MSC gewinnt Zweitliga-Meisterschaft vor Kiel

Mit einem furiosen Finale hat die Segel-Bundesliga ihren Auftritt in der Kieler Innenförde beendet. Im letzten Rennen des Erstliga-Wochenendes wirbelten die Platzierungen an der Spitze mit jedem Manöver durcheinander. Am Ende verspielte der NRV aus Hamburg noch Platz eins, rutschte in der Kieler Tabelle sogar noch auf den fünften Platz ab und erhielt der Liga damit einen Rest an Spannung vor dem Finale in fünf Wochen in Hamburg.

Für die Zweite Liga bildete Kiel bereits den Abschluss der Saison, in der sich der Mühlenberger SC durch einen vierten Platz in der Innenförde die Meisterschaft im Liga-Unterhaus sicherte. Mit dem MSC schafften der Schlei SC, die SV03 Berlin und die SG Loheider See den Sprung in die Erste Liga zur kommenden Saison.

„Es war eine tolle Veranstaltung, die gut zur Stadt Kiel passt und mit der wir sehr zufrieden sind. Die über 10.000 Zuschauer können da nicht irren und spiegeln den Zuspruch denke ich sehr gut wider. Wir freuen uns, wenn wir die Bundesliga das nächste Jahr wieder hier zu Gast haben und mein Dank geht an die Organisatoren, alle Helfer und die Seglerinnen und Segler“, so Gerwin Stöcken, Stadtrat für Soziales, Wohnen, Gesundheit und Sport der Stadt Kiel.

Die Top-Platzierungen in der Zweiten Liga waren bereits vor dem Event weitgehend festgeschrieben. Und tatsächlich änderte sich an den Positionen auf den ersten vier Rängen in Kiel nichts mehr. Der Mühlenberger SC, der bereits den Aufstieg nach dem Auftritt der Liga in Berlin sicher hatte, schickte eine frische Mannschaft in das Rennen, um den jungen Kräften bereits jetzt die Chance zu geben, Erfahrungen für die Liga zu sammeln. Tatsächlich mussten sich die Hamburger erst einmal in das Geschehen einfinden. Nach dem ersten Tag vor Kiel lag der MSC noch im Mittelfeld, dann aber gelangen der Mannschaft um Steuermann Till Krüger noch vier Tagessiege in den insgesamt 16 Wettfahrten. Platz um Platz kletterten die Hamburger und landeten am Ende nur knapp hinter dem Kieler Podium. Das reichte, um die Spitzenposition in der Liga zu verteidigen und nun als Zweitligameister in die Eliteklasse aufzusteigen. Das erklärte Saisonziel der direkten Rückkehr in das Oberhaus gelang dadurch mit Bravour.

Überlegen segelte die SV03 Berlin an diesem Wochenende. Mit vier Siegen in Folge startete die Crew um Erik Witzmann in das Wochenende und ließ schon fast einen kompletten Durchmarsch befürchten. Der gelang dann zwar nicht, aber auch an den beiden folgenden Tagen waren die Berliner meist vorn dabei und beendeten acht der 16 Wettfahrten in der Topposition. Am Gesamtsieg gab es damit keinerlei Zweifel. Doch zum Sprung auf den Rang des Vizemeisters reichte es nicht mehr. Der blieb durch den Schlei SC besetzt, der in Kiel trotz einiger Fehler und Bestrafungen am Abschlusstag auf dem zweiten Rang agierte. Die SG Loheider See landete in Kiel zwar im Mittelfeld. Doch Platz acht war durch den großen Vorsprung nach der vorhergehenden vier Events ausreichend, um sich den letzten Aufstiegsplatz zu sichern.

Vier Mannschaften am Ende des Feldes müssen zum Abschluss des Jahres im Ligapokal versuchen, sich erneut für die Zweite Liga zu qualifizieren. Auch hier gab es kaum noch Veränderungen. Lediglich dem SC Eckernförde gelang durch den sechsten Platz zum Abschluss der regulären Saison noch der Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz. Auf den rutschte dagegen die SV Gelting Mole ab. Das Team von der Flensburger Förde muss als 15. nun mit den drei Mannschaften dahinter, dem Lübecker SV (16.), dem SC Sorpesee Iserlohn (17.) und dem letztplatzierten RSV Müritz, im Liga-Pokal gegen die aufstrebenden Mannschaften versuchen, die Klasse zu halten. Einen überragenden Eindruck in Kiel hinterließ der stärkste Aufsteiger zu dieser Saison. Andi Lachenschmid segelte mit dem Augsburger SC auf Platz drei in der Innenförde und landete damit insgesamt auf dem elften Platz – also jenseits sämtlicher Abstiegssorgen.

Die Erste Liga hat das große Finale noch vor sich. Doch in Kiel erlebten die Zuschauer an der Kiellinie schon mal furiosen Sport mit Spannung bis zum letzten Zieldurchgang. Ausgerechnet der Deutsche Meister, der NRV Hamburg, patzte in seiner allerletzten Wettfahrt und rutschte damit kräftig ab. Steuermann Tobias Schadewaldt hatte zwar nicht in der souveränen Weise agiert wie noch beim überlegenen Sieg in Travemünde. Doch nach 15 Flights standen die Hamburger auf Platz eins und hatten die besten Trümpfe in der Hand, um schon vor dem Heimspiel in fünf Wochen, alle praktischen Zweifel an einer Titelverteidigung zu zerstreuen. Dann aber lief in der letzten Wettfahrt nichts zusammen. In der drehenden Kieler Brise erwischte Schadewaldt den Kurs schon auf der Startkreuz nicht optimal und rannte dem Feld hinterher. Unter Gennaker und auf der zweiten Kreuz zog er alle Register, um den Anschluss nach vorn herzustellen. An der Luvtonne waren die Hamburger auch an Platz drei dran. Mutig zirkelte der NRV seine Wende an der Bahnmarke zwischen das Fass und die von rechts kommenden Konkurrenten. Zu knapp – so befand die Jury, verhängte einen Penalty, und der NRV war wieder am Ende des Feldes. Zum dritten Mal an diesem Wochenende kassierte der dreimalige Titelträger die volle Punktzahl und purzelte im engen Feld an der Spitze von Platz eins auf Platz fünf.

Der Bayerische Yachtclub konnte dagegen sein Glück kaum fassen. Die Mannschaft um Julian Autenrieth, der seine Olympiaambitionen im 470er gerade beendet hat und spontan auf das Bundesligaboot gestiegen hat, segelte nach nur einem Tag Training auf Platz eins vor Kiel, gefolgt von dem VSaW Berlin, dem Klub am Rupenhorn und dem WV Hemelingen.

Damit hat sich der Bayerische YC auch in der Saisontabelle zum ärgsten Verfolger vom NRV Hamburg aufgeschwungen. Sieben Punkte trennen die beiden Mannschaften vor dem Finale auf der Alster. Die drittplatzierten Hemelinger liegen weitere sechs Punkte auf den BYC zurück.

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