Schwerpunkt Herbst

Richtig Reffen

Wenn im Herbst der Wind zunimmt, muss nicht zwangsweise im Hafen gewartet werden. Mit einer angepassten Segelgarderobe lässt sich aber auch bei sechs Beaufort noch entspannt segeln

Den richtigen Zeitpunkt zum Reffen zu finden, gestaltet sich je Kurs zum Wind und Schiffstyp gar nicht so einfach. Wenn die Pinne bereits unter dem Kinn klebt, hat der Skipper den Zeitpunkt verschlafen. Denn übermäßige Krängung  und das quergestellte Ruder bremsen das Schiff aus und belasten Rigg und Segel übermäßig stark. Treten diese Anzeichen auf, sollte spätestens jetzt gerefft werden. Doch Reffen beginnt bereits im Hafen mit dem Studieren des Wetterberichtes und einem Blick auf das Wasser. Zeigt sich schon im Hafen, dass draußen mehr Wind weht, sollte das erste Reff bereits dort eingebunden werden. Außerdem empfiehlt es sich, das Vorsegel zu wechseln, falls sich eine Genua 3 oder Arbeitsfock in der Segellast befindet. Ansonsten gilt auf See die Faustregel, dass der beste Zeitpunkt zum Reffen gekommen ist, wenn als erstes darüber nachgedacht wird.

Der richtige Zeitpunkt zum Reffen ist, wenn man zum ersten Mal daran denkt!

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Die Krängung kontrollieren

An Bord befinden sich zahlreiche Hilfsmittel, um den Trimm des Schiffes und somit die Krängung zu beeinflussen. Denn ab circa 20 Grad Lage segeln Schiffe weniger ausgewogen und beginnen sogar zu bremsen. Um den Druck aus dem Großsegel zu nehmen, wird der Traveller ganz nach Lee gefahren, der Cunningham am Vorliek und das Achterliek durchgesetzt. Das Segel steht flacher und öffnet sich am Achterliek. Bei einem Topp-Rigg sind die Möglichkeiten jetzt beinahe schon erschöpft. Anders bei einem 7/8-Rigg, bei dem das Achterstag noch angezogen werden kann, um die Mastbiegung zu erhöhen und das Segel flacher zu ziehen.

Bei der Genua lässt sich das Achterliek etwas öffnen, wenn der Holepunkt leicht nach achtern versetzt wird. Nimmt die Krängung dennoch weiter zu, bleibt nur noch das Einreffen.

Reffen beginnt im Hafen

Je nach Schiffstyp und Besegelung muss eine Yacht anders bei Wind gehandelt werden. Moderne Fahrtenyachten besitzen durch ihre Breite eine andere Formstabilität als die schmalen Boote aus der IOR-Zeit. Zudem kehrte sich die Besegelung regelrecht um. Prägten riesige Genuas vor 30 Jahren noch das Aussehen der Yachten, fahren die heutigen ein sehr großes Großsegel mit einer kleinen Genua oder Fock. Daher werden ältere Schiffe gerefft, indem die Vorsegelfläche verkleinert wird und moderne durch frühes Reffen des Großsegels.

Dennoch lassen sich pauschal einige Aussagen über das Reffen treffen. Als erstes sollten bereits im Hafen Vorkehrungen getroffen werden. Gerade Schiffe mit großen Vorsegeln sollten das Segel wechseln und eine Arbeitsfock anschlagen, sofern eine vorhanden ist. Die kleinere Fock ist der eingerollten Genua vorzuziehen. Zwar stehen eingerollte Segel durch eingenähte Schaumstoffstreifen etwas besser, dennoch können sich solche Segel eher konterproduktiv verhalten und erzeugen mehr Krängung als wirklichen Vortrieb. Gerade auf der Kreuz sollten die Segel aber möglichst flach stehen, um Weg nach Luv zu segeln.  Falls kein kleineres Segel zur Verfügung steht, unbedingt darauf achten, die Holepunkte zu verstellen. Hier helfen Markierungen an der Schiene und dem Segel.

Vorsichtshalber sollte das erste Reff in das Großsegel eingebunden werden. Gemeinhin lässt sich leichter und schneller auf See aus- als einreffen.

Das Bindereff stellt noch immer die beste Möglichkeit dar, ein Großsegel zu reffen. Zwar muss immer ein Crewmitglied an den Mast, um das Reffauge einzuhaken, aber dieser Vorgang ist schnell erledigt und 90 Prozent des Vorgangs kann aus dem Cockpit erledigt werden. Markierungen auf dem Großfall helfen dabei, die richtige Reffposition schneller zu finden. Als Alternative lassen sich auch Einleinenreffs realisieren, die sowohl das Achterliek als auch das Vorliek auf den Baum ziehen. Bei dem klassischen Bindereff als auch bei dem Einleinenreff muss darauf geachtet werden, dass das Achterliek sowohl nach unten als auch nach achtern gezogen wird. Nur so wird auch das Unterliek gestreckt. Wird die Reffkausch nur nach unten oder gar leicht nach vorne Richtung Mast gezogen, entsteht im Segel ein Bauch, der sich negativ auf die Segeleigenschaften auswirkt.

Obwohl Rollgroßsegel das Segeln und Reffen vereinfachen sollen, müssen dennoch einige Punkte beachtet werden. Damit sich das Segel gleichmäßig aufrollt, muss der Baum möglichst waagerecht stehen. Ansonsten kann es passieren, dass Tuchwülste im Mast das Segel blockieren. Außerdem muss der Wind leicht von der Seite kommen. Ob von Backbord oder Steuerbord unterscheidet sich je nach Fabrikat des Mastes. Das Unterliek sollte nach dem Reffvorgang ein weiteres Mal durchgesetzt werden.

2 Comments

  1. Ein Kommentar in ihrem Reffbericht stört mich. Leider bekommt man das immer wieder in allen sogenannten Fachpublikationen zu lesen: Segelboote mit mehr als 20 Grad Lage werden langsamer und lassen sich schlechter segeln. Diese Behauptung stammt wohl noch aus der Zeit kurz nach dem Krieg. Vielleicht solltet ihr mal mit einem modernen Segelboot bei mehr als 2-3 Windstärken rausfahren?!

  2. Auch gibt es das 2 Leinen Reffsystem wo niemand mehr das schützende Cockpit verlassen muss.
    Mit einer Leine wird das Vorliek, mit der 2. Leine das Achterliek gerefft.

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