Deutsche AC-Kompetenz zur Travemünder Woche

Hasso Hoffmeister (rechts) ist als Schiffbau-Ingenieur in das Class Rules Commitee des America's Cup berufen worden. Foto: segel-bilder.de

Das Organisationskomitee des kommenden America’s Cup hat wichtige Posten für den Rennablauf und die Einhaltung des Regelwerks für den Cup 2021 besetzt. Unter den von Titelverteidiger Emirates Team New Zealand und dem ersten Herausforderer (Prada, Italien) ausgewählten Experten befindet sich auch Hasso Hoffmeister. Der Schiffbau-Experte aus Hamburg ist ins Komitee für die Interpretation der Klassenregeln (Class Rules Committee) berufen worden.

Aber der Hamburger versteht Boote, deren Struktur und ihre korrekte, regelgerechte Bauweise nicht nur in der Theorie. Er ist aktiver Regattasegler, segelt seinen Mini 6.50 „Husky“ solo oder als Zwei-Personen-Crew. Zur Premiere der Deutschen Meisterschaft im Offshore Double Handed im Rahmen der 130. Travemünder Woche ist er daher mit am Start, segelt mit Michael Höfgen um die Medaillen.
„Wir sind gespannt, wie die Meisterschaft verläuft. Unsere Chancen hängen entscheidend vom Kurs ab. Wenn es weite Strecken mit Halbwind oder Raumschots-Bedingungen gibt, können die Minis weit vorn landen. Wird viel gekreuzt, wird es schwierig“, so Hoffmeister.


Mit Michael Höfgen ist Hasso Hoffmeister auf seiner “Husky” zur Deutschen Meisterschaft Offshore Double Handes am Start. Foto: segel-bilder.de

Vor dem Start in die Langstrecke am Donnerstagabend hatte er noch Zeit, über seinen Werdegang als Experte für die Berechnung und Bewertung von Boots- und Riggstrukturen zu berichten: Der 55-Jährige ist seit seinem Abschluss als Schiffbau-Ingenieur in 1993 für die Klassifikationsgesellschaft DNVGL (ehemals Germanischer Lloyd) tätig. Im Rahmen dieser Tätigkeit hat er mehrere Prüfstandards entwickelt, darunter die GL-Richtlinien für das strukturelle Design von Rennyachten. Sein besonderes Fachgebiet ist die Bewertung von Verbundstrukturen. Während der Zusammenarbeit mit dem Germanischen Lloyd war Hoffmeister auch Rigg-Designer des United Internet Team Germany beim 32. America’s Cup in 2007. Bereits in 2000 hatte er sich einen Namen im professionellen Segelsport gemacht, als er über den Germanischen Lloyd zum Designteam für die „Illbruck“-Challenge gehörte.

Offenbar hat sich der Hamburger derart bleibend in Erinnerung gebracht, dass er im vergangenen Jahr angesprochen wurde, ob er Interesse hat, in dem neuen Komitee mitzuwirken. „Das ist eine unglaubliche Ehre. Das Rules Committee des America’s Cup ist eine unabhängige Instanz und hat das technische Sagen bzw. die Interpretationsgewalt über die Klassenregeln“, berichtet Hoffmeister. Und es gibt viele Fragen der Teams. Das 55-seitige Regelwerk lässt gerade in einem Wettbewerb von Konstruktionsklassen wie dem AC immer wieder Spielräume zu, wie bestimmte Elemente von Rigg, Rumpf oder Foils zu designen sind.

Daher hat Hoffmeister mit seinen Committee-Kollegen Stan Honey (USA) und Carlos de Beltràn (Spanien) schon diverse Anfragen zu bearbeiten gehabt. „Wir sind uns sehr bewusst, dass wir eine schwierige Aufgabe vor uns haben. Aber ich bin fasziniert von diesem Wettbewerb und es wird spannend sein, wie sich die Arbeit entwickelt“, sagt Hoffmeister. Vorrangig ist der Job eine Arbeit, die per Email erledigt wird, aber natürlich hofft der Hamburger darauf, auch mal selbst zu den AC-Wettbewerben vor Ort sein zu können.
Jetzt ist aber erst einmal die IDM-Premiere im Fokus. Und dafür gibt es eine Kampfansage vom Konstruktionsexperten: „Vom Start bis zum Ziel versuchen wir, das Gaspedal durchzudrücken. Das machen wir immer so.“

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