AC75: Monohull-Krake für den Kampf um die Silberkanne

Ein 75-Fuß-Skiff auf Neige-Foils: Mit dieser spektakulären Konzept-Studie für die neuen America's-Cup-Klasse sind das Emirates Team New Zealand und Luna Rossa an die Öffentlichkeit getreten. 2021 soll vor Auckland auf den futuristischen Monohulls, die wie Kraken daherkommen, um die Silberkanne gesegelt werden.

In einem Computer-animierten Videofilm stellten der Titelverteidiger aus Neuseeland und der Herausforderer aus Italien das Konzept für die neue AC75-Klasse vor. Die Designer und Ingenieure gehen in ihrer Studie davon aus, dass der Monohull zum Vollfoiler werden wird, der für eine aufregende neue Ära in der Geschichte des Cups sorgen wird. In den vergangenen vier Monaten wurde das Design erarbeitet, nachdem die Ziele für die Monohulls definiert worden waren. Demnach ging es vorrangig darum ein Boot zu entwickeln, dass herausfordernd und anstrengend zu segeln ist und somit alles Können von den Seglern verlangt. Das neue Design soll aber auch neben dem America’s Cup der Standard für Monohull-Rennen und selbst für Cruising werden – so die Vorstellungen der Designer.

Die neuen AC75 sollen absolutes High-Performance-Segeln mit dem Match-Racing verknüpfen. Dabei sollen die 23 Meter langen Geschosse auch für Sicherheit sorgen, indem sie selbstaufrichtend im Falle einer Kenterung sein sollen. Der Schlüssel dafür liegt bei dem Konzept liegt in den beiden T-Foils, die über eine Neige-Mechanik und einen Ballastanteil verfügen. Damit sollen sie das Boot aus dem Wasser heben können, gleichzeitig aber auch für Stabilität durch das aufrichtende Moment sorgen.

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Im üblichen Segelmodus wird der leewärtige Foil so im Wasser gefahren, dass die T-Flügel für den Lift sorgen, um das Boot mit dem T-Foil am Ruder aus dem Wasser zu heben. Der Luv-Foil wird derweil aus dem Wasser geklappt und steht damit seitlich am Rumpf ab. So wird der Wasserwiderstand reduziert und gleichzeitig durch großen Hebelarm für aufrechtes Segeln gesorgt. In der Vorstart-Phase und während der Manöver können beide Foils abgelassen werden. Das sorgt für Stabilität in den Manövern und erhöht den Lift für eine ständige Flugphase. Dieser Fahrmodus ist auch bei rauen Bedingungen sinnvoll und weitet die Range der segelbaren Bedingungen aus.

 

Um die Boote auch für den Hafenbetrieb tauglich zu machen, können die beiderseitigen Foils komplett unter den Rumpf geneigt werden, so dass die Ausleger nicht über die Rumpfbreite heraus stehen und somit die Einfahrt in eine übliche Hafenbox möglich ist.

Noch in der Phase der Design-Erprobung ist das Rigg-System. Verschiedene Ideen werden noch geprüft. Hintergrund ist, dass Emirates Team New Zealand und Luna Rossa einen Technologie-Transfer vom America’s Cup zu anderen Yachten ermöglichen wollen. Daher soll das Rigg auch beim Auf- und Abtakeln einfach zu handhaben sein. Die Entwicklung wird hier noch bis zur endgültigen Veröffentlichung der AC75-Klassenregeln am 31. März 2018 fortgesetzt. Ein Punkt wird indes auch sein, dass – anders als bei den Multihulls der vergangenen Ausgabe – Segelmanöver wieder arbeitsintensiv sein werden. So wird es auch einen Code-Zero für Leichtwind-Bedingungen geben.

Zu dem Konzept der neuen AC75-Klasse sagte Grant Dalton, CEO der Emirates Team New Zealand: „Wir sind sehr stolz, heute dieses Konzept des AC 75 vorzustellen. Es ist eine großartige Leistung von Dan (Dan Bernasconi, Design-Koordinator beim ETNZ, d. Red.) und seinen Jungs gemeinsam mit dem Luna-Rossa-Design-Team. Es hat sch eine große Begeisterung rund um die Entwicklung des Bootes bis zu diesem Punkt aufgebaut.“ Laut Dalton hätten die Analysen gezeigt, dass die Leistungsfähigkeit dieses Monohulls so hoch sei, dass er – wenn er auf den Foils ist – schneller segeln könnte als der vergangenen AC50 – sowohl auf der Kreuz als auch Vormwind.

Dan Bernasconi ergänzte: „Beim Design-Prozess haben wir Neuland betreten, und am Anfang war nur einen leeres Stück Papier. Wir haben es geliebt. Wir wollten sehen, wie weit wir die Entwicklung einer Monohull-Yacht treiben können, um es zu einem foilenden Boot zu machen, herausfordernd zu segeln, aber auch noch für aufregendes Match-Racing geeignet. Wir sind wirklich aufgeregt über das neue Konzept und können nicht abwarten, es auf dem Wasser zu sehen. Ich denke wird haben unsere Ziele erreicht – auch dank der konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Luna Rossa Design-Team. Dabei ging es auch darum, die praktische Seite einzubeziehen und das Kosten-Management für den Betrieb des Bootes zu beachten.“

Lob gab es auch von Patrizio Bertelli, dem Schirmherren des Team Luna Rossa: „Die Wahl für einen Monohull war fundamental für uns, um uns wieder im America’s Cup zu engagieren. Dies ist kein Rückschritt in die Vergangenheit, sondern ein Schritt in die Zukunft. Das Konzept des AC75, das Emirates Team New Zealand und Luna Rossa hier vorgelegt haben, wird neue Horizonte für Rennyachten eröffnen, was künftig auch für Cruising-Yachten eingesetzt werden könnte. Es ist ein modernes Konzept, das Highend der Technologie und herausfordernd aus der sportlichen Sicht. Es wird für aufregende Match-Race-Rennen sorgen.“

Sehr zufrieden zeigte sich auch Sir Ben Ainslie, der mit seinem Team Land Rover BAR, eine weitere Kampagne gestartet hat, um den Cup wieder nach England zu bringen: „Emirates Team New Zealand und Luna Rossa haben wirklich ein High-Performance-Boot entworfen, das den nächsten America’s Cup unglaublich sportlich und technisch anspruchsvoll machen wird. Wir freuen uns auf die Gelegenheit, uns mit dem Titelverteidiger und dem Challenger of Record auseinanderzusetzen bis zum Aufstellen des endgültigen Regelwerks für die Klasse. Wir können es nicht abwarten, das Design anzugehen und die Entwicklungsherausforderung der neuen Klasse anzugehen. Wir wissen nun, dass es wieder Foiling-Boote sein werden und dass sie ebenso schnell oder sogar schneller sein werden als die ACC-Foiling-Katamarane des vergangenen Cups. Der Sport hat in der Vergangenheit viele neue Fans dazugewonnen und dieses Boot wird das fortsetzen – unterstützt durch einen weltweiten Circuit und die TV-Übertragung.“

 

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