VOR: Mann über Bord bei „Scallywag“

Die vierte Etappe der Volvo Ocean Race bietet mit zahlreichen Führungswechseln in den Doldrums auf dem Weg von Melbourne nach HongKong die bisher größte Spannung im bisherigen Verlauf des Weltrennens. Dazu kam nun auch pure Dramatik, als auf der „Scallywag“ Crewmitglied Alex Gough beim Segelwechsel über Bord gespült wurde, inzwischen aber wieder wohlauf gerettet werden konnte.

Das bisher unterlegene Team „Sun Hung Kai/Scallywag“ hatte auf der Etappe von Melbourne in seine Heimatstadt HongKong nach zunächst weitem Rückstand die Führung übernommen. Es nutzte die Situation, als die anderen Mannschaften in den Doldrums festhingen und bog nach der Passage der Salomonen-Inseln früher als der Rest der Flotte in Richtung HongKong ab. Damit verkürzte das Team von Skipper David Witt nicht nur die Strecke, sondern erwischte auch früher gute Winde.

Nach langen Flautentagen sind die sieben Boote nun wieder im frischem Wind angekommen und sind mit Geschwindigkeiten von bis zu 20 Knoten unterwegs. Und genau in diesen Bedingungen passierte auf der „Scallywag“ der Bordunfall. Während eines Segelwechsels wurde Alex Gough um die Mittagszeit von Bord gewaschen. Die Mannschaft wechselte sofort in den Rettungsmodus, und innerhalb von sieben Minuten war der verlorene Mann unverletzt wieder an Bord.

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„Ich war am Ruder und wir bekamen eine große Welle ab. Die hat ihn gepackt und ihn abgeworfen wie ein Pferd“, berichtete Skipper Witt. „Das Wichtigste ist, dass er zurück an Bord ist und es ihm gut geht. Aber es hat uns allen gezeigt, wie schwierig es ist, jemanden im Wasser im Auge zu behalten. Selbst an einem sonnigen Tag bei 18 Knoten Wind. Das möchte man sich nicht bei 20 Knoten und mitten in der Nacht erleben.

Die Dramatik wurde noch dadurch erschwert, dass Gough nicht angeleint war und keine Schwimmweste trug. Witt sagte, er hätte erwartet, dass sein Crewmitglied angeleint sei bzw. dass er ihn darüber hätte informieren müssen, dass er die Leine ablegt. „Ich war ziemlich dumm, aber zum Glück haben die Jungs verdammt schnell umgedreht“, sagte Gough. „Mir geht’s gut. Es war beängstigend, aber jetzt geht es wieder.“

Das Manöver kostete das Team einige Meilen, aber es konnte die Führung vor den Teams „AkzoNobel“ und „Dongfeng“ verteidigen und sich wieder auf die verbleibenden 2000 Seemeilen bis nach HongKong machen.

Der Ausgang dieser Etappe könnte wieder mehr Spannung in das Geschehen bringen, denn das bisher stark segelnde „Mapfre“-Team fand keinen guten Weg durch die Flautenzone und liegt derzeit rund 150 Meilen hinter der Spitze auf Platz fünf.

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