„Ein Traum“ für die Crew der „Halbtrocken“

Mit einer Punktlandung brachten die Teilnehmer der Meisterschaftspremiere in der Disziplin Offshore Double Handed ihren deutschen Titelkampf zum Abschluss. Vier Wettfahrten mussten die Zwei-Personen-Crews auf der Lang- und Mittelstrecke über den Kurs bringen, um einen offiziellen Meister nach der Meisterschaftsordnung des DSV küren zu können. Zum Finaltag mussten daher unbedingt noch zwei Rennen gesegelt werden. Aber Wettfahrtleiter Uwe Wenzel machte es möglich: Auf einem verkürzten Kurs schickte er die Flotte bei schönsten Bedingungen durch die Lübecker Bucht und rechtzeitig zum Abschluss der 130. Travemünder Woche ins Ziel. Natürlich vor allem zur Freude von Knut Freudenberg und Nils Reichert (Flensburg), die sich mit der „Halbtrocken“ in die Geschichtsbücher des DSV eintrugen. Sie sind die ersten Deutschen Meister in der neuen Disziplin.

Es ist ein Traum“, jubilierte Knut Freudenberg. „Aber es war auch wahnsinnig anstrengend.“ Die Crew überraschte auch sich selbst. Einen Platz unter den Top-Drei hatten sie sich aufgrund ihrer Erfahrung und der Performance des Bootes zugetraut. Doch die Startvoraussetzungen waren alles andere als optimal: Freudenberg hatte sich zur Kieler Woche einen Sehnenabriss im rechten Knie zugezogen, war erst vor drei Wochen operiert worden. Und Reichert war vor drei Tagen auf eine Klampe gestürzt und segelte mit einer Brustprellung. „Daher mussten wir uns die Manöver drei Minuten früher überlegen und sehr vorsichtig agieren. Das hat uns sicherlich etwas behindert“, so Freudenberg, dessen Puls gerade zum Start in die Langstrecke auf 180 war. In der Enge der Trave war spontanes Agieren gefragt – mit zusätzlichem Hindernis, als sich ein Fahrtensegler unter Motor ins Geschehen einmischte. „Eine heiße Nummer – wie in der Formel 1. Aber toll! Wir waren alle vielleicht sogar übermotiviert. Da hätte man auch schon aus der ersten Kurve fliegen können. Aber wir haben ihn auch genossen, den Start vor Publikum.“

Für die Zukunft muss sich zeigen, wie sich das Format entwickelt. Freudenberg ist begeistert, wünscht sich aber einen Reservetag, um mit der Meisterschaft nicht zu sehr unter Zeitdruck zu kommen.
Mit dem Sieg auf der Langstrecke („Da haben wir bei der Umrundung Fehmarns die richtigen taktischen Entscheidungen getroffen“) sowie einem zweiten und zwei dritten Rängen auf der Mittelstrecke sicherte sich die „Halbtrocken“-Crew den Sieg vor Bernd Petrick/Annika Salonen mit der „Milou“ (Niendorf) und den Lübeckern Andreas und Birthe Grasteit auf der „Grace“.

Mit einem weiteren Mittelstrecken-Rennen schlossen auch die Yachten des Ostsee-Cups ihre Travemünder Woche ab. Gesegelt wurde nach Yardstick und ORC. In der ORC I+II siegte Christian Rönsch (Kiel) auf der „Piranha“, die Gruppe der ORC III brachten Jürgen Klinghardt/Henning Tebbe (Hamburg) mit einem Sieg seiner „Patent 4“ zum Abschluss erfolgreich ins Ziel. Die Yardstick-Klasse I konnte Lutz Pouplier mit der „Tsunami“ (Lübeck) für sich entscheiden, während in der Yardstick III das Folkeboot von Heino Haase (Lübeck) top war.

Gefeiert wurden zum Abschluss nicht nur die Sieger, sondern auch der Wettfahrtleiter. Mit „Uwe, Uwe“ Rufen ließen sie Uwe Wenzel hochleben, dem dabei mit seiner Crew die Augen feucht wurden.

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