Interview: Yachttransport auf eigenem Kiel

Karen und Josef Keil haben die Binnen-Passage von Bremen in das Rhonedelta absolviert und jede Menge Tipps für alle, die ihnen folgen wollen.

Lieber Huckepack oder auf eigenem Kiel? Wer in ein anderes Revier übersiedeln will, hat mehrere Möglichkeiten. In segeln-Ausgabe 04/2018 geben wir einen Übeblick über die verschiedenen Varianten des Yachttransports. Aus dem Artikel entstammt das folgende Interview:

Welche Route habt ihr genommen Karen und Josef?
Die Weser runter; bei Elsfleth in die Hunte; ab Oldenburg in den Küstenkanal; bei Dörpen auf die Ems bis Haren; von Haren den Rütenbrock-Kanal bis Barnflair; weiter über die Veenvaart und Twente-Kanal in die Gelderse in die Ijssel; über den Pannerdens-Kanal in die Waal (Rhein); weiter über die Maas; in der Nähe von Maasbracht auf den Willem Alexander Kanal; auf die Maas zurück; bei Pont-à-Bar auf den Ardennenkanal; anschließend einige kürzere Kanalstücke bis zum Canal entre Champagne et Bourgogne; weiter auf der Saône, die bei Lyon in die Rhone mündet. Alternativ kann man auch über Rhein und Mosel und auf anderen Kanälen zur Saône.

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Wem würdet ihr die Binnen-Route empfehlen?
Eigentlich jedem, der sein Schiff kennt und damit umgehen kann, sofern man sich bei den Flussabschnitten ausreichend bezüglich Fließgeschwindigkeit, Hochwasserstände etc. informiert.

Wem eher nicht?
Jenen, die sie mit dem ersten eigenen Schiff unternehmen wollen, vor allem dann nicht, wenn es erst kürzlich gekauft wurde. Allein ist es auch nicht unbedingt empfehlenswert.
(Anmerkung der Redaktion: Auf der Strecke liegen über 200 Schleusen, von denen viele selbst zu betätigen sind.)

Für welche Schiffsgröße eignet sich die Binnenpassage?
Das ist abhängig von der Route. Auf jeden Fall sollte man die gesamte Strecke „durchprüfen“ und Ausweichmöglichkeiten suchen. Gut ist zum Beispiel das Computer-Programm PC-Navigo (www.pcnavigo.com), ein Reiseplaner und Kartenviewer für Binnengewässer, bei dem man die Eckdaten des Schiffes eingeben kann und Routenvorschläge bekommt, die sich exakt danach richten. Angaben für maximale Schiffsmaße finden sich ansonsten auch in den Handbüchern zu den einzelnen Kanälen.

Welche Führerscheine sollte der Skipper besitzen?
Sportbootführerschein See und Binnen.

Welche Literatur ist sinnvoll?
Für Holland der Wateralmanak. Hier stehen alle wichtigen Informationen zu Liegeplätzen, Versorgungsstationen und Wasserbauwerken drin. Für Frankreich empfiehlt sich die französische Carte Fluvial (www.fluviacarte.com). Nützliche Infos gibt es auf www.water-ways.net und auf den Seiten des VNF.
(Anmerkung der Redaktion: Die staatliche Wasserstraßenverwaltung Voies navigables de France VNF wurde 1991 gegründet und hat die Aufgabe, die schiffbaren Binnenwasserstraßen zu entwickeln, zu erhalten und zu betreiben.)

Wie lange benötigt man für die Passage?
Schaffen kann man es innerhalb von drei bis vier Wochen. Wir haben uns Zeit gelassen…

Mit wie viel Gebühren muss man rechnen?
Auch das ist natürlich abhängig von der gewählten Strecke. In Frankreich gibt es zum Beispiel beim VNF Vignetten für unterschiedliche Zeiträume. Die genauen Preise richten sich nach Bootsgröße und Zeit und sind auf der Seite des VNF zu finden. Übrigens gibt es auch VNF-Liegeplätze.

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