Silbernes Band: Ostsee wurde zur Hochsee

Bei der Langstreckenregatta um das Silberne Band der Kieler Woche wurden die teilnehmenden Yacht-Crews von Wind und Welle schwer gefordert. Selbst die „Desna“ von Sven Wackerhagen (Kiel), eine der größten Yachten im Starterfeld, fiel auf dem Rückweg von Langeland nach Kiel tief in die Wellentäler und stampfte sich durch die See. Die Ostsee wurde zur...

Bei der Langstreckenregatta um das Silberne Band der Kieler Woche wurden die teilnehmenden Yacht-Crews von Wind und Welle schwer gefordert. Selbst die „Desna“ von Sven Wackerhagen (Kiel), eine der größten Yachten im Starterfeld, fiel auf dem Rückweg von Langeland nach Kiel tief in die Wellentäler und stampfte sich durch die See. Die Ostsee wurde zur Hochsee.

Nach 13:24:47 Stunden hatte die Crew der Knierim 49 die 120 Seemeilen lange Strecke von Kiel in und durch die dänische Inselwelt geschafft und kehrte mit weitem Vorsprung als erste Yacht in den Olympiahafen zurück, um sich dort im grauen Kieler Morgen das Anlege-Bier nach nahezu schlafloser Nacht zu gönnen. Bis zum Mittag hatten zehn Yachten das Ziel erreicht, vier Crews hatten wegen technischer Probleme aufgeben müssen.

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Von den angekündigten, ganz heftigen Schauerböen von 40 Knoten blieb das Feld zwar verschont. Doch Spitzen von 33 Knoten zeigten der Windmesser von Wettfahrtleiter Ralf Paulsen schon an. Und die aufgewühlte See machte die Begleitung des Feldes durch das Boot der Regatta-Organisatoren zum Knochenjob. Dem Tempo der „Desna“ konnte die Wettfahrtleitung dabei nicht folgen und musste auf eine Zwischenzeitmessung im Svendborg Sund verzichten.

In rund dreieinhalb Stunden hatte die „Desna“ die Spitze von Aeroe umrundet und nahm Kurs auf den Svendborg Sund. „Schon den ersten Streckenabschnitt hatten wir uns etwas entspannter vorgestellt, aber es war harte Arbeit“, sagte Martin Görge aus der „Desna“-Crew. Danach zog es die Yacht mit hoher Geschwindigkeit durch den Svendborg Sund. Auf das Setzen des Gennakers verzichtete die Mannschaft allerdings, denn in der schmalen Inseldurchfahrt herrschten drehende Winde und schwierige Strömungsverhältnisse, die mal für Schub von hinten und mal für Druck von vorn sorgten. Trotzdem hatte die silberne Yacht einen Speed von fast zehn Knoten. „Da kann man auf den Gennaker auch gut verzichten“, sagte Görge.

Nach der Passage des Sunds ging das leichte Tuch zwar noch mal kurz hoch, doch als die Nordspitze Langelands gerundet war, begann der lange Schlag zurück in Richtung Kiel. Im Schatten der dänischen Insel noch etwas entspannter, so dass sich ein paar Crewmitglieder noch in der Koje ausruhen konnten, bevor für den letzten Streckenabschnitt noch ein Wechsel des Vorsegels anstand. Danach ging es mit viel Druck auf den Segeln und einem ungünstigen Winkel zum Wind auf Kurs Kiel. „Bei 60 Grad zum Wind mussten wir den richtigen Trimm finden. Mit dem Vorsegel ganz flach im unteren und offen im oberen Bereich ging es ganz gut, den Druck zu beherrschen“, so Görge.

Da die direkten Konkurrenten in der Gruppe der großen Yachten im Rennverlauf die Segel streichen mussten, war die „Desna“ in ORC I unangefochten. Immerhin zwei ORC-II-Schiffe standen den Kurs durch: Die „Josefin“ von Tobias Töbke (Hamburg) sicherte sich den Sieg nach gesegelter und berechneter Zeit. Die Gruppe ORC III+IV stellte die größte Flotte, die das Rennen beendete. An der Spitze lag die JPK 10.10 von Jonas Hallberg („Hinden“, Kiel). Dahinter gab es einen geteilten zweiten Platz für die „Freizheit“ von Manfred Franken und dem nur 6,50 Meter langen Mini „Husky“ mit Hasso Hoffmeister und Lina Rixgens (Seevetal/Köln).

Auch wenn das Feld auf dem Kurs noch etwas reduziert wurde, war Seebahn-Organisationsleiter Eckart Reinke sehr zufrieden mit dem Engagement der Yacht-Segler: „Die eigentliche Leistung war, überhaupt die Entscheidung zu treffen, auf den Kurs zu gehen. Trotz der Wetterprognose haben die Mannschaften gesagt: ,Windstärke neun – das machen wir!‘ Zur Maior und der Kieler Woche im vergangenen Jahr hatten wir Situationen, dass die Crews eher im Hafen geblieben sind. Wir hatten schon die Befürchtung, in Deutschland würde die Starkwind-Kompetenz verloren gehen. Aber bei den großen, internationalen Klassikern wie dem Fastnet-, Middle-Sea-Race oder Sydney-Hobart wird immer gesegelt“, so Reinke. „Vielleicht war das gestern ja eine Trendwende und die Besinnung darauf, dass die Yachten so gebaut sind, dass sie durch Nacht und Starkwind gesegelt werden können.“

Aufgrund der hohen Wellen vor Wendtorf wurden die rennen für die J/80 und J/70 am Samstag abgesagt. Foto: segel-bilder.de (Bild: Christian Beeck © segel-bilder.de)

Während die Dickschiffe am Samstagvormittag wieder in den Hafen zurückkehrten, wurde an Land für die Klassen der Dreiecksbahnen über das Auslaufen diskutiert. Am Mittag ging es dann für ein Gros der Teilnehmer aufs Wasser. Nicht dabei war allerdings Bahn Foxtrott. Vor Wendtorf stand eine brechende hohe Welle. Bereits am Vortag hatten die Crews hier mit der See zu kämpfen. Nicht alle kamen dabei ungeschoren davon. Die „Marama“ wurde sogar auf den Strand gespült, konnte aber ohne größere Schäden wieder vom Sand gezogen werden. Die J/70 und die J/80 müssen daher am Sonntag früher ran und starten um 10 Uhr.

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