An den Medaillen vorbeigesegelt

Die deutschen 505er-Segler haben bei der Europameisterschaft in Sonderborg/Dänemark einen Medaillenrang verpasst. Wie schon bei der Weltmeisterschaft im Januar waren Wolfgang Hunger/Holger Jess die besten Deutschen und landeten auf Rang vier direkt vor Stefan Böhm/Gerald Roos und Julian Stückl/Johannes Tellen.

Zehn Rennen bei vorrangig strammen Winden wurden vor Sonderborg gesegelt, und das Feld wurde gehörig durchgerüttelt. Kaum eine Mannschaft der 75 Teilnehmer aus elf Nationen kam ohne ein paar Ausrutscher aus. Die beständigste Serie segelten die neuen Europameister Roger Gilbert/Ben McGrane (Großbritannien), die allerdings nach einer Disqualifikation in der zweiten Wettfahrt unter Druck standen. Doch Gilbert, der 2017 als Vorschoter WM-Bronze gewonnen hatte, behielt die Nerven und fuhr ausschließlich Top-Ten-Platzierungen ein. Auch Rang zwei wurde durch eine britische Mannschaft eingenommen. Ian Pinnell/David Shelton hielten die US-Amerikaner Howard Hamlin/Jeff Nelson auf Distanz.

Hunger/Jess hatten schon am ersten Tag das Punktekonto belastet, als sie mit einem 14. Platz in die Serie gestartet waren. Dennoch brachten sie sich noch wieder in das Titelrennen zurück, segelten im Verlauf der EM-Tage zwei Tagessiege ein. Zum letzten Rennen bestand dann noch eine Minimalchance auf den Titel. Dazu musste aber ein weiterer Sieg her, während Gilbert/McGrane schlechter als Rang sechs hätten segeln müssen. Auch die anderen Medaillensieger hätten keinen Top-Platz einnehmen dürfen. Zwischenzeitlich schien es sogar so, als sollte der große Coup noch gelingen. „Wir hatten den Titel fast schon in der Hand, haben das letzte Rennen am letzten Leegate geführt. Es war nur noch eine Runde bis zum Ziel, und die Konkurrenz lag platzmäßig weit genug hinten“, berichtete Holger Jess. „Leider haben wir einen 20-Grad-Dreher gegen uns erwischt. Das war’s dann leider.“

Jess erkannte aber auch an, dass die Titelvergabe bereits am ersten Tag mit den Platzierungen 14, 7, 2 gegen die Kieler-Woche-Sieger entschieden war. Allerdings hat das Duo auch nur wenig Zeit zum Trainieren. Nach der Kieler Woche hat sich Jess um die 29er-WM gekümmert, und Wolfgang Hunger war mit der Familie zum Dickschiffsegeln.

Stefan Böhm/Gerald Roos verspielten ihre Medaillenchance ebenfalls im letzten Rennen, als sie mit Rang 13 einen ihrer beiden Streicher einfuhren. Zuvor hatten sie mit einer Ausnahme mit einer Serie von Top-Ten-Platzierungen geglänzt, darunter ein Tagessieg. Bei Julian Stückl/Johannes Tellen waren die Ausschläge nach oben und unten stark ausgeprägt – zu stark, um am Ende in den Medaillenkampf eingreifen zu können.

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