AC-Kats am Limit – nur SoftBank Japan agierte souverän – Kiwis mit Kenterung

Die Bermuda-Inseln sind ihrem Ruf als Schiffe zerstörendes Dreieck gerecht geworden. Am zweiten Tag der Herausforderer-Playoffs im 35. America's Cup zerlegte es die Verkleidungen der Katamarane reihenweise, als Tiefpunkt kenterten die Neuseeländer. Souverän meisterte indes SoftBank Japan den Tag und fuhr zwei Punkte gegen Schweden zum 3:1 ein. 3:1 führen auch die Neuseeländer gegen Land Rover BAR.

In Bedingungen mit einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von über 20 Knoten wurde schnell deutlich, dass die ACC-Kats an ihrem Limit agieren. Bereits vor dem Start wurde es hektisch an der Base der Neuseeländer. Nachdem gestern die Briten von Land Rover BAR mit einem defekten Wing-Segel beide Rennen an die Kiwis abgeben mussten, war es diesmal an den Neuseeländern, den Wing zu reparieren. Sie hatten allerdings den Vorteil, dass sie erst im zweiten Rennen des Tages antreten mussten. Und bis zu ihrem Startschuss hatten sie das Segel tatsächlich gestellt.

Zuvor zeigte sich aber schon im Duell der Japaner (SoftBank) gegen die Schweden von Artemis, welche Herausforderungen auf die Segler warten würden. Nicht nur, dass die Schweden Probleme hatten, den Kat sauber auf den Foils zu halten und immer wieder ins Wasser stürzten, auch die Verkleidung des vorderen Beams hielt diesen Anforderungen nicht stand. Quadratmeterweise flogen Carbon-Verkleidungen über das Schiff bzw. wurden in Fetzen durch die Crew abgerissen, da sie bereits eingerissen waren und hin und her schlugen. Auch die Japaner hatten mit der Verkleidung zu kämpfen, nicht jedoch mit den Bedingungen. Steuermann Dean Barker hielt seinen Kat gekonnt in einem flachen Flugmodus, sicherte die Fahrt immer wieder dadurch, dass er den Rumpf leicht im Skimming aufsetzen ließ. So steuerte er souverän ohne große Probleme durch den Kurs. Und das war schließlich der Erfolgsgarant gegen die Schweden, die in weitaus ruppigerer Fahrweise über den Kurs schlingerten und sich klar geschlagen geben mussten.

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Das zweite Rennen des Tages begann mit dem Startvorteil für Ben Ainslie mit Land Rover BAR gegenüber Peter Burling und dem Emirates Team New Zealand. Zunächst schienen die Briten daraus auch Kapital schlagen zu können. Bis zum Gate drei führten sie das Rennen an, dann befahl Burling an Bord der Kiwis: „Full Racing!“ Und es war um Land Rover BAR geschehen. Mit mehr Speed und besseren Winkeln zum Wind hatten die Neuseeländer keine Probleme, an den Gegnern vorbeizuziehen und das Rennen sicher für sich zu entscheiden.

Unterdessen hatten die Japaner und Schweden ihre Boote mit viel Tape und Folie geflickt und gingen zum insgesamt vierten Rennen in ihrem Halbfinale an den Start. Doch der Verlauf ähnelte dem vorherigen Rennen. Barker gewann den Start und bog nach Tonne eins auf den Vormwindkurs ab. Nathan Outteridge konnte dagegen an Tonne eins nicht abfallen, schoss in den Wind, um danach erneut anzusetzen. Dabei überfuhr er die Begrenzung des Rennkurses weit und bekam eine doppelte Strafe aufgebrummt. Als die Schweden schließlich wieder zurück auf dem Kurs waren, wurden sie von der Jury lange eingebremst. Artemis-Taktiker Iain Percy lieferte sich ein heftiges Wortgefecht mit den Schiedsrichtern, doch er konnte die Strafe nicht verkürzen. Damit hatte Dean Barker mit den Japanern freie Bahn zu seinem dritten Sieg im vierten Halbfinal-Rennen.

Rennen vier des Tages setzte dem ganzen Spektakel dann die Krone auf. Ben Ainslie aufgrund der drei Niederlagen unter Druck setzte auf eine aggressive Starttaktik. Lange bremste er die Neuseeländer aus, fiel dann auf den Kurs ab und raste mit hoher Geschwindigkeit über die Startlinie. Peter Burling versuchte ihm zu folgen. Beim Abfallen schoss der Kiwi-Kat allerdings aus dem Wasser, klatschte dann zurück und tauchte mit der Rumpfspitze tief ein. Zu tief für die Mannschaft, um den Kat noch halten zu können. Über den Bug kenterten die Neuseeländer. Sofort wurde das Rennen abgebrochen und die Sicherungsboote rasten zu dem Havaristen. Wichtigste Nachricht dort: Alle Crewmitglieder blieben unverletzt. Der Kat sah allerdings ziemlich zerrupft aus. Das Wingsegel zerlegte sich bis zum Aufrichten fast ebenso in die Einzelteile wie die Beam-Verkleidungen. Auf die Shorecrews wartet damit bei allen Mannschaften über Nacht viel Arbeit. Und bei den Seglern blieb die Erkenntnis, dass Segeln bei diesen Bedingungen weit jenseits der Spaßgrenze liegt.

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