„Cathy“ wirbelt Programm durcheinander

Ein kalter Luftstrom aus 5000 Metern Höhe, Gewitter, Starkregen und Sturmböen bis 45 Knoten: Das waren die Prognosen, die Wetterexperte Meeno Schrader für den sechsten Tag der Kieler Woche bereithielt. Gegen 15 Uhr kam dann der kalte Nordwestwind und die Wettfahrtleitung schickte, bis auf 420er und J/80, alle Klassen wieder auf die Bahnen Hotel, India, Juliet, Golf und Echo. Gesegelt wurde bis spät in die Abendstunden. Die ersten Starts für den Freitag sind eine Stunde vorverlegt und für 10 Uhr angesetzt.

Ein kalter Luftstrom aus 5000 Metern Höhe, Gewitter, Starkregen und Sturmböen bis 45 Knoten: Das waren die Prognosen, die Wetterexperte Meeno Schrader für den sechsten Tag der Kieler Woche bereithielt. Die Auszeit des Sommerwetters in Schleswig-Holstein sorgte für gehörigen Wirbel in der Organisation der Wettfahrten: Denn auslaufen oder zur Sicherheit an Land bleiben, war die große Frage angesichts der Wetterfront, die für die Mittagsstunden angekündigt war. Gerade die weiten Wege zu den Außenbahnen bergen auch immer die Gefahr, die Sportler nicht rechtzeitig vor dem Eintreffen des Unwetters im sicheren Hafen zu haben.

Doch am Morgen zeigten sich Wind und Wetter noch gezähmt, so dass um 9.30 Uhr zum Auslaufen geläutet wurde. Die Skiff-Frauen, die Mixed-Katamarane sowie die 470er (Männer und Frauen) und Finns (Männer) in den olympischen Klassen schafften so immerhin ein kleines Regattaprogramm, bevor Tief „Cathy“ ausgerechnet zum Sommeranfang die weiteren Wettfahrtplanungen davonwehte. „Auch, wenn das Gewitter die Regattabahnen nicht direkt traf, sei der Abbruch die richtige Entscheidung gewesen“, erklärte Meeno Schrader. Gegen 15 Uhr kam dann der kalte Nordwestwind und die Wettfahrtleitung schickte, bis auf 420er und J/80, alle Klassen erneut wieder auf die Bahnen Hotel, India, Juliet, Golf und Echo. Gesegelt wurde bis spät in die Abendstunden. Die ersten Starts für den Freitag sind eine Stunde vorverlegt und für 10 Uhr angesetzt.

Anzeige

 

49erFX: Mit zwei Siegen am ersten Tag überraschte das US-amerikanische Team Stephanie Roble/Maggie Shea die versammelte Weltelite. Nach drei Rennen führten die Chicagoerinnen das Feld vor den Olympia-Zweiten Alexandra Maloney/Molly Meech (Neuseeland) an. Auch die deutschen Europameisterinnen Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee/Strande) und die WM-Dritten von 2016, Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Berlin), mussten sich zunächst hinter den US-Girls, die „Gold in Tokio“ als ihr selbstbewusstes Ziel ausgegeben haben, einreihen.

Am zweiten Tag drehte sich allerdings das Bild zugunsten der Deutschen. Sowohl Lutz/Beucke als auch Jurczok/Lorenz gewannen in ihren Gruppen die ersten Wettfahrten des Tages und liegen nun auf den Plätzen zwei und sieben nach insgesamt sieben Wettfahrten. „Wir testen unser Material aus. Gestern haben wir nicht die passenden Settings gefunden und waren ein bisschen unglücklich“, berichten Jurczok/Lorenz. Heute klappte es mit dem Bootsspeed besser. „Wir haben gute und schnelle Entscheidungen getroffen.“ Das Ziel für dieses Jahr ist es, bei der WM das Nationenticket für die Olympischen Spiele zu sichern. Bis dahin darf getestet werden.

470er Frauen: Die deutschen Frauen im 470er zeigten zu dieser Saison eine erstaunliche Leistungsexplosion. Nachdem die Crews im Winter aus unterschiedlichen Gründen nicht im gewohnten Maße trainieren konnten, ging die sportliche Leitung des DSV mit gedämpften Erwartungen in das Jahr. Doch diese Erwartungen wurden bereits mit dem Saisonstart in Europa weit übertroffen. Und nach dem Gewinn von zwei EM-Medaillen für Frederike Loewe/Anna Markfort (Silber) und Nadine Böhm/Ann-Christin Goliaß (Bronze) starteten die Deutschen nun als Mitfavoriten in die Kieler Woche. Diesem Anspruch wurden die beiden Crews auch gerecht und liegen nach dem zweiten Tag auf den beiden ersten Podiumsplätzen. Frederike Loewe/Anna Markfort und Nadine Böhm/Ann-Christin Goliaß führen das Feld vor dem griechischen Team Bozi/Klonaridou und Fabienne Oster/Anastasiya Winkel (Hamburg) auf Platz vier an. „Wir sind zufrieden“, erklärten Fabienne Oster/Anastasiya Winkel trotzdem. Das Feld sei mit der amtierenden Weltmeisterin aus Polen und starken spanischen Teams sehr gut besetzt.

470er Männer: Die Spitze der 470er-Männer ist dagegen zur Kieler Woche bisher international dominiert. Zwar konnten auch die deutschen Männer im Frühjahr mit herausragenden Ergebnissen punkten – darunter der EM-Bronzemedaille für Malte Winkel/Matti Cipra, vor Kiel ließ sich das aber noch nicht wieder abrufen. Es führen nach vier Wettfahrten die frisch gekürten Europameister Anton Dahlberg/Frederik Bergström (Schweden) vor den australischen Superstars Mathew Belcher/Will Ryan. „Die Konkurrenz ist relativ hoch“, sagte Malte Winkel. Da in zwei Gruppen gesegelt wird, seien die Punkte extrem eng. „Im Finale geht daher das Rennen erst richtig los.“

 

Finn: Ed Wright hat ein schweres Los zu tragen. Der Brite gehört seit Jahren zur absoluten Weltspitze, hat seit 2006 sechs WM-Medaillen gewonnen, darunter den WM-Titel von 2010. Und doch stand der 40-Jährige selbst im eigenen Land immer nur in der zweiten Reihe. Entweder schnappten ihm Ben Ainslie oder zuletzt Giles Scott das Olympiaticket weg und eroberten schließlich auch stets Olympia-Gold. Gerade in den olympischen Zwischenjahren hält Wright aber die britische Fahne ganz hoch. Nach drei Wettfahrten führt Wright nun vor dem Ungarn Zsombor Berecz und Andrew Maloney aus Neuseeland. Die Deutschen arbeiten daran den Kontakt zur Weltspitze herzustellen. Bester Deutscher im aktuellen Ranking der Kieler Woche ist Max Kohlhoff (Kiel), der heute im dritten Rennen mit einem zweiten Platz überraschte.

 

Nacra17: Wenn die jungen Kieler Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer ihre Rennen ordnungsgemäß ins Ziel bringen, dann sind sie auch immer gut dabei. Allerdings steht in der Liste des Duos bereits zweimal in den fünf Wettfahrten eine Frühstart-Disqualifikation. Das wirft sie in der Gesamtwertung weit zurück. Nahezu perfekt unterwegs sind die Australier Jason Waterhouse/Lisa Darmanin. Die Olympiazweiten haben mit den Platzierungen 1, 1, 1, 2, 3 die Flotte der 42 Konkurrenten fest im Griff.

 

 

Zehn Mutige mit nautischem Einsatz

Die Ankündigung von 45 Knoten auf der Seebahn hat zum Senatspreis der Kieler Woche doch einige Crews davor abgeschreckt, aus dem Hafen zu gehen. So zählte Wettfahrtleiter Ralf Paulsen schließlich zehn Boote statt der gemeldeten 21. Die erlebten auf dem Mittelstreckenkurs, der in rund fünf Stunden abgesegelt wurde, dann eher moderate Bedingungen. „Wir hatten vielleicht mal 22 bis 23 Knoten, vereinzelt vielleicht auch 25“, berichtete Paulsen.

Das neue System, wonach die Crews die Reihenfolge der festgelegten Tonnen selbst auswählen durften, sei laut Paulsen durchaus angenommen worden. „Zum Skippersmeeting haben einige Mannschaften darüber gegrübelt, welcher Kurs der beste sei.“ Der Einsatz des Messenger-Dienstes WhatsApp für die Registrierung der Tonnenrundungen habe sich bewährt. Die Fotos vom Runden der Bahnmarken wurden von den Crews in die Gruppe gestellt und belegten damit das Absegeln des Kurses.

Am Ende setzten sich Patrik Heinrichs mit seiner acht Meter langen „JYNX“ (Bremen) durch und nahm am Abend den Senatspreis von Wettfahrtleiter Ralf Paulsen entgegen. Heinrichs verwies die „X-Day“ (Max Gurgel/Dümmer Yacht-Club Hüde) und den Kiel-Cup-Sieger „Halbtrocken 4.0“ (Michael Berghorn/Kieler Yacht-Club/Hamburg) auf die Plätze.

Den Abschluss der Seebahn-Regatten bildet am Freitag das Silberne Band, das um 17 Uhr in der Strander Buch gestartet wird. Bei vorausgesagten fünf bis sechs Beaufort und angepeilten 120 Seemeilen werden die ersten Yachten am Samstagmorgen gegen neun Uhr in Schilksee (Ziellinie am Leuchtturm) erwartet. Insgesamt 29 Yachten haben für die Lang-/Nachttour gemeldet.

Und während die Dickschiffe rechtzeitig im Hafen waren, wurde es für die Jollen- und Skiffsegler/innen ein langer Tag. Bis 20 Uhr sind Wettfahrten angesetzt.

 

 

 

Ergebnisse und Meldelisten finden Sie unter www.manage2sail.com

 

Kommentieren
*Pflichtfelder. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht