Maior 2019: Segelspaß pur

Die Gesichter glühend von der Sonne, die Nasen eisig vom Wind, das Grinsen nach heißen Rennen tief ins Gesicht gemeißelt: Der zweite Tag der Maior-Regatta offenbarte pures Segler-Glück, als die Crews am späten Nachmittag wieder in den Olympiahafen von Schilksee eingelaufen waren.

Die Gesichter glühend von der Sonne, die Nasen eisig vom Wind, das Grinsen nach heißen Rennen tief ins Gesicht gemeißelt: Der zweite Tag der Maior-Regatta offenbarte pures Segler-Glück, als die Crews am späten Nachmittag wieder in den Olympiahafen von Schilksee eingelaufen waren.

Eine zunächst frische und später abnehmende Brise ermöglichte auf der ORC-Bahn drei anspruchsvolle Rennen – fünf sind es insgesamt nach zwei Tagen. Die J/70 und J/80 haben sogar acht Wettfahrten in der Liste. Was die ORC-Crews an der Spitze besonders begeisterte: Frische Projekte haben die Klasse auf ein neues Niveau katapultiert.

Das Maß der Dinge bei den großen Yachten (ORC I+II) bleibt auch nach dem zweiten Tag die „Sportsfreund“ mit Steuermann Gordon Nickel. Doch der Fight wird enger: Michael Berghorn war mit der „Halbtrocken 4.0“ am Samstag auf gleicher Höhe. Und die „Intermezzo“ von Jens Kuphal vermasselte sich den ersten Tagessieg zur Maior nur durch einen minimalen Frühstart.

Die “Sportsfreund” (GER 7800) führt bei den großen Yachten. Foto: sport-bilder.de

„Es waren Rennen auf absoluter Augenhöhe“, berichtete Gordon Nickel, nachdem die „Sportsfreund“ und die „Halbtrocken 4.0“ jeweils einen Sieg und einen zweiten Platz eingefahren hatten und sich das dritte Rennen mit exakt gleicher Berechnung mit 1,5 Punkten teilten. Nickel, der am Freitag beide Rennen gewonnen hatte, setzte damit seine Premiere als Steuermann der „Sportsfreund“ erfolgreich fort. Eigentlich ist er auf der neuen X41 als Mann für den Spinnaker geplant. Da aber Eigner und Steuermann Axel Seehafer zur Maior beruflich verhindert ist, sprang Nickel, der im vergangenen Jahr die „OneSpirit“ zum deutschen Titel führte, kurzfristig ein. „Das hat sehr gut geklappt. Aber es ist auch eine sehr gute und erfahrene Mannschaft an Bord.“ Ein Team, das wohl auch im weiteren Saisonverlauf noch für Aufsehen sorgen wird. Denn mit Kieler Woche, Deutscher Meisterschaft zur Travemünder Woche und der EM in Schweden will die Crew das volle Programm fahren. Zu einer Zielformulierung beim internationalen Höhepunkt wollte sich Gordon Nickel zwar nicht hinreißen lassen, aber eine Top-5-Platzierung bei der EM wird zumindest nicht ausgeschlossen.

Sichtlich genossen hatte den Tag auf See auch Michael Berghorn: „Einfach super!“, fasste der „Halbtrocken 4.0“-Eigner die Wettfahrten zusammen. Dabei begeisterte ihn nicht nur, die eigene starke Performance, sondern vor allem die Größe und Klasse des Feldes. „Vor einem Jahr haben wir mit einem kleinen Feld zusammengesessen und uns gefragt, ob das überhaupt noch Sinn macht. Wir haben schon daran gedacht, ins Mittelmeer zu gehen.“ Doch in 2019 scheint alles anders: Allein sechs X41 sind auf der Maior-Bahn, insgesamt sind 18 Yachten in der ORC I+II zur Maior am Start. Weitere Crews mussten kurzfristig ihre Teilnahme absagen, werden aber im Saisonverlauf noch auf der Bahn erwartet. „So macht es wieder richtig Spaß. Und es war schön zu sehen, dass nach dem ersten Tag die neuen Projekte ganz vorn zu finden waren“, so Berghorn. Gemeint waren neben der „Sportsfreund“, die zu dieser Saison nach einem Jahr Pause mit neuem Boot auf die Bahn zurückgekehrt ist, die frische Humphreys39 „Gingko“ von Dirk Clasen und die „Intermezzo“ von Jens Kuphal. Der Berliner hat die WM-Sieger-Yacht des vergangenen Jahres aus Norwegen nach Deutschland geholt und spielt sich nach kurzer Eingewöhnungszeit auf der Landmark43 ein: „Wenn man den richtigen Punkt trifft, dann fährt das Schiff wie auf Schienen und entwickelt eine unglaubliche Performance.“ Noch gelingt der Crew das nicht immer, aber wenn, dann ist die „Intermezzo“ kaum zu halten. „Das macht riesig Spaß. Wir haben dann auch Yachten hinter uns, die uns eigentlich vergüten müssten. Schade war der Frühstart. Da waren wir nur minimal zu früh, hatten ansonsten ein tolles Rennen.“ Trotz Frühstart nimmt die „Intermezzo“ nach Tag zwei den dritten Rang hinter der „Halbtrocken 4.0“ und der „Sportsfreund“ ein.

Die “Immac Fram” bestimmt das Geschehen in der ORC III. Foto: segel-bilder.de

In der ORC III legt die „Immac Fram“ mit Kai Mares zwar eine eindrucksvolle Serie hin und hat drei Siege und zwei zweite Plätze auf dem Konto. Dennoch ist das Rennen noch nicht entschieden, denn die „H.E.A.T“ von Max Augustin bleibt mit nur zwei Punkten Abstand dicht dran. Und die neu aufgestellte Crew der „OneSpirit“ um Steuermann Sören Brandt kommt als Gesamtdritte immer besser in Fahrt. „Die Top-Drei sind eng zusammen, dahinter ist etwas Luft. Wir selbst können auf eine gut eingespielte Crew zurückgreifen. Damit ist es auch einfacher, die größer werdenden Koordinationsprobleme für das Training zu kompensieren. Denn die beruflichen Verpflichtungen werden auch bei uns größer. Damit ist es nicht mehr ganz so einfach“, berichtet Kai Mares, der der „OneSpirit“ hohen Respekt zollte: „Die haben nach dem Crew-Umbau schnell zusammengefunden.“

In der Einheitsklasse J/80 konnte die „Pike“-Crew um Martin Menzner zwar nicht ganz an die überlegene Performance des ersten Tages anknüpfen. Die beständige Leistung sorgte aber dafür, dass Menzner seinen Vorsprung auf die Verfolger Arne Wilcken und Hauke Krüss sogar ausbauen konnte.

Bei den J/70 steuert Charlotte Braun-Dullaeus mit der Crew des SC Eckernförde auf Siegkurs. Der Berliner Gerd Knospe erwischte dagegen nach einem starken Auftakt einen wechselhaften Tag und rutschte von der Topposition.

Aufmerksamer Beobachter der Maior-Regatten war DSV-Vize Clemens Fackeldey, in dessen Geschäftsbereich das Seesegeln fällt. „Es macht Spaß zu sehen, wie sich das Seesegeln zu diesem Jahr entwickelt hat. Die Regatta-Vereinigung Seesegeln hat da in der Vergangenheit sehr gute Arbeit geleistet.“ Fackeldey freut sich daher schon jetzt auf die Kieler Woche, wenn er nicht nur als DSV-Präsidiumsmitglied Präsenz zeigt, sondern sogar in der Wettfahrtleitung aktiv sein wird.

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