Eine Bootsklasse für alle

An der Spitze nichts Neues. Die zwei Rennen am Samstag brachten keine Veränderungen bei den vorderen Plätzen bei der Eurosaf Para Sailing Championships in der 2.4mR Klasse. Zwei Starts, zwei Siege lautete das Resultat für den Franzosen Damien Seguin.

Er hat vor dem letzten Wettfahrttag mittlerweile zehn Punkte Vorsprung auf seinen Verfolger Heiko Kröger. Lasse Klötzing verteidigte seinen momentanen dritten Rang.

„Wir segeln auf extrem gleichen Niveau, Damien hat allerdings in diesem Jahr bereits mehr gesegelt“, erklärte Heiko Kröger. Er selbst habe nur eine Regatta bei wenig Wind bisher gefahren. „Heute war ich permanent schneller, Damien lag trotzdem vorn. Das ist schon ärgerlich.“

Anzeige

Im vergangenen Jahr waren zur Para-WM mehr Segler vor Ort. „Da hatte auch World Sailing eingeladen und das mitfinanziert.“ So konnten sich einige Segler das Event leisten. In diesem Jahr ist die WM in den USA. „Es ist wichtig, dass sie auf einem anderen Kontinent ist und wir somit breiter aufgestellt sind“, erklärte Kröger. Es sehe gut aus, dass so die geforderten 32 Nationen erreicht werden, um wieder zu einer paralympischen Sportdisziplin zu werden.

Dass Segeln und vor allem der 2.4mR sei ein perfektes Beispiel für Inklusion ist, betonte auch Ulli Libor. Der ehemalige Olympiasegler und Medaillengewinner im Flying Dutchman ist vor drei Jahren in die Bootsklasse eingestiegen und segelt in der open-Wertung mit. Er ist der einzige ohne Behinderung, der sich auf Rang sechs einen Platz im Medal Race gesichert hat. „Seit zwei Jahren habe ich nicht solch einen Wind gehabt“, erklärte er zum Samstag. Er habe sich zunächst daran gewöhnen müssen, die Segel einzustellen. „Ich bin zufrieden, aber es ist noch ausbaufähig.“

Eigentlich sollte die Klasse sogar olympisch sein, so Ulli Libor. Auf jeden Fall aber weiter paralympisch, denn das Boot schaffe eine gerechte Voraussetzung für jeden, egal ob mit oder ohne Behinderung, ob Frau oder Mann, ob alt oder jung, sagte Heiko Kröger. Das ist Inklusion. „Das gibt es nur im Segeln, in keiner anderen Sportart“, so Kröger. Oder könne man sich vorstellen, dass ein Rollstuhlfahrer gegen Rafael Nadal in Wimbledon antreten könne und zwar ohne durch seine Behinderung benachteiligt zu sein? Unmöglich. Aber im Segeln ist es möglich und das seit zwölf Jahren. „Es ist nur zu wenig bewusst.“

„Ein bisschen hängt es noch nach, dass es eine Behindertenklasse ist“, führte Ulli Libor aus. So sei er gefragt worden, warum er gerade in dieses Boot steige. „Steigt ein, probiert es aus. Alles ist filigran, sehr präzise, es wendet blitzartig und läuft enorme Höhe“, war seine Antwort. Bei nationalen Regatten seien nur 20 bis 30 Prozent der Teilnehmer Segler mit Behinderungen.

Neben den 2.4mR segeln auch die Hansa 303 ihre Para-EM aus. Durch die Startverschiebungen aufgrund starker Windböen am Morgen gingen sie allerdings erst um 17 Uhr aufs Wasser und segelten bis zum späten Abend. Nach derzeitigem Stand liegt Piotr Cichocki (Polen) auf der Führungsposition, gefolgt von Waldemar Wozniak (Polen) und Jens Kroker.

Kommentieren
*Pflichtfelder. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht