Revierprofil: Albanien

Wer vom Trubel in den Revieren und den Kämpfen um den letzten Liegeplatz im Hafen genug hat, sollte es mal mit einem Törn an Albaniens Riviera versuchen

In Albanien gibt es keine Chartermöglichkeit. Man muss das Schiff in Korfu chartern, wobei Kiriacoulis als bisher einziges Unternehmen Törns nach Albanien gestattet. Eine zusätzliche Versicherung wird dafür nicht verlangt. Allerdings kann auch eine Hilfestellung bei Pannen nicht im selben Ausmaß garantiert werden wie in griechischen Gewässern. Das Ziel des Törns muss rechtzeitig bekannt gegeben werden, um dem Vercharterer die Möglichkeit zu geben, das Schiff mit allem Nötigen auszustatten.

Charterfirma: Kiriacoulis Mediterranean, 7 Alimou Ave., Alimos, Athen, 17455, Griechenland, Tel.: 0030 210 9886187, Fax: 0030 210 9844529, E-Mail: info@kiriacoulis.com, Internet: www.kiriacoulis.com.
Schiffe & Preise: Angeboten werden Einrümpfer von 32 bis 56 Fuß zu Preisen von 1.147 Euro bis 9.180 Euro sowie Katamarane von 38 bis 48 Fuß zu Preisen von 2.218 bis 10.080 Euro.
Revier: Die Küste zwischen Vlorë und Butrint ist touristisch wenig und für Segler kaum erschlossen. Ein Entdeckertörn ist garantiert.

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(Bild: Jan Bindseil)

Seekarten: Kroatische Seekarte 156.
Nautische Literatur: Per Hotvedt: „Hafenguide Griechenland 1“, Edition Maritim. Karl-Heinz Beständig / Dario Silvestro: „777 harbours and anchorages“ (Slovenia, Croatia, Montenegro, Albania), Edizioni Magnamare. Axel Kramer: „Hafenführer Adria Süd“ (Südkroatien, Montenegro, Albanien).
Wind & Wetter: Von Juni bis September kann man mit gutem, meist heißem Sommerwetter rechnen. Der Maestrale, ein thermischer Nordwestwind, sollte tagsüber für gute Segelbedingungen sorgen.
Wetterberichte: www.die-yachtschule.at (gute Übersicht), www.windfinder.com (gute Windprognosen).
Leuchtfeuer & Seezeichen: Alle wichtigen Häfen sind ausreichend befeuert, den restlichen Küstenbereich sollte man nur mit gebotener Vorsicht befahren.
Gezeiten & Strom: Der Tidenhub ist gering, doch können Druckunterschiede und stürmische Winde aus NW beziehungsweise SE zu größeren Wasserstandschwankungen führen. Der Strom läuft entlang der Küste mit 0,5 bis 1 Knoten nordwärts.
Navigation: Ausschließlich terrestrisch. Dem Plotter kann man in Landnähe nur bedingt vertrauen.
Beste Zeit: Juni bis September.
Anreise: Flug nach Korfu.
Einreise & Zoll: Reisepass oder gültiger Personalausweis, Schiffspapiere und Versicherungsnachweis.
Devisen: Die Landeswährung Lek erhält man an Geldautomaten in Sarandë oder Vlorë. Euro werden überall akzeptiert.
Sprache: Albanisch, im Süden auch Griechisch. Italienisch wird meist gut, Englisch nicht überall verstanden.
Klima: Mediterran. Im Sommer kann es sehr heiß werden. Der Wind von den Bergen sorgt nachts für Abkühlung.
Kleidung: Baumwollkleidung. Leichte Ölzeugjacke.
Gesundheit & Impfungen: Zu einer Hepatitis-A-Impfung wird geraten, die Bordapotheke sollte gut gefüllt sein.
Sicherheit: Albanien ist ein gastfreundliches und sicheres Reiseland.
Reiseführer: Renate Ndarurinze: „Albanien“, im Trescher Verlag.
Seekarten & Segelführer: Für Törns nach Albanien sind keine Unterlagen an Bord. Seekarten und Segelführer muss man selbst mitbringen. Die albanische Flagge und die Flagge „Q“ erhält man vor Ort. Bei uns waren beide Flaggen an Bord.

Gefahrenstellen

Golf von Butrint: Eine Barre behindert die direkte Ansteuerung des antiken Butrint. Wandernde Sandbänke sind eine zusätzliche Gefahr.
Sarandë: Das in der Ansteuerung liegende Flach sollte man besonders nachts weiträumig umfahren, da sein Feuer schwer auszumachen ist.
Cektinae Georgontes: Diese Gefahrenstelle auf 39°59,0’N / 19°53,5’E ist nicht gekennzeichnet und kaum auszumachen.
Palermo-Südbucht: Die hier ausliegenden Fischfarmen sind nachts kaum auszumachen. Die Nordbucht mit dem Anlegesteg ist frei von Hindernissen.
Grama-Bucht: Den inneren Teil der Bucht sperren massive Felsbarren. Sie sind im Segelführer nicht angegeben!
Sazan-Insel: Der Hafen an der NE-Seite ist Militärgebiet. Yachten dürfen ihn nur in Notfällen anlaufen. Ankert man davor, wird dies meist geduldet.

Windverhältnisse

Wegen sprachlicher Probleme werden die in der nördlichen Adria üblichen Bezeichnungen verwendet.
Maestrale: Dieser Nordwestwind setzt in den Sommermonaten am späten Vormittag ein, kann am Nachmittag auf bis zu 5 Windstärken auffrischen und verabschiedet sich meist mit der Sonne. Von der Thermik kann er auf W, manchmal auch auf SW gedreht werden.
Burin: Dieser fast immer leichte Nachtwind streicht aus NE vom Gebirge herab. Am stärksten ist er in Landnähe und an der Mündung von Tälern.
Schirokko: Mit diesem S- bis SE-Wind, der zudem Schlechtwetter bringt, muss man sich meist nur im Frühjahr oder im Herbst herumschlagen.
Bora: Dieser gefürchtete Nordostwind erreicht an der albanischen Riviera selten jene Stärke wie an der Küste Dalmatiens. In den Sommermonaten ist er zudem höchst selten.
Garbin/Lebic: Tiefdruckgebiete in der Adria bescheren Albaniens Küste den Garbin, einen kräftig aus Süd bis Südwest wehenden Wind. Erreicht er Sturmstärke, spricht man von einem Lebic. Für Yachten wird es dann in den meist nach SW offenen Häfen und Buchten gefährlich.
Newera: Obwohl sie in der südlichen Adria selten ihre volle Stärke ausspielen, sind diese Unwetter für Segler immer gefährlich. Brütend schwüle Hitze und Wolkentürme sind erste Anzeichen, bevor die Böenwalze, nicht selten in Orkanstärke und begleitet von Blitzen, Starkregen und manchmal auch Hagel, über das Schiff herfällt. Obwohl eine Newera selten lange dauert, kann sie doch große Schäden anrichten.
Fronten: Sie können zu jeder Jahreszeit vom westlichen Mittelmeer heranziehen. Angekündigt werden sie im Sommer meist von Gewittern, in der Folge muss man sich auf kräftig auffrischenden Süd- bis Westwind samt Schauerregen einstellen.

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