SailGP: Slingsby schlägt zurück

Tom Slingsby und das Team Australia haben beim europäischen Debüt des SailGP bewiesen, dass sie diejenigen sind, die es auf den foilenden 50-Fuß-Kats zu schlagen gilt. Nachdem die Australier in New York noch eine Niederlage gegen das Team Japan mit ihrem Landsmann Nathan Outteridge am Ruder einstecken mussten, kehrten sie nun unter extremen Bedingungen vor Cowes in die Erfolgsspur zurück. Alle drei Rennen gewann Australien und fuhr damit souverän den dritten Saisonsieg im vierten Act des Jahres ein.

Das Team Australia dominierte nicht nur alle Wettfahrten, es war auch die erste Mannschaft, die die 50-Knoten-Speedmarke durchbrach. Die Konkurrenz hatte dagegen mit den Bedingungen zu kämpfen. Das US SailGP Team von Rome Kirby kenterte, und Dylan Fletcher fuhr mit seinem britischen Team einen Stecker, bei dem das Boot derart beschädigt wurde, dass das Team Großbritannien den Heimauftritt nicht beenden konnte.

Die Einsätze waren am einzigen Renntag in Cowes so hoch wie nie zuvor. Denn es war die letzte Chance für die Teams, sich vor dem Finale in Marseille in eine gute Ausgangsposition zu bringen. Schließlich geht es vom 20. bis 22. September in Südfrankreich um das Saisonpreisgeld von einer Million US-Dollar, das im Modus “the winner takes it all” auf den Sieger wartet.

Für Aufsehen sorgte Slingsby mit seinem Team, als es ihm gelang, im Rennverlauf mit exakt 50,0 Knoten die magische Marke zu knacken. Es ist das erste Mal in der Geschichte des Segelsports, dass diese Marke im Regatta-Modus überschritten wurde. Dabei war ein Start der Australier bei dem Auftritt vor Cowes gar nicht sicher. Denn Anfang der Woche hatte sich die Crews aus Downunder im Training Schäden an ihrem Wing-Segel zugezogen. Aber bis zum Start am Sonntag waren alle Schäden repariert. Und in der Zwischenzeit nutzten die Franzosen die Chance, um in einer Kooparation mit den Australiern Trainingsstunden zu absolvieren. Dafür stellten sie ihr Boot zur Verfügung, und Slingsby gab dem Team um Billy Besson Eindrücke, wie die Renngeschosse zu beherrschen sind.

Team Australia flog der Konkurrenz vor Südengland davon. Foto: Chris Cameron/SailGP

„Wir hatten vor dem Start nur wenige Segelstunden. Verglichen mit den Trainingsstunden der anderen Teams war ich wirklich besorgt“, sagte Slingsby. „Es war haarig da draußen. Es hat vielleicht leicht ausgesehen, war es aber definitiv nicht. Wir haben einfach unser Bestes gegeben und uns auf uns konzentriert. Wir haben gehört, dass andere Teams Probleme haben, und das hätte uns auch leicht passieren können. “

Das US-amerikanische Team kenterte 30 Sekunden nach dem Start des ersten Rennens, konnte aber mit der schnellen Unterstützung des SailGP-Tech-Teams wieder aufgerichtet werden und den Rest des Tages bestreiten. Obwohl die Amerikaner in Cowes nur noch auf den vorletzten Rang kamen, kletterten sie in der Jahreswertung sogar einen Platz auf Rang drei nach oben. Denn noch schlechtere Ergebnisse fuhren die Briten ein.

Zum Ende des ersten Tagesrennen tauchte die Mannschaft von Dylan Fletcher den Bug tief in das Wasser ein, Chris Draper wurde dabei aus seiner Box geschleudert und stürzte über Stuart Bithell. Beide blieben zwar unverletzt, aber das Team konnte wegen Schäden am Boot die beiden folgenden Rennen nicht bestreiten. Nachdem Fletcher in der Trainingssession noch so stark agiert hatte, war er mehr als enttäuscht: „Wir saßen dort vor dem Start des Rennens und sahen, wie die Menschenmenge hereinkam. Es war unglaublich, all diese Unterstützung zu sehen, und wir freuten uns wirklich darauf, Rennen zu fahren. Wir sind so enttäuscht von uns selbst, vor allem für die Fans, die uns unterstützt haben. “

Nicht nach Plan lief der vierte Act des Jahres auch für das Team Japan. In New York hatte Japan-Skipper Nathan Outteridge seine australischen Landsleute noch dominiert und sogar die Spitze der Jahres-Rangliste übernommen. In Cowes aber musste er Slingsby und Crew deutlich gewähren lassen. Doch Outteridge guckt bereits wieder nach vorn: „Die Hauptsache für Marseille ist es, das Match Race zu erreichen und dieses Match zu gewinnen. Der heutige Tag war ein großer Schritt für uns, um dies sicherzustellen. Ja, wir haben die Australier nicht geschlagen, wir haben ihnen hier kein Rennen abgenommen, aber wir haben unseren Vorsprung auf die Amerikaner in der Saison-Wertung ausgebaut.“

In Marseille sind zunächst acht Rennen in der gesamten Flotte geplant, bevor es dann zum Showdown der beiden besten Teams der Saison kommt.

Ergebnisse von Cowes
1. Australien (1, 1, 1) 30 Punkte
2. Japan (2, 3, 3) 25
3. China (3, 2, 4) 24
4. Frankreich (4, 5, 2) 22
5. USA (6, 4, 5) 18
6. Großbritannien (5, 6, 6) 14

Gesamtstand nach vier von fünf Acts
1. Australien, 169 Punkte
2. Japan, 165
3. USA, 123
4. Großbritannien, 120
5. China, 117
6. Frankreich, 115

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