Young Europeans Sailing; 3. bis 5. Juni

Nachwuchsshow für Kreuzfahrer

Während vier Kreuzfahrtschiffe mit 17.000 Gästen an Bord Kiel anliefen und damit der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins einen neuen Rekord bescherten, trafen sich rund 600 Jugendliche aus sieben Nationen in Kiel-Schilksee, um bei den Young Europeans Sailing (YES) ihre Besten zu ermitteln. Nicht nur den Kreuzfahrern zeigte sich Kiel damit von seiner maritimsten Seite.

Doch zunächst fiel der besorgte Blick auf die Wetterprognose der Experten von WetterWelt. Ein Gewitter in der Deutschen Bucht und Starkregen, der Hamburg flutete, erzeugte sorgenvolle Gesichter bei der Steuermannsbesprechung am Sonnabend. Nach zwei sonnigen Wochen kippte das Wetter gerade zur größten Nachwuchsregatta, der Kieler Woche des Nachwuchses, bei der vier Juniorentitel und 18 WM-Teilnahme-Plätze vergeben werden.
Und während das Wetter aufmerksam verfolgt wurde, konnte auf allen Bahnen planmäßig um 13 Uhr gestartet werden. 39 Starts standen auf dem Plan. Doch um 15 Uhr holte die Gewitterwarnung die Veranstalter und Segler nach 16 Wettfahrten ein. „Wir wollen kein Risiko eingehen und holen alle Jugendlichen an Land“, so Organisationsleiter Dirk Ramhorst und der Oberste Wettfahrtleiter Mandus Freese unisono.

Noch bis Pfingstmontag kämpfen 36 Laser Standard, 35 Laser Radial Frauen und die 470er um die vier Juniorentitel (U22) sowie 41 Europe-Seglerinnen und -Segler um die jeweils neun Plätze, die zur Teilnahme an der WM im spanischen Blanes (6. bis 12. Juni) berechtigen. Am Sonntag werden die Wettfahrten (geplant sind je vier pro Klasse) um 11 Uhr gestartet.
Timo Haß, Jugendobmann des DSV und damit Präsidiumsmitglied, reiste Sonnabend aus München an, um sich in Kiel einen Überblick über den Leistungsstand zu verschaffen. „Die YES ist schon eine Kern-Regatta für den deutschen Segel-Nachwuchs“, so Haß, der seit März auch Vizepräsident des europäischen Seglerverbandes EUROSAF ist. Aufgrund der Bedeutung der YES vergibt der DSV daher Jahr für Jahr Junioren-Meisterschaften und regelmäßig Ausscheidungen für die EUROSAF und Youth Worlds nach Kiel. „Es ist eine professionell organisierte und vom Nachwuchs angenommene Regattaserie“, beschreibt Haß die Kieler Woche des Nachwuchses. Auch Torsten Haverland, DSV-Vizepräsident mit dem Geschäftsbereich Leistungs- und Wettsegeln, war in Schilksee vor Ort.

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Erwartet spannend wird der Kampf um den deutschen Juniorentitel bei den Laser Radial. Das erste Rennen konnte Julia Büsselberg für sich entscheiden. Die Berlinerin hatte bereits über Himmelfahrt beim gemeinsamen Training aller Landessegler-Verbände gezeigt, dass sie bei Leichtwind zu den großen Hoffnungen des DSV gehört. Die YES-Siegerin von 2015 und 2016 (im Laser 4.7.) hat den Umstieg in den Laser Radial gut gemanagt und setzte sich beim gemeinsamen Landestraining im 80 Jollen starken Feld durch. Das neue Boot sei sogar leichter zu trimmen, so die 17-jährige Schülerin, eine von sechs Seglerinnen aus der Jugendnationalmannschaft. Zum Auftakt ließ Büsselberg Bo Laura Voss (Mühlenberger SC) und Hanna Anderssohn (Warnemünder SC) hinter sich.

Svenja Weger stand derweil an Land und schaute am Freitag auf die Kieler Förde. Die Berlinerin lässt in diesem Jahr einige Regatten, so auch die YES, aus, bevor es dann ab der Kieler Woche wieder voll losgeht. „Das Studium steht erst einmal im Vordergrund“, so die Europameisterin von 2014.
Besonders gut vorbereitet gehen die Nachwuchssegler/innen aus Brandenburg und Baden-Württemberg ins Laser-Rennen. Die beiden Landesverbände hatten ihre Schützlinge zwischen dem Gemeinschaftstraining aller Landesverbände über das Himmelfahrt-Wochenende bis Pfingsten von ihren Schulen freistellen lassen und nutzen die Zeit auf der Kieler Förde. „Wir sind sogar noch die Woche nach Pfingsten in Kiel“, erklärt Baden-Württembergs Landestrainer Peter Ganzert, der seine Laser-Nachwuchssegler zweieinhalb Wochen in Kiel trainiert. Dann lohne sich die Anfahrt von 950 Kilometern, so Ganzert.

Im Laser Standard konnte Alexander Ebert (SG Müggelsee) den Favoriten Nik Aaron Willim (NRV/Schlei-Segel-Club) zum Auftakt auf Platz zwei verweisen. Das 1,90 Meter große Nachwuchstalent gewann bereits 2015 vor Kiel, damals allerdings im Laser Radial. Willim, der im Vorjahr Bronze bei der U-21-WM gewann, landete vor den tschechischen Brüdern Jiri und Jakub Halouzka auf Rang zwei.
Im 470er (DJoM) sind Theres Dahnke/Birte Winkel (Plauer Wassersportverein) beim Kampf um den Junioren-Titel favorisiert. Die Vorjahres-Zweiten zählen zu den großen Hoffnungen im Nachwuchskader des Deutschen Segler-Verbandes. Bronze ist den Siebenten der Junioren-WM von 2016 schon sicher, denn zusammen mit Luise und Helena Wanser (NRV) und Jara Seide/Christine Walkenbach (SV Ciconia Storkow) kämpfen bei den Frauen ganze drei Crews um den DJoM-Titel. Mit dem Sieg im ersten Rennen setzten Dahnke/Winkel schon zum Auftakt ein Ausrufezeichen. Die Wanser-Schwestern blieben als Dritte auf Tuchfühlung. Dazwischen schoben sich nur die Junioren-Vize-Weltmeister des Vorjahres, Malte Winkel/Matti Cipra (Schweriner YC).
Bei den Männern führt der Weg zum DJoM-Titel sicher über Max Schuberth/Silas Oettinghausen (Rostocker SV) aus dem DSV-Nachwuchskader, Auftakt-Sechste.
Gewohnt stark ist die 29er-Klasse bei den Young Europeans Sailing vertreten. 61 Crews kämpfen um den Titel im Nachwuchsskiff. Aus der Jugendnationalmannschaft vertreten Paul Pietzcker/Linus von Oppen (Berliner YC) die Farben des DSV. Die amtierenden Internationalen Deutschen Jugendmeister treffen auf Friederike Larsen/Berit Bellin (KYC/ 3. IDJM), Tobias Matern/Bendix Hempel (Flensburger SC/4. IDJM), Maru Scheel/Freya Feilcke (KYC) sowie Lisa Maria Rausch/Eva Marie Becker (Wind und Welle).
Gespannt sein darf man auf das Abschneiden von Catherine und Daniela Bartelheimer (Deutsche Jüngstenmeisterin im Opti von 2015, Münchner YC/SC Inning-Ammersee). Die Nachwuchscrew aus dem Süden hat beim Eurocup in Südfrankreich mit dem 17. Platz als zweitbeste Frauencrew auf sich aufmerksam gemacht.
Im ersten Rennen konnten sich die Kieler Scheel/Fleicke auf Platz zwei schieben, umrahmt von einem dänisch-schwedischen Duo.

Volles Programm auch an Land: Int. Ocean Film Tour
Am Sonntagabend nach den Regatten und dem Segleressen wird in der Vaasahalle ein Special Screening der Int. Ocean Film Tour stattfinden. Die C!ll-Out-Zone, die mit Musik, den Bildern des Tages und einem freien WLAN-Zugang lockt, wird zum Kinosaal. Ein Filmerlebnis der Extraklasse, denn die Filme der „Weekend Sailor“, „Plastic Ocean“ und „Chapter one“ warten mit atemberaubenden Bildern und spannenden Geschichten auf. Moderiert wird das Event von zwei bekannten Gesichtern: der 49er-Segler Justus Schmidt und der Blogger Michael Walther begleiten die Jüngsten durch den Abend. Insbesondere die Plastikmüll-Verschmutzung auf den Weltmeeren wird thematisiert, eine Problematik, die beiden Moderatoren am Herzen liegt. Die Bilder des Segelreviers bei den Olympischen Spielen in Rio haben die Segelwelt bewegt.
Michael Walther, Crewmitglied der einzigen deutschen Extreme 40 Kampagne und Initiator des „Zero Emissions“-Projektes, sagt: „Ich verbinde seit vielen Jahren Umweltschutz- mit Wasserschutzprojekten und freue mich sehr, dass der Kieler Yacht-Club bei seinen Veranstaltungen ein verstärktes Interesse an diesem wichtigen Thema zeigt. Natürlich unterstütze ich dieses Engagement deshalb sehr gerne.“
Auch an Land geht es bei der YES hoch her und lockt immer mehr Jugendliche (auch Nicht-Segler) nach Schilksee. Denn die Action Area am Regattahaus bietet einiges. Neben der Riesenrutsche (gesponsert von der Müllverbrennung Kiel) und der von der boot Düsseldorf präsentierten Skimboardbahn ist die Seglerjugend des Deutschen Segler-Verbandes mit einem Bungee-Run an Bord.
Das vielfältige Angebot an Land wird von den Ausstellern und Gastronomen komplettiert: Das Hafenvorfeld lädt zum Verweilen ein, bietet kulinarische Köstlichkeiten und verhilft Schnäppchenjägern zu Glücksmomenten. Und in der Ch!ll-Out-Zone in der Vaasahalle können die Nachwuchssegler in angenehmer Atmosphäre entspannen. Neben Musik, den Bildern des Tages und einem kostenfreien WLAN-Zugang ist auch für das leibliche Wohl gesorgt.
Die Veranstaltung wird unterstützt von der Müllverbrennung Kiel, der boot Düsseldorf, Addix Internet Services, B S Card Service, Hugo Hamann, SVG Service Verlag/Segler-Zeitung und 1&1 Versatel.
Zeitplan:
Sonntag, 4. Juni, und Montag, 5. Juni – erster Start: 11 Uhr; letztmöglicher Start: Montag, 5. Juni, 14 Uhr.
Siegerehrung: Montag, 5. Juni, 16 Uhr (geplant) im Hafenvorfeld, bei schlechtem Wetter in der Ch!ll-Out-Zone.
Die ersten sechs Punktplätze jeder Klasse erhalten Preise, zusätzlich werden in den einzelnen Klassen Wanderpreise verliehen.

Klassen: 29er, 420er, 470er M/W (DJoM), Europe, Laser 4.7, Laser Std. M (DJoM), Laser Rad. W (DJoM), Laser Rad. M und Pirat. Die Regatten verteilen sich auf fünf verschiedene Bahnen.

Anzahl der Wettfahrten: 8; 29er: 11

Bahnen:
Delta: Pirat, 470er M/W
Echo: 420er
Hotel: 29er
Juliett: Europe, Laser 4.7
Kilo: Laser Std., Laser Radial W, Laser Radial M.

Weitere Informationen gibt es unter www.young-europeans-sailing.de und auf facebook unter https://www.facebook.com/YoungEuropeansSailing/
Meldungen und Ergebnisse unter www.manage2sail.com

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