America’s Cup: Warten auf wichtige Entscheidungen

Klassenregeln müssen bis Ende März stehen - Kosten des Eventareals weist Unberechenbarkeiten auf

Rund drei Monate ist es her, dass die Verantwortlichen des America’s Cups vom Emirates Team New Zealand und Luna Rossa ihre grundsätzlichen Vorstellungen vom Cup und den Booten vorgestellt haben. Jetzt wartet die Segelwelt auf das endgültige Regelwerk für die Boote. Der Aufbau der Segelteams hat allerdings längst begonnen. So wird sich Land Rover BAR mit dem Team „Gladiator“ zusammen in der TP52-Szene engagieren und am Wochenende den ersten Regattatest segeln, und der New York Yacht Club lässt mit „Bella Mente Racing“ eine Maxi 72 bauen, um ab dem Sommer in den Regatta-Circuit einzusteigen. Derweil streiten Stadtverwaltung und Fischerei-Organisation in Auckland um das Veranstaltungsgelände.

Seit dem 1. Januar sind Meldungen für den Cup, der 2021 voraussichtlich in Auckland/Neuseeland gesegelt wird, möglich. Doch bis auf den Cup-Verteidiger Emirates Team New Zealand und den ersten Herausforderer Luna Rossa (Italien) sind noch keine weiteren Teilnehmer fixiert. Aus gutem Grunde, denn mit der Abgabe der Meldung ist eine Gebühr von einer Million Dollar fällig. Die potenziellen Herausforderer warten offenbar den 31. März ab, bevor sie sich abschließend erklären. Denn für Ende März ist die Veröffentlichung der Klassenregeln avisiert. Erst dann steht wirklich fest, wie die Monohulls vom Typ AC75 gestaltet sein werden, in welche Bereiche die Designer der jeweiligen Syndikate ihr Knowhow investieren können und was vom Reglement unveränderbar festgeschrieben sein wird. Bis zum 30. Juni läuft dann noch die erste Meldephase. Später eingehende Meldungen werden noch bis Ende des Jahres angenommen, werden aber mit einer zusätzlichen Gebühr von einer weiteren Million Dollar belegt.

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Das grundsätzliche Konzept der AC75 steht, aber die Details müssen noch definiert werden. Grafik: AC-Management

Bis zum 31. März ist nicht mehr viel Zeit, in der sich die jeweils zwölf Designer vom Emirates Team New Zealand und Luna Rossa darauf einigen müssen, welche Komponenten festgeschrieben und welche von den Syndikaten konstruiert werden können. „Gerne würden Designer ohne die Einschränkungen der Regeln arbeiten, aber in der Praxis ist es wichtig, umfassende Einschränkungen zu haben, um die Kosten unter Kontrolle zu halten. Wenn keine Grenzen gesetzt werden, hätten die wohlhabendsten Teams enorme Vorteile, indem sie ihre Mitbewerber mit seltenen Materialien, extrem komplexen Systemen und unzähligen Wiederholungen von Komponenten-Tests überflügelten“, sagt Dan Bernasconi, Designkoordinator des Emirates Team New Zealand.

Doch das Regelwerk ist nicht die einzige Flanke, an der die AC-Verantwortlichen zu kämpfen haben. Auch die Frage des Eventorts ist nicht abschließend geklärt. Auckland ist für den Titelverteidiger aus Neuseeland die klar favorisierte Stätte. Hier können sie ihren Heimvorteil ausspielen und auf die Euphorie der segelverrückten Nation setzen. Aber das Wynyard Quartier ist auch für die Fischer ein wichtiger Standort, und die Kosten für den Bau des AC-Eventareals sind noch nicht kalkulierbar. Während der Stadtrat sich Ende Januar mehrheitlich für ein Race-Village im Wynyard Basin ausgesprochen hat, ist die Regierung für den benachbarten Wynyard Point.

Der Rat schätzt die Kosten auf 160,5 Millionen Dollar, um die Infrastruktur für acht Cup-Basen (Platz für weitere Basen und damit Teams gibt das Areal nicht her) und Superyachten aufzubauen. Weitere 18 Millionen Dollar sind veranschlagt, um die lokale Fischereiflotte und die Sealink-Fähre zu verlagern. Für diese Pläne müssten große Wasserflächen überbaut werden. Doch die Kalkulationen beinhalten offenbar noch viele Unberechenbarkeiten. „Bis heute ist die Genauigkeit der Kalkulationen nicht sehr hoch. Es sind sehr grobe Schätzungen, und es wäre nicht überraschend, wenn diese Kosten signifikant steigen würden“, sagt Chris Darby, Vorsitzender des Planungsausschusses. Sorgen bereitet ihm auch der Zeitplan. Für den Bau der Stützpunkte in Auckland müssten die Auftragnehmer 24 Stunden am Tag arbeiten, um die Basen rechtzeitig für die Teams fertigzustellen, die frühzeitig für die Vorbereitung anreisen.

Neben dem Cup ist in Auckland für 2021 auch ein Treffen der Regierungschefs der asiatisch-pazifischen Wirtschaftszone (Apec) geplant. Damit kommen auf die Stadt insgesamt Kosten in Höhe von 260 Millionen Dollar zu. Bisher scheinen aber nur 80 Millionen finanziert. Um alles realisieren zu können, arbeiten Bürgermeister Phil Goff und Wirtschaftsentwicklungsminister David Parker an einer Kompromisslösung für die America’s Cup-Basen. Darin ist ein Teil des Wynyard Basins einbezogen und eine von Parker bevorzugte landgestützte Lösung am Wynyard Point.

Aber auch die Fischerei-Organisation und Fährbetriebe melden Ansprüche an und wollen zwei neue Werften am Wynyard Wharf bauen lassen. Zudem wollen sie nach Abschluss des Cups wieder in das Wynyard Basin zurückkehren.

Ungeachtet dieser Hürden, die Titelverteidiger und erster Herausforderer zu überwinden haben, suchen anderen Teams nach Wegen, um sich schon jetzt vorzubereiten. Das Team von Land Rover BAR mit Teamchef Ben Ainslie wird mit der „Gladiator“-Yacht am TP52-Circuit teilnehmen. Und die TP52-Yachten segeln bereits am Wochenende 10./11. Februar vor San Diego im Rahmen der Midwinter-Serie.

Hap Fauth am Steuerrad der ehemaligen “Bella Mente”. (Bild: Pedro Martinez / Sailing Energy)

Auch das „Bella Mente Racing“-Team, das nun vom New York Yacht Club unterstützt wird, ist in der TP-Szene aktiv. Doch die Mannschaft um Skipper Terry Hutchinson ist auch auf den größeren 72-Fuß-Maxis erfolgreich und lässt dafür nun eine neue Maxi 72 bauen, die im Sommer ins Wasser kommen und dann bei den Rolex Maxi 72 Weltmeisterschaften im September vor Porto Cervo/Sardinien teilnehmen soll. In der Vergangenheit hat „Bella Mente“ bereits drei WM-Titel in dieser Klasse eingefahren. „Ich tauche voller Aufregung in die Entwicklung und den Bau einer neuen Yacht ein. Es wird ein spannender Prozess, den Bootsspeed zu optimieren und wieder in den Rennmodus zu kommen“, sagt Yachteigner und Steuermann Hap Fauth.

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