„Iskareen“-Skipper Arnt Bruhns im Ziel von Guadeloupe

Um 5.30 Uhr Ortszeit bei anbrechender Dämmerung am Montagmorgen erreichte der Hamburger Arnt Bruhns auf der Class40 „Iskareen“ Point-a-Pitre/Guadeloupe und damit die Ziellinie der Regatta Route du Rhum.

Im Gesamtklassement der ursprünglich 53 gestarteten Class40 belegt der 49-jährige Amateur einen ausgezeichneten 17. Platz.

„Ich fuhr im Dunklen auf die Ziellinie zu, als auf einmal drei schnelle Motorboote auf mich zukamen, darauf die Rennleitung, der Vermesser und mein Bruder und meine Frau“, berichtet Arnt Bruhns von den letzten Minuten alleine auf See. „Und dann war es plötzlich vorbei mit dem Alleinsein an Bord, Jubel und Beifall um mich herum und wir sind zu dritt in den Hafen gesegelt.“

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Noch in schwachen Licht erreichte Arnt Bruhns das Ziel. Foto: Richard Schmidt

Zeit, die Emotionen zu verarbeiten, hatte der Skipper bisher nicht, direkt nach dem Zieleinlauf stieg der Vermesser an Bord und kontrollierte, ob alle Siegel, die an Motor- und Dieselkanister angebracht waren, unversehrt den harten Trip über den Atlantik überstanden hatten. „Beim Sturm in der ersten Woche, als das Boot von einer Welle überrollt wurde und auf der Seite lag, hatte sich die Verplombung von einem der Dieselkanister gelöst, so dass der durchs Schiff polterte, das habe ich auch sofort der Rennleitung gemeldet“, berichtet Bruhns. Der Vermesser vor Ort fällte schnell ein Urteil: eine Zeitstrafe von 45 Minuten – undramatisch für den erfolgreichen Segler; an der Platzierung ändert sich damit nichts.

Hinter dem Solosegler liegen drei Wochen alleine auf See, die von drei heftigen Sturmtiefs in der ersten Woche, wenig Wind auf dem Weg Richtung Madeira und Kanaren und einem harten Schlusssprint geprägt waren. „Die letzten vier, fünf Tage waren vier Boote in relativer Nähe, wir alle haben unsere Boote so weit wie möglich gepusht, um keinen Platz mehr zu verschenken“, erzählt er. „Da ich unter Rennbedingungen doch besser als der Autopilot steuere, waren die letzten Tage auf See von sehr wenig Schlaf und vielen Segelwechseln geprägt.“

Die Anstrengungen haben sich gelohnt, mit einer Platzierung im ersten Drittel hat der Skipper, für den die Route du Rhum die erste Soloregatta war, seine eigene Zielsetzung und Erwartungen weit übertroffen.

„Mein erstes Ziel war es anzukommen, so dass ich in der ersten Woche, als das dritte Tief über uns hinwegrauschte, den längeren, aber sichereren Weg entlang der portugiesischen Küste gewählt habe“, sagt er. „Die hohe Ausfallquote von 32 Prozent im Feld der Class40 zeigt, dass es richtig war, rechtzeitig den Druck rauszunehmen. Danach konnte ich in den Racemodus wechseln.“

Die guten Wünsche der Kinder begleiteten den Skipper über den Atlantik. Foto: Richard Schmidt

In Point-a-Pitre angekommen gab es einen herzlichen, karibischen Empfang – neben der obligatorischen Flasche Rum und einem Korb mit landestypischen Früchten und Blumen in einem nahegelegenen Restaurant auch ein typisch französisches „Steak Frites“. Dort feierten bereits die Familie und Freunde von Romain Pilliard, der mit dem Ultime „Remade – use it again“ nur wenige Stunden vor Arnt Bruhns durchs Ziel gegangen war.

Auf die Frage, ob er das Rennen wieder machen würde, antwortete er ausweichend: „Frag‘ mich das noch einmal in drei Jahren. Aber vielleicht gibt es noch ganz andere Segelabenteuer, die es gilt zu bewältigen.“

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