Olympiasegler im Schichtwechsel auf der Bahn

Mit einem Schichtbetrieb ging es zur Kieler Woche in den ersten Tag der Wettbewerbe in den olympischen Klassen. Aufgrund des großen Meldeandrangs konnten die Felder in den einzelnen Gruppen nur so bewältigt werden.

Da der Wind sich aber von seiner besten Seite zeigte, wurde ein umfangreiches Programm gesegelt, so dass die Athleten zum Teil bis in den Abend hinein auf der Bahn waren. Die Performance der deutschen Sportler in den Weltklassefeldern reichte von Spitzenleistung bis hin zum Eingewöhnen nach langer Pause. Entsprechend unterschiedlich fielen die Ergebnisse in den acht olympischen Klassen aus.

„Wir haben uns intensiv auf den Andrang vorbereitet und den Schichtbetrieb eingeführt. Es ist alles nach Plan gelaufen. Das Auslaufen wurde über Flaggensignale organisiert“, berichtete Organisationsleiter Dirk Ramhorst. Wie die Startabläufe in den nächsten Tagen aussehen werden, hängt auch von der Windentwicklung ab. Schon für Donnerstag sind in den Nachmittagsstunden Böen mit bis zu 35 Knoten angesagt, die einige Boote wohl unfreiwillig zum Fliegen bringen würden.

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470er weiblich: Die deutschen Frauen schwimmen in dieser Klasse aktuell auf einer Erfolgswelle. Nachdem sie vor wenigen Wochen bei der Europameisterschaft gleich zwei Medaillen gewonnen haben, liegen nun erneut zwei deutsche Teams an der Spitze. Die EM-Dritten Nadine Böhm/Ann-Christin Goliaß (Tutzing) haben nach zwei Rennen die Führung vor der jungen Hamburg-Kieler Mannschaft Fabienne Oster/Anastasiya Winkel übernommen, die die Auftaktwettfahrt gewinnen konnten. Hinter den Griechinnen Maria Bozi/Rafailina Klonaridou folgen auf Rang vier auch schon die EM-Zweiten Frederike Loewe/Anna Markfort.

470er männlich: Alles andere als wunschgemäß lief dagegen der Kieler-Woche-Start für die deutschen Männer in der 470er Klasse. Zuletzt trumpften zwar auch sie international stark auf, jetzt aber ist der Motor ins Stottern geraten. Erst auf Rang 17 rangieren die EM-Dritten Malte Winkel/Matti Cipra (Kiel). Erwartungsgemäß haben sofort die 470er-Könige Mathew Belcher/Will Ryan (Australien) den Thron bestiegen und führen das Feld der 48 Teams mit einem ersten und einem zweiten Platz an.

Mathew Belcher/Will Ryan eroberten gleich den thron bei den 470ern. Foto: segel-bilder.de (Bild: Christian Beeck © segel-bilder.de)

49er: Nach langer studienbedingter Pause sind die Olympia-Dritten Erik Heil/Thomas Plößel endlich mal wieder gemeinsam auf dem Skiff. Und zum Restart ihrer Olympia-Karriere erlebten sie gleich mal das „volle Ballett“. „Wir haben wir alles mitgenommen, was man mitnehmen kann – einschließlich eines Riesen-Crash in der ersten Wettfahrt. Also wirklich: ein Riesencrash! Ich glaube unser Gegner hat sogar einen Wing verloren. Das müssen wir noch klären“, so Heil. „Mit 45 Skiffs auf der Bahn – das ist schon ein Adventure. Einige sind schon etwas kurios über den Kurs gefahren – einschließlich uns. Wir mussten uns auch erst einmal eingewöhnen.“ Mit Gesamtrang 23 gelang der Einstieg ins Geschehen noch verhalten. Die besten Deutschen sind aktuell die Flensburger Nils Carstensen/Jan Frigge als Neunte, während Logan Dunning Beck/Oscar Gunn als Führende die starke neuseeländische Tradition in dieser Klasse fortsetzen.

49erFX: Potenzial nach oben gibt es auch für die deutschen Skiff-Frauen. Tina Lutz/Susann Beucke gehen auf ihrem Heimatrevier als zweimalige Kieler-Woche-Siegerinnen und amtierende Europameisterinnen ins Rennen. „Bei diesem Feld einen dritten Kieler-Woche-Sieg zu landen, wird aber extrem schwer“, hatte Susann Beucke bereits vorher prognostiziert. Tatsächlich ist das Feld nach den ersten drei Wettfahrten unglaublich eng beieinander. Als Siebte haben Lutz/Beucke lediglich vier Punkte Abstand auf die führenden Däninnen Ida Marie Baad Nielsen/Marie Thursgaard Olsen, die WM-Vierten des Vorjahres.

Nacra17: Eine Frühstart-Disqualifikation im dritten Tagesrennen vermieste Paul Kohlhoff (Kiel) das Regatta-Comeback auf dem foilenden Katamaran. Nach schwerer Krankheit im Winter ist er mit Alica Stuhlemmer erst seit zweieinhalb Monaten wieder im Training, hat noch ein bisschen Gewichtsprobleme und Sehstörungen. Doch das Bootshandling ist schon wieder da, auch „wenn wir noch etwas eingerostet sind“, so Kohlhoff. Mit den Plätzen 5 und 3 zum Start in den Tag flogen die Kieler aber gleich wieder zurück in die Weltspitze, die indes von den Olympiazweiten von Rio, Jason Waterhouse/Lisa Darmanin (Australien), souverän mit drei Siegen angeführt wird. „Ich hoffe, bis zu den Worlds in Aarhus sind alle Probleme beseitigt, so dass wir dann wieder voll angreifen können. Bis dahin haben wir nach der Kieler Woche noch einige Trainingsblöcke und die Europameisterschaft“, sagte Kohlhoff als derzeit Neunter der Gesamtwertung. Die nationalen Konkurrenten Johannes Polgar/Carolina Werner sind vorerst 14.

Laser Standard: Mit der Empfehlung des Gold-Gewinns vom Worldcup-Finale in Marseille ist Deutschlands Laser-Ass Philipp Buhl zur Kieler Woche angereist. Doch das Segeln vor der Mittelmeer-Metropole war ein ganz anderes als nun in Kiel. Ging in Marseille nur ein Feld von 25 Booten an den Start, sind es nun 119 Konkurrenten, mit denen sich der gebürtige Allgäuer auseinanderzusetzen hat. Da kommt es auf Beständigkeit an, und mit den Rängen 5 und 3 gelang Buhl ein sehr guter Einstieg in die Serie. Als Fünfter ist er in guter Position, um in den kommenden Tagen den Angriff auf Platz eins zu starten, den vorerst der Kroate Filip Jurisic inne hat.

Philipp Buhl hatte einen soliden Start in die Serie. Foto: segel-bilder.de

Die Laser-Radial-Seglerinnen und die Finn-Akteure waren im Schichtbetrieb diejenigen, die die Spätschicht erwischt hatten, und segelten bis in den Abend hinein. Die Ergebnisse konnten daher erst spät eingepflegt werden.

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