Historische Segelroute

Auf den Spuren der Wikinger

Unterwegs auf der Route der Wikinger – Claus Aktoprak plant anhand eines Buches aus dem Mittelalter eine Expedition durch die Welt der skandinavischen Schären

2014 kehrte Claus Aktoprak von einem sechsmonatigen Einhandtörn durch die Schären Skandinaviens zurück. Für ihn stand fest, dass er in dieses magische Revier unbedingt zurückkehren wird. Doch die Schären lagen in den nächsten Jahren nicht in der Reichweite des passionierten Musikers.

Das doch dann erfährt er von einem Schatz, der im Dänischen Nationalarchiv in Kopenhagen gehütet wird. Eine von Mönchen geschriebene Handschrift aus dem Mittelalter, die einen uralten Handelsweg durch die Ostsee beschreibt – eine der ältesten Quellen zur Navigation auf der Ostsee.

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In der Handschrift aus dem Mittelmeer wird eine Route durch die Schären skizziert (Bild: Claus Aktoprak)

Die Mönche listeten 101 Orte auf, die zusammen eine durch die Schären geschützte Segelroute entlang der Ostseeküste Schwedens über die Ålands und Süd-Finnland bis Tallinn bildete. Mit Unterstützung des Dänischen Nationalarchivs, schwedischer Tourismusverbände sowie dem Wissen lokaler Experten hat er die in nordischer Sprache angegebenen Wegpunkte in moderne Seekarten übertragen.

Jetzt möchte Claus Aktoprak den Handelsweg, den einst die „Wikinger“ nutzten, erneut besegeln und neu entdecken. Obwohl die „Wikinger“ eher mit Teilen der Nordsee in Verbindung gebracht werden, bauten die Nordmänner in der Ostsee ein Handelsnetz auf und begründeten im 9. Jahrhundert die „Kiewer Rus“. Aus diesem Reich auf dem Kontinent stammt der spätere Name Russland.

Schon im Herbst 2017 reiste Aktoprak nach Skandinavien, um herauszufinden, ob die uralte Route noch schiffbar ist. Denn die skandinavische Landhebung verändert die Routen in den Schären ständig. Befreit von den tonnenschweren Eismassen der Eiszeit hebt sich auch heute noch das Land um bis zu einem Zentimeter pro Jahr.

Teile der Route sind nur noch mit dem Kajak befahrbar (Bild: Claus Aktoprak)

Schon im Nationalarchiv bekam er beim Betrachten der alten Dokumente eine Gänsehaut, sagt er heute. Vor Ort konnte er feststellen, dass große Teile der Route noch immer mit dem Segelboot erkundet werden können. Einige stellen sind mittlerweile aber nicht mehr schiffbar.

Der nächste Schritt war ein Besuch des Wikingerschiffsmuseums in Roskilde, denn Claus Aktoprak wollte sich nur auf die gesicherten maritimen Aspekte der Wikingerzeit konzentrieren und sich auch nicht in der umfangreichen Welt der Wikingermythen verlieren. In Skuldelev bei Roskilde wurden vor einigen Jahrzehnten die Überreste von fünf Booten aus der Wikingerzeit gefunden und nicht nur ausgestellt; es wurden auch seetüchtige Rekonstruktionen der Schiffe angefertigt, um experimentell neue Erkenntnisse über den wikingischen Schiffsbau und dessen Geschichte zu erhalten.

Mithilfe solch eines Kristalls navigierten die Wikinger einst auf den Meeren (Bild: Claus Aktoprak)

Hinweise für die bereits 1.000 Jahre vor den Wikingern bekannte Klinkerbauweise von Booten finden sich auch in Gotland. Daher liegt diese Insel auch zwingend auf der Rückreise im Herbst.

Doch zunächst steht der Weg entlang der schwedischen Ostküste an. Hier stellte sich im Verlauf der Nachforschungen heraus, dass sich die Route teilweise in bis zu drei verschiedene Alternativen aufteilt. So ist der innere Weg bis nach Stockholm mittlerweile so flach geworden oder befindet sich sogar oberhalb des Meeresspiegels, dass er nicht mehr schiffbar ist. Die Reise soll daher an Stockholm vorbei auf den Spuren der tiefer gehenden Schiffe Richtung Norden gehen – nicht ohne jedoch zwei weitere wichtige Orte der Wikingerzeit zu besuchen: Birka und Adelsön. Die Orte waren die zwei wichtigsten Handelszentren und eine große Anzahl an Ausgrabungen findet hier bis heute statt. Beide Orte liegen im Mälarensee hinter Stockholm. Vor der Landhebung noch direkt mit dem Meer verbunden, gelangt man heute nur noch über Schleusen dorthin.

Aktoprak übertrug die historische Route in aktuelle Karten (Bild: Claus Aktoprak)

Nach ihrer Überquerung beginnt auf dem gleichnamigen Archipel ein weiteres Abenteuer. Denn die Route der Wikinger durch die Ålands wurde nur sehr grob beschrieben. Es wird notwendig sein, direkt vor Ort neue Wege durch das Gewirr der Zigtausenden, teils nicht kartographierten Inseln und Inselchen zu suchen.

Auch wenn die Route der Wikinger weiter gen Osten vorbei an St. Petersburg und dem Ladogasee führte, wird Claus Aktoprak der handgeschriebenen Route der Mönche bis nach Tallinn in Estland folgen. Denn um die Esten ging es bei der Aufzeichnung der Route für König Waldemar.

Seine Reise möchte Aktoprak filmisch begleiten und anschließend einen Dokumentarfilm veröffentlichen. Um eine möglichst hohe Qualität der Filmaufnahmen zu garantieren und Drehgenehmigungen zu bezahlen, hat Aktoprak eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Wer möchte, kann die Expedition auf den Spuren der Wikinger unterstützen. Es fehlt nicht mehr viel, um das erste Ziel der Kampagne zu erreichen.

 

 

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