Titelverteidiger gewinnt den Liga-Auftakt

Der Saisonauftakt zur deutschen Segelbundesliga wird live übertragen

Der Norddeutsche Regatta-Verein aus Hamburg hat den Kurs Titelverteidigung eingeschlagen. Mit einem Punkt Vorsprung gewann der dreimalige Meister das Auftakt-Event der Segel-Bundesliga in Friedrichshafen am Bodensee. Auf Rang zwei segelte der Bayerische Yacht-Club, Dritte wurden die Bremer vom Wassersport-Verein Hemelingen. In der Zweiten Liga setzte sich die SG Lohheider See an die Spitze.

1. Liga

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Drei Tage Traumwetter bescherte der Bodensee den 36 Vereinen in der 1. und 2. Segel-Bundesliga beim Auftakt-Event in Friedrichshafen. „Ich weiß nicht, was sie euch ins Essen tun, aber ihr übertrefft euch am Bodensee jedes Jahr noch einmal selbst“, staunte Konzeptwerft-Chef Oliver Schwall bei der Preisverteilung und bedankte sich beim gastgebenden Württembergischen Yacht-Club, der das Event in Kooperation mit dem Konstanzer YC durchführte. Leichter Südwest wehte am Freitag und Samstag, am Sonntag kam der Wind dann aus Nordost, wieder Südwest und später aus Süd – nacheinander und schließlich mit gut drei Beaufort.

Sieger in der 1. Liga wurde der Norddeutsche Regatta-Verein mit Florian Haufe, David und Dorian Heitzig sowie Miklas Meyer. „Es waren hervorragende Bedingungen am Bodensee“, strahlte Florian Haufe und fügte mit Blick auf das 150-jährige Jubiläum des NRV an: „Wir wollen natürlich den Titel verteidigen. Aber es sind noch viele Regatten und Wettfahrten bis zum Finale.“ Das Erfolgsrezept auf dem fremden Revier verriet Haufe auch: „Wir haben uns in jeder Situation konzentriert, ob wir Erste oder Vierte waren, und haben um jeden Punkt gekämpft. Das ist das Entscheidende in der Liga.“

Wie Recht er hat, zeigt ein Blick auf die Tabelle: Diesen einen Punkt Vorsprung hatte der NRV im direkten Vergleich im 12. Flight mit dem BYC und dem DTYC (was letztlich für diese Vereine das letzte Rennen sein sollte) herausgeholt, obwohl sich die Kontrahenten in einem Dreikampf ans Ende des Feldes gesegelt hatten.

Mit Spannung war auch das Abschneiden des Bayerischen YC erwartet worden. Denn die beiden früheren Lindauer, Veit und Teresa Hemmeter, waren mit Saisonbeginn bei dem Verein vom Starnberger See an Bord gegangen, und sie schlugen sich zusammen mit Nick Beulke und Maximilian Hibler bravourös. Alle vier leben an unterschiedlichen Orten und hatten zuvor nur einmal miteinander trainiert. „Im Team hat alles super funktioniert“, so Hemmeter. Eine Überraschung war auch Platz drei des WV Hemelingen. „Manchmal war das Revier schon echt schwierig“, sagte WVH-Steuermann Jan Seekamp.

„Wir sind solide gesegelt, auch wenn da noch Potenzial drin ist“, fasste Max Rieger, Steuermann des WYC, zusammen. „Einige Punkte haben wir bei den Starts liegen lassen. Wir hätten vielleicht mit mehr Risiko segeln müssen.“

Ins saisonale Gedächtnis eingebrannt hat sich der Steuerbord-Start von Robert Remus mit dem Team von Aufsteiger ASV Warnemünde. „Ich will jetzt Steuerbord starten“, hatte der 470er-Trainer des DSV vorher eher salopp angekündigt, legte vor der Starttonne um und segelte quer vor den anderen nach rechts. „Da kommt keiner mehr“, sagte ihm seine Taktikerin Johanna Meier. „Wie, da kommt keiner mehr?“, fragte „Reme“ zurück, das „Raum“-Gebrüll der anderen in den Ohren. Er schaute selbst unter dem Großbaum durch und stellte fest: „Da kommt keiner mehr“. Glatter hatte wohl noch selten ein Steuerbord-Start in der 1. Liga geklappt.

Sommer, Sonne, Wind und mediterrane Abendessen – da fehlte nur noch die Musik zur Stimmung. Und die kochte regelrecht, als am Samstagabend die schwäbische Blasmusiktruppe „Blechmän’s“ ganz zufällig einen Stopp vor dem Budweiser-Stand einlegte und für eine Runde Freibier Brass&More aufspielte.

2. Liga

Seien wir ehrlich: Mit einem Sieg der Seglergemeinschaft Lohheider See (SLS) hatte beim Auftakt-Event der 2. Segel-Bundesliga kaum einer gerechnet. Doch der Sieg der Nordrhein-Westfalen fiel mit fünf Punkten Vorsprung vor dem Mühlenberger Segel-Club (MSC, Hamburg) deutlich aus. Dritter, mit noch einmal fünf Punkten Abstand, wurde der Bodensee Yacht-Club Überlingen – punktgleich mit dem Schlei-Segel-Club.

„Wir haben ein gutes Team, hatten eine gute Saison-Vorbereitung – und das war unser Wind“, brachte es SLS-Steuermann Matthias van Holt, der mit Kim und Jens Heidfeld sowie Paul Kübel segelte, auf den Punkt. „Wir waren schnell unterwegs, und unser Taktiker Paul Kübel hatte eine gute Nase für den Wind.“ Sechs erste Plätze schaffte kein anderer Verein in der 2. Liga. Ein klarer Frühstart bescherte dagegen dem MSC (Till Krüger, Lynn Hafemann, Lasse Sczcepaniak und Ole von Studnitz) verhängnisvolle sieben Punkte.

Immerhin vier Laufsiege schaffte der BYCÜ (Matthias Steidle, Jonathan Koch, Alexandra Lauber, Joseph Pochhammer). „Wir haben ein geiles Team, wir hatten eine gute Stimmung an Bord, haben nicht zu viele Fehler gemacht und waren schnell“, sagte BYCÜ-Steuermann Matthias Steidle lachend. Die Rennen des Teams vom Yacht-Club Berlin-Grünau verfolgte dessen Coach Bernd Zirkelbach: „Das wird schon langsam besser“, freute er sich über vier Laufsiege und Platz fünf und nur einen Punkt Distanz zum Treppchen.

Der Augsburger SC war als 13. der Zweiten Liga der beste Neueinsteiger. Foto: Volker Göbner

Als bester der vier Neueinsteiger ins Ligageschehen erreichte der Augsburger Segler-Club Rang 13. Eine Reihe von guten Plätzen der Bayern mit Steuermann Andi Lachenschmid wurde nur durch einen Frühstart unterbrochen, bei dem das Team trotz klarer Situation nicht umkehrte. Und zum letzten Rennen hatten es die Augsburger wieder beim Start zu eilig. Doch zwei Laufsiege zeigen, dass mit den Augsburgern zu rechnen ist. Die anderen drei Aufsteiger (SCS Iserlohn auf Rang 15, SC Eckernförde auf 16 und RSV Müritz als Schlusslicht) haben da erheblich stärker zu kämpfen.

Die Wettfahrtleitung der 2. Liga lag in den Händen des Konstanzer Yacht-Clubs. Zusammen mit dem gastgebenden WYC hatte Christian Rau für den Event Ende April in Friedrichshafen weit über ein Dutzend Schlauchboote von anderen Clubs am Bodensee zusammengesammelt, vier sogar aus der Schweiz (die dafür zweimal durch den Zoll mussten). V. Göbner

 

Endergebnis Friedrichshafen nach 12 Flights
Erste Liga
1. Norddeutscher Regatta-Verein, 31
2. Bayerischer Yacht-Club, 32
3. Wassersport-Verein Hemelingen, 34
4. Verein Seglerhaus am Wannsee, 35
5. Berliner Yacht-Club, 37
6. Chiemsee Yacht-Club, 37
7. Flensburger Segel-Club, 37
8. Württembergischer Yacht-Club, 38
9. Deutscher Touring Yacht-Club, 38
10. Segel- und Motorboot Club Überlingen, 39
11. Klub am Rupenhorn, 43
12. Düsseldorfer Yacht-Club, 46
13. Münchner Yacht-Club, 47
14. Akademischer Segel-Verein Warnemünde, 47
15. Blankeneser Segel-Club, 50
16. Seglervereinigung Itzehoe, 51
17. Segelkameradschaft „Das Wappen von Bremen“, 57
18. Lindauer Segler-Club, 58

Zweite Liga
1. Seglergemeinschaft Lohheider See, 24
2. Mühlenberger Segel-Club, 29
3. Bodensee Yacht-Club Überlingen, 34
4. Schlei-Segel-Club, 34
5. Yachtclub Berlin-Grünau, 35
6. Lübecker Yacht-Club, 35
7. Seglervereinigung 1903 Berlin, 36
8. Konstanzer Yacht Club, 37
9. Joersfelder Segel-Club, 39
10. Hamburger Segel-Club, 42
11. Potsdamer Yacht Club, 43
12. Seglervereinigung Gelting-Mole, 45
13. Augsburger Segler-Club, 48
14. Schweriner Yacht-Club, 51
15. Segel-Club Sorpesee Iserlohn, 53
16. Segel-Club Eckernförde, 58
17. Lübecker Segler-Verein, 59
18. Röbeler Segler-Verein Müritz, 67

Die weiteren Events

  • 08. bis 10. Juni 2018 in Tutzing, Starnberger See
  • 21. bis 23. Juli 2018 in Travemünde, Ostsee
  • 24. bis 26. August 2018 in Berlin, Wannsee
  • 14. bis 16. September 2018 in Kiel, Ostsee
  • Finale 1. Bundesliga: 18. bis 20. Oktober 2018 in Hamburg, Außenalster
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