Julian Hoffmann dominiert vor Kiel

Satte 32 Wettfahrten bei Sonnenschein – Jesse Lindstädt/Lisa Maria Rausch mischen im Nacra 15 vorn mit

Sonnenschein und Wind um die drei Beaufort: Am zweiten Tag der Young Europeans Sailing (YES/8. bis 10. Juni) zeigte sich Kiel-Schilksee von seiner versöhnlichen Seite. Bereits um 10 Uhr erfolgten die ersten Startschüsse, um den für den Nachmittag vorhergesagten abnehmenden Winden auszuweichen. Nachdem zum Auftakt die Starkwinde in Böen über 5 Beaufort nur eine Wettfahrt und reichlich Kenterungen und Bruch bedeuteten, war Tag zwei perfekt. Auch die Nacra 15, bei denen die YES Teil der European Super Series sind, griffen mit einem Tag Verspätung ins Geschehen ein. Insgesamt 32 Wettfahrten absolvierten die rund 640 Aktiven aus 16 Ländern. Auch für Pfingstmontag ist das volle Programm mit zwei bzw drei Wettfahrten (29er und Nacra 15) geplant.

Zwei Wochen vor der Kieler Woche stimmt der Nachwuchs Kiel schon einmal auf großen Segelsport ein. Die Young Europeans Sailing, ausgerichtet vom Kieler Yacht-Club und dem Norddeutschen Regatta Verein, sind fester Bestandteil im Regatta-Kalender des Nachwuchses und überzeugen mit professionellem Segeln und vielfältigem Rahmenprogramm. Gesegelt wird bei der Kieler Woche des Nachwuchses in den Klassen 29er, 420er (zwei Gruppen), Laser 4.7 (zwei Gruppen), Laser Standard/M, Laser Radial/W, Laser Radial/M (zwei Gruppen) und Nacra 15 auf vier Bahnen.

Im Laser Radial/M ist Julian Hoffmann als Titelverteidiger Mitfavorit. Der 17-Jährige gilt als eines der ganz großen Talente im deutschen Segelsport. Der Bayer vom Segelclub Alpsee Immenstadt fand über den Laser 4.7 den Weg in den Radial, dessen Segelfläche 5,7 statt 4,7 Quadratmeter beträgt. Bereits im 4.7 hamsterte der Schüler Erfolge, gewann 2016 als 13-Jähriger den U-16-Titel, wurde Vizemeister bei der Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaft im Rahmen der Travemünder Woche und hatte 2017 den Bug vorn bei der Kieler Woche des Nachwuchses, den Young Europeans Sailing.

2018 folgte der perfekte Umstieg in den Laser Radial mit dem erneuten Sieg bei den YES-Regatten vor Kiel. „Hat gut geklappt“, so der Gymnasiast am Oberstdorfer Sportgymnasium im Vorjahr knapp. Drei Wochen nach dem Umstieg auf das größere Segel folgten gleich der erste Erfolg und die Berechtigung zur Teilnahme an der Jugend-WM in Texas, der sechste Platz bei der Kieler Woche unter 168 Teilnehmern sowie Rang vier in der U17-Wertung der Laser-Radial-Jugend-WM einen Monat später – ebenfalls vor Kiel. Und schließlich vertrat Hoffmann die DSV-Farben bei den Youth Worlds von World Sailing in Corpus Christi. In den USA ersegelte Hoffmann in seinem ersten Laser-Radial-Jahr Rang neun.

2019 ehrte der Bayerische Seglerverband seinen Jugendmeister in München für seinen ersten Platz bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft und den 1. Platz bei der Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaft. DSV-Jugendobmann Timo Haß: „Julian kommt aus dem Breitensport und hat seine Segelkarriere sehr zielgerichtet mit jährlicher Steigerung aufgebaut.“ Vielleicht ist es kein Zufall, dass Hoffmann den Laser segelt, den sein Clubkamerad Phillip Buhl 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio zugeteilt bekommen hatte. Ende Februar wurde Hoffmann beim Deutschen Jugendseglertreffen mit dem Nachwuchspreis von Immac ausgezeichnet. Der Preis wird von der IMMAC group verliehen, zu der u.a. das IMMAC Sailing Team gehört. Matthias Graf zu Castell-Rüdenhausen, Prokurist der IMMAC Holding AG und verantwortlich für das Engagement der Gruppe, überreichte Pokal und Scheck an einen ungewohnt wortkargen Hoffmann.

Am 1. Weihnachtstag feierte der Allgäuer, Mitglied der 50-köpfigen deutschen Jugendnationalmannschaft, seinen 17. Geburtstag. In Oberstdorf, wo sonst eher Wintersportler die Schulbank drücken, wächst eine ganz große deutsche Segelhoffnung heran – auf den Spuren seines Vorbildes und Vereinskameraden Philipp Buhl.

Während im Laser Radial Männer Julian Hoffmann mit den Platzierungen 1, (Frühstart), 1 und 2 als Gesamtführender auf Worlds-Kurs ist, kämpfen bei den Laser Radial/W aus der Jugendnationalmannschaft Carlotta Sophie Crüsemann (Kiel), Lina Kristin Fischer (Kiel/beide Bewohnerinnen des Sportinternats Kiel), Theresa Wierschin (Warnemünde) und Laura Pukropski (Berlin) um das Ticket.

Beim Kampf um den YES-Titel und die Deutsche Junioren-Meisterschaft hat Hannah Anderssohn eingegriffen. Die 19-Jährige ist nach 540 Tagen Regattapause wieder gestartet. Und die Warnemünderin, die als eine der größten deutschen Segeltalente gilt, fing mit einem Tagessieg am Samstag an und hatte angesichts des gelungenen Wiedereinstiegs nach den zahlreichen Verletzungen Freudentränen in den Augen. Nach vier Wettfahrten liegt Hannah Andersson auf Rang vier. Die Warnemünderin ging bei der vierten Wettfahrt als Vorsichtsmaßnahme nicht an den Start.

In Führung bei der YES-Wertung und DJoM liegt die Lokalmatadorin Laura Schewe mit zwei Tagessiegen (5 Punkte) vor Vorjahressiegerin Lena Haverland (Schwerin/7).

Aus der Jugendnationalmannschaft ist Theresa Wierschin (Warnemünde) als Gesamt-Siebente auf Kurs Gdynia. Wierschin liegt zwei Punkte vor ihrer Jugendnationalmannschaftskollegin Lina Fischer (Kiel).

Leonard Stock (NRV) führt nach vier Wettfahrten im Laser Standard vor dem Dänen Kenneth Frederiksen und Philip Walkenbach (Zeuthen) aus der Jugendnationalmannschaft des DSV. Walkenbach startete 2018 noch im Laser Radial.

Im Laser 4.7 dominiert Oliver Sanders (Rottachsee) mit vier Punkten vor Bendix Mayer (Konstanz) und Jonas Mager (Mühlenberger SC) – beide mit neun Punkten.

Die gesamte deutsche Jugendnationalmannschaft ist im 29er am Start. Gleich 13 Crews gehören der Jugend-Nationalmannschaft des German Sailing Teams an. Sieben Jungen-Crews – Florian Steuerer/Moritz Fiebig (Augsburg/Dänischenhagen), Jonas Schupp/Moritz Hagenmeyer (Wörthsee/Dießen), Finn Walter/Marcus Borlinghaus (Fürstenfeldbruck/Neuried), Philipp Wrobel/Julian Haunschild (Konstanz/Starnberg), Valentin Müller/Ole Ulrich (Tutzing/Hamburg), Felix Neszvecsko/Max Körner (Starnberg), Moritz Dorau/Riko Rockenbauch (Freiburg/Mainz) – und sechs Mädchen-Crews – Laila Moebius/Emelie Hesse (Hechendorf/Pfaffing), Elena Krupp/Clara Borlinghaus (Wörthsee/Neuried), Johanna von Forstner/Marla Schneekloth (Kiel), Elisa Gröner/Carolina Bergmann (Berlin), Sarah Springer (Langenargen)/Paula Becker (W&W Schwedeneck) Katharina Schwachhofer/Elena Stoltze (Radolfzell) – mischen in dem starken 29er-Feld mit. Sie alle können auch in den Kampf um das deutsche Worlds-Ticket eingreifen.

Nach fünf Wettfahrten führen Finn Walter/Marcus Borlinghaus vor Jonas Schupp/Moritz Hagenmeyer u d den Italienern Zeno Santini/Marco Misseroni. Beste Frauencrew sind Elena Krupp/Clara Borlinghaus auf Rang zehn.

Sowohl im 29er als auch im Laser Radial M/W kämpft der Nachwuchs um das deutsche Ticket für die World Sailing Jugend-Weltmeisterschaft in Gdynia (Polen/13. bis 20. Juli). Bei der Ausscheidung für die Youth Worlds treffen die Aktiven der Jahrgänge 2001 bis 2007 aufeinander.

Im Nacra 15 werden die Favoriten aus Frankreich ihrer Rolle gerecht. Auf den ersten drei Rängen drängt sich nach vier Wettfahrten der französische Nachwuchs: Margaux Billy/Leo Maurin vor Armand Clabon/Lou Berthomieu und den WM-Bronzemedaillengewinner Thomas Proust/Julien Moutarde.

Die deutsche Crew Jesse Lindstädt/Lisa Maria Rausch (HSC) konnte sich mit einem Sieg im vierten Rannen auf Rang vier schieben und liegt damit deutlich vor den amtierenden Vizeweltmeistern Kenza Coutard/Hippolyte Gruetmund (Frankreich/12.) und Leonard Beyer/Janneke Fock (NRV/13.).

Doch trotz des Erfolgs in der vierten Wettfahrt war Jesse Lindstädt nur bedingt zufrieden. „Wir können nur mit der letzten Wettfahrt zufrieden sein, davor lief es nicht rund“, so der Hamburger. Vor Workum (Niederlande) sei es schon deutlich besser gelaufen und man habe lange das riesige Feld angeführt, erklärte Lindstädt. In Kiel gebe es noch Verbesserungsbedarf. „In der vierten Wettfahrt haben wir dann Papas Tipps berücksichtigt und haben immer auf Druck geachtet. So haben wir auf der Kreuz acht Wenden gefahren“, erklärt der Sohn des erfahrenen Katamaran-Seglers und Nacra-Händlers Sven Lindstädt. Mit Rang vier möchte sich das Hamburger Duo Lindstädt/Lisa Maria Rausch allerdings nicht zufriedengeben. „Morgen greifen wir noch einmal an“, so Jesse Lindstädt. Zum Abschluss stehen am Montag noch drei Wettfahrten auf dem Programm.

Im 420er schoben sich bei einer verkappten Süddeutschen Meisterschaft die Überlinger Jonathan Steidle/Leonardo Honold mit drei Tagessiegen an die Spitze. Auf den Plätzen folgen Florian Krauss/Jannis Sümmichen (Seeshaupt/Chiemsee) und die beste Mädchen-Crew Theresa Steinlein/Lina Plettner (Bayersicher Yacht-Club).

Neben dem YES-Segelprogramm auf dem Wasser lädt die beliebte Aktionswiese auch in diesem Jahr wieder Jung und Alt zum Verweilen ein. Unterstützt von der boot Düsseldorf und der Müllverbrennung Kiel (MVK) verwandelt sich die Grünfläche zu einem Erlebnisspielplatz. Das bunte Angebot wird von Ausstellern und Gastronomen komplettiert. Unterstützt wird die Veranstaltung von der Müllverbrennung Kiel, der boot Düsseldorf, Addix Internet Services, BS PAYONE, Hugo Hamann, SVG Service Verlag/Segler-Zeitung und 1&1 Versatel. – Hermann Hell

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