World Sailing sucht das Konzept für Olympia 2024

Events Committee bestimmt in einer Abstimmung fünf Disziplinen, die fest bestehen bleiben sollen

Der Wettlauf um die Startplätze für die Olympischen Spiele 2024 hat für die Internationalen Sportverbände begonnen. Und der Weltseglerverband hat verstanden, dass er sich neu ausrichten muss, um den olympischen Status zu erhalten und im Weiteren nicht in der Anzahl der Event-Disziplinen und der Zahl der teilnehmenden Athleten reduziert zu werden. An fünf der derzeit zehn Disziplinen will World Sailing festhalten, die anderen fünf stehen unter Beobachtung. Die Uhr tickt, denn das IOC wird ab Mai 2018 damit beginnen, die Bedeutung der Sportarten und die Einhaltung der IOC-Ziele zu evaluieren.

Das Events Committee von World Sailing hat bei seiner Sitzung im Januar klar festgehalten, dass der Segelsport nicht die Zielvorgaben des IOC erfüllt und damit unter besonderer Beobachtung steht. Das Streichen des Segelns aus dem Programm der Paralympischen Spiele für 2020 sollte bereits Warnung genug sein. Einen weiteren Warnschuss gab es auch schon vom IOC. Da der Segelsport insbesondere bei der Gleichverteilung der Geschlechter nicht die Forderung des IOC erfüllt, wurde die Zahl der Athleten für die Spiele 2020 im Vergleich zu den Spielen von 2016 um 30 reduziert. Damit werden in Tokio nur noch 350 Segler vertreten sein (in Rio waren es 380). Andere Sportarten wie Leichtathletik, Gewichtheben und Ringen sind aus dem gleichen Grunde in ihren Sportlerzahlen reduziert worden. Gewichtheben hat zudem bereits eine Medaillenentscheidung verloren.

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Der Paradigmen-Wechsel des IOC von einem sport-basierten Programm hin zu einem event-basierten setzt den Segelsport zusätzlich unter Druck. Bevorzugt werden nun Sportarten, die eine „eigene Signatur“ haben, die sowohl das Publikum als auch die Medien anlocken und die dem Grundsatz des „Erleben und Fühlen“ folgen. Gerade hier muss der Segelsport hart gegensteuern, denn urbane Wettkämpfe wie Kleinfeld-Basketball, BMX-Fahren, Skateboarden oder auch Klettern finden auch im IOC immer mehr Anhänger und werden bei den künftigen Olympischen Spielen vertreten sein und damit ihren Anteil am Medaillen- und Athletenkuchen bekommen.

Die Tage des Finns als olympische Klasse scheinen gezählt. Foto: Richard Langdon/sailingenergy/World Sailing

Ein Schlüssel zum Erfolg bei der Evaluierung durch das IOC wird sein, inwieweit die unterschiedlichen Segel-Disziplinen ihre Einzigartigkeit darstellen können – und zwar nicht nur durch den Blick der Segler, sondern auch durch die IOC-Vertreter und den unbedarften Zuschauer. Disziplin-Unterscheidung nach Gewicht wie zwischen Laser und Finn sind dabei ebenso wenig hilfreich, wie die Unterscheidung nach High Performance Skiff und Dinghy wie bei 49er/FX und 470er. Die Differenzierung nach Einzel (Männer und Frauen), Doppel (Männer und Frauen) und Mixed ist dagegen eindeutig. Vor diesem Hintergrund hat das Events Committee von World Sailing in einer Abstimmung fünf Disziplinen ausgewählt, die definitiv Bestand haben sollen.

Durchgesetzt haben sich bei dieser Wahl die Disziplinen:
Men’s One Person Dinghy, Women’s One Person Dinghy, Men’s Skiff, Women’s Skiff, Mixed Multihull
Unter Beobachtung stehen:
Men’s Windsurfer, Women’s Windsurfer, Men’s One Person Dinghy Heavyweight, Men’s Two Person Dinghy, Women’s Two Person Dinghy.

Die Bezeichnungen der Disziplinen müssen allerdings noch überarbeitet werden. Nach den aktuellen Klasseneinteilungen scheinen damit aber Laser Standard, Laser Radial, 49er, 49erFX und Nacra17 aus Sicht von des Events Committee für die Spiele 2024 gesetzt. Allerdings ist die Disziplin nicht zwangsweise mit einer Klasse verbunden. Die RS:X-Surfer und -Surferinnen, die Finn-Segler sowie die 470er-Segler und -Seglerinnen müssen um ihren Status bangen.

Allerdings will World Sailing das IOC davon überzeugen, dass der Segelsport auch 2024 mit zehn Medaillenentscheidungen und 350 Athleten vertreten sein soll. Für die verbleibenden fünf Disziplinen schwebt dem Weltseglerverband vor, weitere Mixed-Disziplinen einzuführen, womit beispielsweise auch der 470er wieder ins Spiel kommen könnte. Geschlechterneutrale und innovative Disziplinen sollen das Programm ergänzen.

Dass der Segelsport sich dramatisch verändern wird, zeigt sich auch am Programm der dritten Olympischen Jugendspiele in diesem Jahr in Buenos Aires/Argentinien (6. bis 18. Oktober). Die fünf Segel-Disziplinen sind besetzt durch Surfen (männlich und weiblich), Kiten (männlich und weiblich) sowie Mixed-Katamaran (Nacra15).

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