America's Cup

Demütigungen für Ainslie und Cammas

Der zweite Tag der zweiten Round Robin in der Vorrunde des America's Cup wurde zu einer Demontage der Teams aus Frankreich und Großbritannien. Während die Franzosen um Franck Cammas mit Groupama die Gegner vom SoftBank Team Japan zumindest noch in Sichtweite hatten, konnte Ben Ainslie mit Land Rover BAR gegen Neuseeland nur mit Mühe eine Überrundung vermeiden und gab das Rennen schließlich auf.

Der Schlüssel zum Erfolg war in dem schwachen Wind im Great Sound von Bermuda die Flugzeit. Nur wem es gelang, den Kat möglichst durchgängig auf den Foils zu halten, der hatte eine Chance. Und dies gelang in beeindruckender Weise zunächst dem Softbank Team Japan im ersten Rennen des Tages und anschließend dem Emirates Team New Zealand.

Im ersten Start des Tages konnten die Franzosen noch dicht an den Japanern um Dean Barker dran bleiben. Doch mit der ersten Tonnenrundung hatte das SoftBank-Team den Bug schon vorn und spielte dann seine ganze Foil-Technik aus. Während Barker das Boot sowohl auf dem Kurs als auch in den Manövern beständig in der Luft hielt und dabei noch gute Winkel zum Wind steuerte, schien Cammas mit den Bedingungen überhaupt nicht zurecht zu kommen. Immer wieder tauchte der weiße Kat der Franzosen ins Wasser und verlor enorm Geschwindigkeit, so dass die Japaner zeitweise mit vierfacher Geschwindigkeit unterwegs waren. Dazu kam, dass Cammas auf dem Downwinder nicht den richtigen Winkel zum Wind traf und vor dem Gate auf und ab fuhr, während Barker auf direktem Weg dem Ziel entgegen strebte. Am Ende waren es 5:59 Minuten, die die beiden Mannschaften im Ziel trennten.

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Noch brutaler für das unterlegene Team verlief das zweite Rennen des Tages. Zunächst schien Ben Ainslie mit Land Rover BAR den besseren Start gegenüber dem Emirates Team New Zealand mit Peter Burling am Ruder zu haben. Die Neueseeländer kamen mit ein paar Sekunden Verspätung über die Linie, hatten dann aber den höheren Grundspeed, um an der ersten Kursmarke mit den Briten gleich auf zu sein. Ainslie auf der Innenbahn an der Tonne schien zunächst die Neuseeländer bis an die Kursbegrenzung treiben zu wollen. Dann aber setzte er eine Halse und verpatzte das Manöver komplett. Seine Flüche waren deutlich über den Regattafunk zu hören, als der Steuerbord-Rumpf abstürzte, tief eintauchte und den Kat hart einbremste. Zudem erwies sich die Halse auch noch als taktisch falsche Seitenwahl. Und so wurde innerhalb weniger Minuten aus einer knappen Führung ein Rückstand von 350 Metern.

Von diesem Schock schien sich Ainslie überhaupt nicht mehr erholen zu können. Burling steuerte seinen Kat souverän auf den Foils und legte spektakuläre Wenden- und Halsenmanöver hin, als er das Boot auf der Stelle drehte, dass als Zuschauer der Eindruck entstand, die Crewmitglieder müssten bei den Zentrifugalkräften von Bord fliegen. Doch die Abläufe an Bord der Neuseeländer schienen derart perfektioniert, dass sämtliche Handgriffe wie Zahnräder ineinander griffen. Dagegen klatschten die Briten mit ihren Rümpfen immer wieder ins Wasser. Bereits am zweiten Gate stand die Verzweiflung Ben Ainslie ins Gesicht geschrieben. Während er nur auf das Gate zutrieb, eilten die Neuseeländer auf den Foils davon. Und dieses Szenario setzte sich auch im weiteren Rennverlauf fort, so dass Ainslie nur mit viel Mühe eine totale Demütigung vermeiden konnte. Als die Neuseeländer das Ziel passierten, hatte er noch fast zwei Schenkel vor sich. Ein sinnloses Unterfangen, wie der Superstar für sich feststellte. Der viermalige Olympiasieger meldete sich per Funk bei der Rennleitung und gab das Rennen zutiefst enttäuscht auf.

Im dritten Rennen des Tages präsentierte der Titelverteidiger Oracle USA eine taktische Meisterleistung gegen SoftBank Japan. Lange sahen die Japaner wie die sicheren Sieger aus. Schon am Start setzten sie sich deutlich ab, auch weil die Amerikaner einen Penalty kassierten, da sie zu spät in den Startbereich eingetaucht waren. Dean Barker hatte mit Japan die Kontrolle über Jimmy Spithill und hielt beständig einen Vorsprung von rund 20 Sekunden. An Gate 4 überraschte Tom Slingsby, der Taktiker der Amerikaner, mit einer scheinbar überflüssigen Halse. Doch Slingsby leitete damit einen Split ein, ging auf die anderen Kursseite als die führenden Japaner und fand dort das Glück. Mit einem Winddreher und besserem Wind waren die Amerikaner plötzlich auf der besseren Seite, machten aus einem klaren Rückstand einen deutlichen Vorsprung. Innerhalb weniger Minuten hatten sie eine halbe Minute Vorsprung herausgesegelt und gaben diese auch nicht mehr ab. Niedergeschlagen steuerte das japanische Team über die Linie und Taktiker Chris Draper entschuldigte sich bei seiner Mannschaft für den vergebenen Sieg.

Im letzten Rennen des Tages kam es zum Aufeinandertreffen der beiden enttäuschten Teams. Und Land Rover BAR und Groupama Team France bewiesen, dass sie an diesem Tag auf einem Niveau agierten. In einer Wettfahrt auf des Messers Schneide wechselte die Führung beständig. Ainslie hatte zunächst den Vorteil auf seiner Seite, da er Cammas noch in der Vorstartphase eine Penalty umhängen konnte. Doch die Franzosen ließen sich nicht abschütteln, und so wechselte die Führung mit jedem Winddreher. Erst mit der letzten Wende vor dem Ziel entschied sich schließlich das Duell. Ainslie kam mit ein wenig mehr Speed und auf Vorfahrtkurs auf das Ziel zu, rutschte knapp vor den Franzosen durch und landete damit einen so wichtigen Sieg, um den Sprung in das Halbfinale der Herausforderer zu schaffen. Dagegen scheinen die Franzosen nun wohl ohne Chance auf ein Weiterkommen zu sein.

Zwischenstand

Oracle USA (6 Siege/1 Niederlage/1 Zusatzpunkt) 7 Punkte

Emirates Team New Zealand (6/1/0) 6

Land Rover BAR (3/5/2) 5

SoftBank Team Japan (3/4/0) 3

Artemis Racing (2/5/0) 2

Groupama Team France (2/6/ 0) 2

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