Mit Mut und Eigeninitiative in die Weltspitze

Mit dem Start in die zweite Hälfte der Kieler Woche beginnt auch die große Leistungsschau der Weltklasse-Segler. Und die deutschen Akteure wollen die Chance nutzen, um sich auf der großen Bühne, der letzten großen Generalprobe vor den gemeinsamen Weltmeisterschaften der olympischen Klasse in sechs Wochen in Aarhus, zu präsentieren.

Beim traditionellen Segler-Frühstück der Vereinigung Schleswig-Holsteiner Sportjournalisten (VSHS) machte Philipp Buhl, der Aktivensprecher der Nationalmannschaft, eine klare Kampfansage. Kieler-Woche-Sieg und Weltmeistertitel stehen auf seiner To-Do-Liste der kommenden Tage und Wochen. DSV-Präsidentin Mona Küppers hörte es gern. „Man muss Eigeninitiative zeigen und Biss haben, um etwas zu erreichen“, so die oberste Repräsentantin des deutschen Segelsports.

Zum Segler-Frühstück ist es gute Tradition ein Zwischenfazit zur Kieler Woche zu ziehen. Und das fiel sehr gut aus. „Es braucht viele Zahnräder – große und kleine, um ein Uhrwerk zum Laufen zu bringen. Und wir haben mit unseren Partnern und Sponsoren alle Möglichkeiten für ein funktionierendes Uhrwerk. Die guten Meldezahlen zeigen, dass wir unser Angebot gut auf unsere Kunden, die Segler, abgestimmt haben“, sagte Regatta-Organisationsleiter Dirk Ramhorst. Und auch Kiels Stadtpräsident Hans-Werner Tovar war voll des Lobes für die erste Kieler-Woche-Hälfte: „Die protokollarischen Empfänge sind top gelaufen. Das Wetter spielt mit, und mit den vier Public-Viewing-Bühnen in der Stadt und den Segel-Übertragungen zeigen wir, dass die Kieler Woche nicht aus zwei getrennten Festen besteht, sondern eine Einheit bildet.“ Den Segelsport den Zuschauern näher zu bringen, ist natürlich ganz im Sinne des Deutschen Segler-Verbandes, der in den vergangenen Jahren ein klares Bekenntnis für Kiel gegeben hat. „Wir haben hier in Kiel ideale Bedingungen und sind mit dem German Sailing Team auf einem guten Weg zu den Worlds in Aarhus und den Olympischen Spielen in zwei Jahren. Die Ergebnisse können sich sehen lassen“, sagte Mona Küppers.

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Auch einer ihrer Vorzeige-Athleten, Laser-Ass Philipp Buhl, ist mit dem Erreichten vor Kiel, dem Umzug der Abteilungen Leistungssport, Technik und Jugend ins Olympiazentrum Schilksee, durchaus auf einer Linie: „Die enge Verbindung, der Austausch hier ist sehr wichtig. Auch wenn Nationalmannschaftskollege Erik Heil mit dem Laser wenig am Hut hat, habe ich doch von ihm was lernen können. Und die kurzen Wege helfen – sei es nur, wenn man mal eine Frage zu einer Abrechnung hat“, sagte Buhl. Dennoch machte der Sportsoldat klar, dass ein Mehr immer gehe: „Australische Verhältnisse haben wir noch nicht. Das sieht man auch in den Ergebnissen. Wir haben seit 17 Jahren keinen Weltmeister mehr in einer olympischen Klasse, die Australier haben in jedem Jahr mindestens einen. Das sagt viel aus.“ Doch der 28-Jährige ist ein Paradebeispiel dafür, dass er die Aufgabe, optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, nicht auf andere abwälzt, sondern selbst Lösungen sucht. „Im Vergleich zu anderen Nationen wie den Kroaten stehen wir sehr gut da, aber die agieren dennoch auf Augenhöhe. Es geht darum, nicht aufzustecken. Wenn man motiviert ist und einen Sponsor sucht, dann findet man auch einen.“

Obwohl Segeln in Deutschland kein Profisport ist, so ist es für Athleten wie Philipp Buhl dennoch ein Fulltime-Job: „Ich denke jeden Tag, auch an Weihnachten, irgendwie an Segeln – sei es, wie die Erfolge zu vermarkten sind, wie das Geld zu besorgen ist, um die idealen Bedingungen zu schaffen. Oder eben auf dem Wasser oder im Kraftraum. Das ist mehr als ein 40-Stunden-Job. Zwei Drittel der Zeit nehmen die Vermarktung und Organisation ein, ein Drittel die Wasserarbeit.“ Eine duale Karriere sei kaum möglich, wenn man in die absolute Weltspitze wolle. „Der Aufwand, um in die Top-Ten zu kommen, ist deutlich geringer als für die Top-3. Aber wenn man den Sieg will, dann muss man noch mehr ausrasten.“ Und diesem Ziel hat sich Buhl wieder verschrieben, nachdem er die Enttäuschung der Olympischen Spiele von Rio verkraftet hatte. „Eine halbe Stunde habe ich damals geheult, eineinhalb Tage habe ich überlegt. Aber dann habe ich erkannt, dass es ein absolutes Privileg ist, diesen Sport ausüben zu dürfen.“ Eine weitere Olympia-Kampagne nach den Spielen von Tokio, aber auch einen Wechsel in den Profibereich, in ein America’s-Cup-Team, schloss Buhl nicht aus und plädierte für mehr Mut unter den deutschen Seglern: „Wir sind ja ein Angsthasen-Volk. Gleich nach der Schule müssen wir sofort ins Studium oder den Beruf, um die Zukunft abzusichern. Vielleicht sollten wir uns nicht so viele Gedanken machen. Ich werde einfach mal abwarten, was kommt. In den vergangenen zehn Jahren führe ich ein erfolgreiches Unternehmen, das da heißt: ,Profisportler‘, betrieben. Damit habe ich wahrscheinlich etlichen Bachelor-Studenten etwas voraus.

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