Begehrte Preise und besondere Damenrede

Rund 360 Hochseesegler aus ganz Deutschland sowie Gäste aus dem In- und Ausland, aus Politik, Wirtschaft, Sport und Verwaltung trafen sich im Bremer Rathaus zum Hochseeseglerabend der Segelkameradschaft „Das Wappen von Bremen“ e.V. (SKWB).

Rund 360 Hochseesegler aus ganz Deutschland sowie Gäste aus dem In- und Ausland, aus Politik, Wirtschaft, Sport und Verwaltung trafen sich im Bremer Rathaus zum alljährlichen Hochseeseglerabend der Segelkameradschaft „Das Wappen von Bremen“ e.V. (SKWB). Durch die Verleihung der Hochseeseglerpreise ist die Veranstaltung ein herausragendes Ereignis der deutschen Hochseesegler-Szene und steht dieses Jahr unter dem Motto „HOCHSEE(SCHNELL)SEGELN“.

Der Hochseeseglerabend bietet neben der traditionellen Preisverleihung seit vielen Jahren auch immer interessante Vorträge und Filme mit beeindruckenden Inhalten und Bildern, die das Hochseesegeln aus den verschiedensten Blickwinkeln mit dem Anspruch beleuchten neue Impulse in die Segelszene zu geben. Höhepunkt ist aber die Vergabe der zahlreichen Hochseesegler-Preise, die in diesem Jahr durch Ingelore Rosenkötter, Sprecherin der Bremer Sportdeputation, Andreas Vroom, Präsident des Landessportbunds Bremen (LSB), Michael Rapp, Vorsitzender der SKWB sowie Jan Helms, Vorsitzender des Preisausschusses ‚Hochseeseglerpreise’ der SKWB übergeben wurden.

Anzeige

Den Auftakt im Festsaal macht traditionell die Vergabe des „Franz-Perlia-Seefahrtspreis der Jugend“. Der ging 2018 für eine Ostsee-Reise an den Kieler Yacht Clubs (KYC). In sechs Wochen bereisen vier Skipper mit insgesamt 26 wechselnden Crewmitgliedern die Ostsee zwischen Deutschland, Schweden, Polen und Dänemark und lassen dabei insgesamt 2.151 Seemeilen im Kielwasser

Der „Tanja Pokal“ für eine hervorstechende Etappe der Atlantik-Rund-Reise der SY „Rode Zora v. Amsterdam“, Segler Vereinigung Altona Oevelgönne e.V. (SVAOe) von und bis Hamburg. Von Saman über Bermuda bis nach Horta legt die Crew um Skipper und Eigner Tobias Haas mit einer vierköpfigen Crew, die zu ¾ aus Familienmitgliedern besteht, 2.700 Seemeilen zurück.

Der „Silberne Globus“ wurde in diesem Jahr gleichzeitig an Skipper und Crews mit Schiffen aus drei Clubs vergeben. Hierbei handelt es sich um Teilnahmen von Crews mit geringem Durchschnittsalter im Rahmen der Atlantik Anniversary Regatta des NRV. Ausgezeichnet wurden HASPA Hamburg“, HVS: Lanzarote – Grenada unter Skipper Max Gärtner – 3.220 Seemeilen, „Bank von Bremen“, SKWB: Lanzarote – Grenada – Antigua unter Schiffer Alexander Beilken – 3.769 Seemeilen, „Latona“, NRV: Bermuda – Cuxhaven – Hamburg unter Schiffer Dr. Benjamin Hub – 3.768 Seemeilen

Der „Rolf-Schmidt-Gedächtnispreis“ ging in diesem Jahr wieder an die „Xenia“, Weser Yachtclub Bremerhaven (WYC) mit Eigner Dr. Bernhard Buchwald und Steuermann Ralf Lässig.

Es folgten Laudatio und Preisübergabe der Offshore-Rangliste der Regatta Vereinigung Seesegeln e.V. (RVS) durch ihren Schatzmeister Jürgen Klinghardt. Den 1. Platz belegte die SY Hinden“, Eigner Jonas Hallberg. Der 2. Platz geht an die „Xenia“, Eigner Dr. Bernhard Buchwald.

Im oberen Rathaushalle folgende Preise übergeben: Den “Schlüssel-Preis der Freien Hansestadt Bremen”, für Spitzenleistungen im Hochsee-Regattasegeln von deutschen Yachten im Ausland, wurde in der historischen Oberen Halle des Rathauses durch Michael Rapp und Jörg Schulz, Staatsrat beim Senator für Wirtschaft, Arbeit u. Häfen, an Tilmar Hansen und die „Outsider“ verliehen.

Die „Ansgarkette“ wird traditionell zwischen dem Hamburgischer Verein Seefahrt e.V. (HVS) und der SKWB und ihren Vereinsyachten „HASPA Hamburg“ und „Bank von Bremen“ ausgesegelt. Die Yachten trafen insgesamt fünfmal aufeinander. Dabei stand es 2018 4:1 für die SY “Haspa Hamburg”, so dass die Ansgar-Kette nach dem dreimaligen Gewinn der Bremer nach Hamburg wechselte.

Eine Frauenrede der besonderen Art hielt die DSV-Präsidentin Mona Küpper. Dass sie mit Herzflattern und Blutdruck an die Vorbereitung ihrer Rede zum Hochseeseglerabend gegangen sei, nahm man der DSV-Präsidentin bei ihrem Auftritt kaum ab. Von der ersten Sekunde an ist die erste weibliche Chefin in der Geschichte des DSV sehr präsent und klar: „Ich wurde aufgefordert, hier eine Damenrede zu halten. Was ist das eigentlich? Damenrede ist für mich seit diesem Tag das Unwort des Jahres.“

Nach dieser Schelte in Richtung einiger Herren der Segelkameradschaft „Das Wappen von Bremen“ bedankt sie sich aber umgehend herzlich für die Unterstützung seitens der SKWB bei ihrer Wahl beim Seglertag des DSV am 25. November 2017. Das Verhältnis zu den Bremern sei seitdem „wunderbar“, sagt sie, erinnert aber in ihrer sehr direkten rheinischen Art auch an Zeiten, als die SKWB noch empörte Briefe in Sachen Geschlechtergleichstellung an das DSV-Präsidium geschickt hat.

Dabei muss sie keinesfalls bis in die Gründungszeit der SKWB zurückgehen, sondern nur bis in die 1980er Jahre: Die SKWB rüstet damals zur Teilnahme am Whitbread Round the World Race, dem heutigen Volvo Ocean Race. Gleichzeitig kommen vom DSV Ratschläge, den Verein für Frauen zu öffnen. Genüsslich trägt Mona Küppers eine Passage aus dem SKWB-Antwort-Schreiben vor: „Kein Mann würde es diskriminierend finden, wenn Frauen einen Segelklub mit Ausschluss des anderen Geschlechts gründen würden.“ Man befürchtet im Folgenden einen Verlust an „Lebensqualität“. Der Brief schließt mit dem Hinweis, im Hamburger Segler Verband gebe es nicht wenige „die den Tag verfluchen, an dem sie das Mitsegeln von Frauen erlaubt haben.“

Mona Küppers hält da einigen älteren Segelkameraden den Spiegel vor: In den Reihen wird geflüstert, wer denn wohl diesen Brief damals aufgesetzt habe. Die 63jährige ist da schon wieder in der Gegenwart angekommen und erzählt von SKWB-Skipperin Melanie Aalburg, einer ausgewiesenen Hochseeschnellseglerin. Die Zeiten haben sich unumkehrbar geändert. Das ist ihre Botschaft, auch wenn sie über die aktuellen Trends der Olympia-Formate berichtet: Ganz frisch sei in den Komitees die Entscheidung zur Einführung eines Wettbewerbs „Offshore Double Handed Mixed“ gefallen. Küppers: „Solche Mixed-Klassen erhöhen die Chancen für echte Gleichberechtigung an Bord.“

Beim Blick in die Runde mit den vornehmlich dunklen Segleranzügen rechnet sie noch vor, dass auch beim Erscheinungsbild der Oberen Rathaushalle in Sachen 50/50-Quote noch einiges passieren sollte. Sie schließt in rheinischem Dialekt: „Watt nich is, det konn noch werde.“ Sie bekam kräftigen Applaus – gerade aus der Jugendecke, wo die meisten weiblichen Aktiven saßen.

Er warnicht anwesend und doch präsent: In Abwesenheit zeichneten Andreas Vroom beim Hochseeseglerabend den langjährigen Vorsitzenden der Segelkameradschaft Dr. Jochen Orgelmann mit der goldenen Ehrennadel des Landessportbundes aus. Vroom, Präsident des LSB, ist als SK-Mitglied selbst drei Reisen unter Orgelmann gesegelt. Aber die Auszeichnung gibt es für über 40 Jahre engagierte Vorstandsarbeit in einem Bremer Verein – davon 28 Jahre an der Spitze. Das anschließende dreifache Hipphipphurra auf den Geehrten ist die lauteste Beifallsbekundung überhaupt an diesem ganzen Abend.

 

Kommentieren
*Pflichtfelder. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht