Thomson kassiert 24-Stunden-Strafe und verliert

Alex Thomson hat den Sieg bei der Route du Rhum verpasst. Er zeigt sich allerdings als guter Verlierer. Der Sieg geht an den Franzosen Paul Meilhat

Alex Thomson hat sich von seinem ersten großen Sieg in seiner Karriere verabschieden müssen: Nachdem der Brite auf der Einhand-Regatta Route du Rhum von St. Malo/Frankreich nach Guadeloupe in der Karibik als Erster der Imoca60-Klasse das Ziel erreicht hat, wurde er von der Jury wegen seines Motoreinsatzes nach einer Grundberührung mit einer 24-Stunden-Zeitstrafe belegt. Damit geht der Sieg an den zweitplatzierten Paul Meilhat/Frankreich, der Guadeloupe nach 12 Tagen, 11 Stunden, 23 Minuten und 18 Sekunden erreichte – rund zwölf Stunden nach Thomson.

Der Sieger: Paul Meilhat aus Frankreich

Thomson stand nach der Zielankunft an Bord seiner „Hugo Boss“, die am Morgen am Kai in Guadeloupe festgemacht hatte, und verkündete, er habe es nicht verdient, die Route du Rhum zu gewinnen. Der Brite hatte das 3.542 Seemeilen lange Solo-Transatlantik-Rennen fast von Anfang an vor Saint Malo angeführt. Bei der Umrundung des Guadeloupe-Archipels kurz vor der Zielankunft unterlief ihm aber ein schwerer Fehler, als er sein Boot auf einen Felsen setzte und sich nur mit Hilfe des Motors wieder befreien konnte. Die Crash-Box im Bug hatte zwar Schlimmeres verhindert, aber das Boot hatte erheblichen Schaden an Rumpf, Kiel und Foil davongetragen.

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Nachdem sich Thomson vom Felsen befreit hatte, konnte er sein Rennen fortsetzen und erreichte deutlich vor der weiteren Flotte das Ziel. Doch es war klar, dass die Jury sich des Falls annehmen musste, denn der Motoreinsatz widerspricht dem Reglement. Nach der Zielankunft kam die Jury schließlich zu Thomson an Bord und verkündete ihm, dass sie ihn mit einer Zeitstrafe von 24 Stunden belegen würde.

Damit war klar, dass der schnellste Segler auf der Strecke seinen Sieg verlieren würde. Auch eine Platzierung unter den ersten Drei ist nicht mehr wahrscheinlich. Yann Eliès/Frankreich ist ebenfalls bereits im Ziel, Vincent Riou/Frankreich steht kurz vor der Zielankunft. Selbst der Hamburger Boris Herrmann könnte noch an Alex Thomson vorbeiziehen – zum Zeitpunkt der Kollision von Thomson lag Herrmann rund 400 Seemeilen zurück.

Thomson zeigte sich deutlich enttäuscht, akzeptierte die Strafe aber klaglos: „Es ist eine echte Schande für mich und das Team. Was ich von der Strafe halte? Nun, ich denke, das ist sehr fair, denn ich glaube nicht, dass ich das Rennen gewinnen sollte, nachdem ich auf Grund gelaufen bin.“ Das Publikum spendete ihm spontanen Applaus. „Bei diesem Sport geht es um Details, und in den letzten Minuten ist es mir nicht gelungen, diese richtig zu verstehen. Ich bin einfach sehr glücklich, hier mit dem Boot zu sein, aus eigener Kraft hierher gesegelt zu sein.“

Thomson zeigte ein Stück Stein, das er im Inneren des Bootes gefunden hatte: ein Andenken an seine Kollision mit Grande Terre. Er erklärte, dass er vor der Kollision eingeschlafen sei, weil er wusste, dass er bald an einen Wegpunkt vor der Küste kommen würde. Seine Armbanduhr aber, die ihn mit einem elektrischen Impuls hätte wecken sollen, hatte jedoch nicht ausgelöst, und den Audioalarm hatte er nicht gehört. „Ich hatte es nicht gehört, und als ich aufgewacht bin, gingen die Alarmsirenen an und das Boot verhielt sich seltsam“, berichtete Thomson. „Ich ging an Deck und konnte Land sehen. Erst wusste ich nicht, dass es Guadeloupe war. Aber als ich auf die Karte sah, wusste ich, dass ich auf Guadelope angekommen war“, erklärte Thomson mit viel britischem Humor.

Derweil konnte Meilhat im Ziel die Korken knallen lassen: „Dies ist mein erster großer Sieg, ich wollte ein gutes Rennen segeln, als Belohnung für all die Unterstützung, die ich hatte. Jetzt hat es sich ausgezahlt. Vor dem Start wusste ich, was ich kann und zu was ich fähig bin.“ Meilhat schickte einen warmherzigen Gruß an Thomson: „Ich kann nicht glauben, dass das passiert ist. Wenn wir uns in Situationen extremer Ermüdung begeben, können Fehler teuer sein. Und in diesem Fall hätte es noch schlimmer sein können. Ich bin nur froh, dass es ihm gut geht und der Schaden an seinem Boot nicht allzu schlimm ist.“

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