmäßig zu prüfen, ist also nicht nur Materialpflege, es ist gute Seemannschaft und dient der Sicherheit auf See

Einige kennen vielleicht diesen Moment: Man sitzt im Sommer am Steuer und genießt eine leichte Brise und den perfekten Sonnenschein. Bei einem flüchtigen Blick entdeckt man ganz zufällig einen kleinen Splint, eine Mutter oder Reste eines Bolzens an Deck und fragt sich: „Wo mag das jetzt herkommen?“ Der zweite Blick geht dann meist angstvoll das Rigg hoch, rätselnd, wo dieses kleine, aber eventuell lebenswichtige Bauteil herkommen könnte. Ein besonders schlechtes Gewissen stellt sich nun bei denen ein, die genau wissen, dass sie ihr Rigg mit dem dazugehörigen stehenden und laufenden Gut vor dem Mastsetzen gar nicht oder nur sehr oberflächlich kontrolliert haben.

Herbst oder Frühjahr?

Je mehr Zeit man hat, Reparaturen vorzubereiten, desto besser ist es natürlich. Doch in der Praxis kommen die wenigsten Eigner dazu, im Herbst beim Einlagern ihr Rigg zu checken. Wenn man das komplette Abriggen und Auskranen zusammen mit anderen Eignern aus dem Verein an einem Wochenende macht, muss es schnell gehen und man will fertigwerden. In der Regel verschwindet dann der Mast direkt vom Kran im Mastenlager.

Oft ist es im Frühjahr nicht anders, aber die meisten schauen dann doch noch mal gewissenhafter auf den Mast. Bemerkt man dann, dass ein Want oder ein Fall beschädigt ist, ist Ersatz oft gar nicht so schnell zu bekommen, da die Rigger und Ausrüster selbst im Frühjahr alle Hände voll zu tun haben. Also wenn es möglich ist: lieber im Herbst das Rigg checken und dann über den Winter auszuwechselnde Teile in Ruhe bestellen oder sich auf den Messen im Winter beraten lassen.

Wenn im Frühjahr alle Beschläge des Riggs geprüft worden sind, segelt es sich entspannter
© Marcus Schlichting

Selfmade oder Fachmann

Eine erste Sichtprüfung kann man sich durchaus selbst zutrauen. Idealerweise liegt der Mast auf zwei Böcken und noch besser ohne die Rollreffanlage und stehendes Gut, wie Wanten oder Salinge. Das geht nicht immer so einfach, da das Demontieren und Montieren von Reffanlage und Wanten nicht nur etwas Platz braucht, sondern im Zweifel alles auf einem schmutzigen Untergrund im Hafenvorfeld stattfindet. Also Achtung: nicht neuen Schmutz und Sand in das Rigg ziehen.

Geht man in Gedanken noch mal die vergangene Saison durch, fallen einem oft schon Kleinigkeiten ein, die vielleicht am Rigg nicht optimal funktionierten, oder Momente, bei denen man Geräusche vom Rigg gehört hat, die sich nicht schön und schon gar nicht normal anhörten. Sollte man sich unsicher fühlen bei der Beurteilung von Schäden, ist es keine Schande, einen Fachmann hinzuzuziehen. Und wer verantwortungsvoll handelt, tut dies auch.

Einen Wantendraht, an dem schon ein Kardeel gebrochen ist, kann man sicher schon als Laie erkennen. Feine Risse an den Fallenaustritten oder Korrosion am Mastfuß sollte man dem Fachmann zeigen. Viele Service-Betriebe bieten Rigg-Checks für eine Pauschale an. Eine Investition, sich immer lohnt und die man wenigstens alle paar Jahre tätigen sollte.

Tipps für Mastcheck und -pflege

  • Salinge, Stagen und Wanten demontieren (schon um die Eloxalschicht am Mast zu schützen) und prüfen
  • Wantenspanner, Bolzen und Gewinde gründlich reinigen und mit seewasserbeständigen Ölen, besser Pasten (zum Beispiel Anti-Seize oder Teflon-Gel), bearbeiten
  • Mast säubern und mit Alu-Polituren konservieren
  • Seilscheiben kontrollieren (Spiel, Riefenbildung oder laufen sie unrund?) und einfetten
  • Beschläge und Umlenker checken, spülen und die Kugellager mit seewasserbeständigen Gleitsprays einsprühen (zum Beispiel Bayer Marine Spray, Harken One Drop)
  • Inspektion von Verbindungen verschiedener Materialien (Stahl/Aluminium) bei Bolzen oder Beschlägen; Duralac verhindert eine elektrolytische Kontaktkorrosion
  • Bei geschlossenem Mastfuß: Check der Lenzöffnungen zum Wasserablauf (Korrosionsgefahr)
  • Austausch verschlissener Sicherheitssplinte („Pfennigprodukte“)
  • Check der einzelnen Sektionen/Verbindungen am Profilvor­stag
  • Check der Rollanlage, Salzwasser aus der Reffleine des Furlers spülen (erhöht die Lebensdauer und hält die Leine flexibel)
  • Austausch bei aufgedrehten Drahtkardeelen oder gerissenen Litzen (gefährdet an Pressungen/im Salingsbereich), Haarrissen an Beschlägen oder verbogenen Terminals
  • Mastcheck: Alu neigt im Alter zur Versprödung, welche die Elastizität herabsetzt. Besonders betroffene Bereiche für Haarrissbildung: Bohrungen, Fallaustritte, Anschlagpunkte zur Verstagung (Topp- und Salingsbereich), Kickeraufnahmen, Fallenkästen oder Schweißnähte am Lümmelbeschlag. Bei Haarrissen oder Beulen/Einkerbungen (vor allem achterlich gepfeilte Salinge üben Druck aus) sollten Experten befragt werden

Mehr zum Thema Riggcheck gibt es in der aktuellen segeln-Ausgabe.

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