Revierprofil: Nördliche Adria

Italiens Urlaubsparadies an der oberen Adria war für Segler aufgrund seiner Lage lange zweite Wahl. Das hat sich geändert. Doch trotz der vielen neuen und modernen Marinas ist das Revier nicht überfüllt und lohnt einen Besuch

Charterfirma: Inter Mares, Cesta Solinarijev 6, 6320 Portoroz, Slowenien, Tel.: 00386 5 6778930, Fax: 00386 5 6778935, E-Mail: info@inter-mares.si, Internet: www.inter-mares.si
Schiffe und Preise: Angeboten werden Einrumpf-Yachten von 31 bis 51 Fuß, 1.150 bis 5.050 Euro pro Woche, je nach Saison.
Revier: Ein in den Sommermonaten meist so stilles Segelrevier, dass man ihm trotz Bora und versandenden Fahrrinnen das Attribut ‚Familienrevier‘ nicht absprechen kann.
Seekarten: Delius Klasing Sportbootkartensatz Adria 1. Die ‚Carta nautica turistica‘ – acht Karten vom Golf von Triest bis zum Po-Delta, samt einer Übersichtskarte sind unverzichtbar. Axel Kramer: ‚Hafenführer Adria‘, Triest bis zur Straße von Messina. Heinrich Breidenbach: ‚Lagunen von Venedig bis Grado‘.

Kartenausschnitt Küste nördliche Adria(Bild: Jan Bindseil)
Wind und Wetter: Im Sommer meist bestes Wetter mit ausgedehnten Flautenperioden, in der Thermik schwache Segelwinde. Im nordöstlichen Teil müssen Sie jederzeit mit Bora rechnen. Im Frühjahr und Herbst kann sie Sturmstärke, im Raum Triest Orkanstärke erreichen. Fast nur in der Vor- und Nachsaison bescheren Adriatiefs tagelang schlechtes Wetter. Für Venedigs ‚Aqua alta‘, sorgt jedoch meist der stürmische Süd- bis Südostwind eines Scirocco.
Wetterberichte: Ein Tonbandwetterbericht wird in Italienisch und Englisch rund um die Uhr auf Kanal 68 gesandt. Gute Berichte gibt es im Internet unter www.meteoam.it, www.windfinder.com und www.wetteronline.de. Da man immer mit einem Bein an Land segelt, werden auch oft Wetterberichte von Tageszeitungen und des Fernsehens genutzt.
Leuchtfeuer und Seezeichen: Das Revier ist bestens betonnt und befeuert. In den Lagunen muss man lernen, sich an dem zu orientieren, was einem die Dalben sagen. Nachts zu segeln sollte hier tunlichst vermieden werden.
Gezeiten und Strom: Im gesamten Revier muss mit einem Tidenhub von bis zu einem Meter gerechnet werden. In Triest warnt der Hafenführer von bis zu 2,50 Metern! In den Kanälen der Lagunen läuft immer Strom, in manchen bis zu sieben Knoten.
Navigation: Ausschließlich terrestrisch. Ein Plotter ist eine wertvolle Hilfe, wenn man bei schlechter Sicht Einfahrten in Lagunen und Flüsse ansteuern muss.
Beste Zeit: Juni und Juli für Familien, Mai und September für Männercrews. Den italienischen Ferienmonat ‚Ferragosto‘ sollte man meiden. Anreise: Viele reisen mit dem Auto an. Sonst bietet sich Triests Flughafen Ronchi dei Legionari an.
Einreise und Zoll: Sowohl Italien als auch Slowenien sind Schengen- und EU-Länder.
Sprache: Italienisch. Deutsch wird im ganzen Revier meist gut verstanden.
Klima: Heiße und oft schwüle Sommer. Angenehm sind die Temperaturen in der Vor- und Nachsaison, doch spielt das Wetter nicht immer mit.
Kleidung: Leichte Baumwollkleidung im Sommer, außerhalb der Saison sind Pullover und Ölzeug Pflicht.
Sicherheit: Gut, ausgenommen in den touristischen Ballungszentren, wo in der Hochsaison die Kleinkriminalität oft ausufert.
Reiseführer: Eberhard Fohrer: ‚Oberitalien‘, Michael Machatschek: ‚Venedig MM-City‘, beide im Michael Müller Verlag.
Literatur: Thomas Mann: ‚Tod in Venedig‘ (anspruchsvoll). Patricia Highsmith: „Venedig kann sehr kalt sein“. Donna Leon: Allen bekannt sind die Commissario Brunetti Krimis.

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Segeln in den Lagunen

Karten für Lagunenfahrten: ‚Carta della Laguna di Venezia‘: Spezialkarten der Buchhandlung ‚Mare di Carta‘ in Venedig. ‚Carta Nautica Touristica‘: acht Karten vom Golf von Triest bis zum Po-Delta, samt einer Übersichtskarte. ‚Carta di Navigazione Fluviale‘: Lagune von Venedig Nord und Süd, Fluss Sile, Riviera di Brenta. ‚Übersichtskarten von Grado bis Cortellazzo‘: Kartenheft mit sieben Karten der Lagunen von Grado bis Cortellazzo samt Flussmündungen. ‚Navigare più facile‘: fünf Kartenhefte für Fluss- und Lagunenfahrten zwischen Po und Grado, mit vielen wichtigen Informationen, auch in Deutsch.

Nautische Literatur für Lagunenfahrten: Günter Lengnink: ‚Reisebücher für Bootsfahrer‘. Band 1: ‚Wasserwege von Grado bis Cortellazzo‘. Band 2: ‚Wasserwege von Cortellazzo über die Lagune von Venedig bis zum Fluss Adige‘. Band 4: ‚Die nördliche italienische Adria von Grado bis zur Grenze zu Slowenien‘. Band 5: ‚Wasserwege an der italienischen Adria von Monfalcone über Venedig bis Chioggia‘. Band 3 gäbe Auskunft über Flussfahrten vom Isonzo bis zum Po. Erhältlich sind diese Karten und Lagunen­führer bei: virtualStore GmbH, Wagnerfeld 30, 84086 Bad Griesbach, Deutschland, Tel.: 08532 9248050, Fax: 08532 9267893, E-Mail: mailbox@virtualstore.de. Bestellt werden kann unter www.virtualstore.de.

Kartenausschnitt Küste Venedigs(Bild: Jan Bindseil)

Wassertiefen: Beachten Sie, dass sich die Wassertiefen in den Karten meist auf mittlere Werte beziehen. Es kann bei Ebbe also durchaus weniger Wasser unter dem Kiel verbleiben – wenn überhaupt! Intime Kenner des Reviers schwören daher auf Schiffe mit weniger als 1,50 Meter Tiefgang. Ideal dürften daher Hub- und Kimmkieler sein. Auch Katamarane sollen sich schon in die Lagunen verirrt haben.

Tiefenangaben: Sie werden feststellen, dass die in den Karten angegebenen Wassertiefen von den vom Lot angezeigten abweichen. Mehr wird selten, weniger fast immer angezeigt. Durch den in den Fahrrinnen ständig und oft stark laufenden Strom versanden diese schnell.

Navigation: In den Dalbenwegen der Lagune kann nur auf Sicht navigiert werden. Besonders in den sommerlichen Unwettern, wenn Regenschauer die Sicht einschränkt und Sturmböen für eine kurze, raue See sorgen, kann ein Segeltag schon mal im Schlick enden. Tonnen und Marker werden Sie in den Lagunen meist vergeblich suchen, da die (für Yachten befahrbaren!) Kanäle ausschließlich mit Dalben gekennzeichnet sind. Was diese Ihnen alles sagen, sollten Sie schon wissen, bevor Sie in die Lagune einlaufen, um dort nicht gleich nach der Einfahrt aufzulaufen. Gute Segelführer erklären Ihnen die zahlreichen Details. Auf keinen Fall sollten Sie Fahrten in der Lagune nachts oder bei schlechter Sicht einplanen!

Kartenausschnitt Küste Grados(Bild: Jan Bindseil)

Gezeiten: Der Tidenhub liegt im Schnitt bei einem Meter. Scirocco kann für extremes Hochwasser sorgen, anhaltender stürmischer Nordwind das Wasser so aus den Lagunen blasen, dass oft nicht einmal mehr die so oft bemühte Handbreit Wasser unter dem Kiel übrig bleibt. Immer mit Strom müssen Sie bei den Einfahrten in die Lagunen und Flüsse rechnen, ebenso wie in den Kanälen der Lagunen. Meist ist er mäßig, doch kann er auch reißend wie ein Wildbach sein. Der Segelführer warnt besonders vor den Kanälen von Treporti und San Felice. Immer an Bord sollten daher Gezeitentafeln sein. Der praktische ‚Callendario delle Marea‘ ist in allen Marinas erhältlich.

Ankerplätze: Wer auf die zahlreichen Full-Service-Marinas verzichten will, weil er die Stille der Lagunen sucht, wird nicht oft fündig. In den Kanälen sollte man nicht ankern, im Rest der Lagune ist das Wasser selten tief genug. Doch: Wer suchet, der findet! Auch in den Lagunen.

Canal Grande: Der Canal Grande in Venedig darf (und kann auch) von Yachten nicht befahren werden!

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