Terrestrische Navigation

Aufgrund der Redun­danz der zahlreichen GPS-Systeme an Bord bringt es kaum einem Segler einen Vorteil, sich detailliert mit den verschiedenen Methoden der terrestrischen Navigation zu beschäftigen. Andererseits gibt es Szenarien, die zwar höchst unwahrscheinlich klingen, aber vorkommen können. Gerade weil an Bord gerne die unwahrscheinlichsten Faktoren ein desaströses Ganzes ergeben können. Und wer denkt schon daran, das Handgerät bei Gewitter in den Backofen (Faradayscher Käfig) zu legen? Schon eine tief­entladene Batterie und ein unfreiwilliges Bad (mit Smartphone in der Tasche) können die Redundanz erheblich aus dem Gleichgewicht bringen. Zumindest sollte ein gewisses Verständnis der terrestrischen Navigation vorhanden sein, um auf solche Szenarien reagieren zu können. Und abseits der Katastrophen bereitet es sogar Spaß, mit Peilkompass, Navigationsbesteck und Seekarte die GPS-Position zu vergleichen und so das Wissen in der Praxis zu wiederholen und zu trainieren.

Küstenlinien erkennen | In Deckung bringen | Kreuzpeilung | Standlinien | Vierstrichpeilung | Verdoppelung des Schiffsseitenwinkels | Koppeln

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Küstenlinien erkennen

Wenn mit etwas Abstand an einer Küste entlang gesegelt wird, lässt sich kaum das Profil der Küstenlinie erkennen. Kleine Buchten beziehungsweise der genaue Verlauf verlaufen am Horizont zu einem Strich ohne Tiefe, sodass es unmöglich wird, anhand der Seekarte die ungefähre Position zu erkennen. Zwar lässt sich hin und wieder eine Bucht oder etwas Ähnliches erkennen, doch in der Navigation haben Ahnungen nichts verloren. Peilobjekte müssen zweifelsfrei zu identifizieren sein, sodass sich nur markante Punkte wie Baken, Leuchttürme, Sendemasten, Kirchtürme, Burgen oder einzelne Häuser eignen. Solch eindeutige Punkte sind in den Seekarten eingezeichnet. Manchmal reicht schon eine alleinstehende Baumgruppe aus, wie beispielsweise an der Schleimündung.

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In Deckung bringen

Ähnlich wie ein Richtfeuer mit Ober- und Unterfeuer lassen sich markante Punkte an der Küste ebenfalls in Deckung bringen. Beispielsweise ein Kirchturm im Landesinneren und ein Leuchtturm oder Sendemast an der Küstenlinie. Schon in der Törnplanung können diese Deckpeilungen in der Seekarte gesucht und die Standlinie mit dem Bleistift in die Karte eingetragen werden. Unterwegs wird gewartet, bis beide Objekte in Deckung stehen. Eventuell lässt sich im gleichen Moment ein weiteres einzelnes Objekt peilen, um eine zweite Standlinie und somit eine Kreuzpeilung zu erhalten. Seltener kann es vorkommen, dass sich zwei Deckpeilungen überschneiden. Solch ein Punkt könnte als Wegepunkt genutzt werden, um einen Steuerkurs abzustecken. Der Kurs kann anhand der Deckpeilung kontrolliert werden – auch um einen möglichen Strom- oder Windversatz zu erkennen.

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Kreuzpeilung

In den Kursen für den Sportbootführerschein See wird fast ausschließlich die klassische Kreuzpeilung gelehrt. Zwei Punkte werden in einem möglichst rechten Winkel gepeilt und die Standlinien in die Seekarte eingetragen. Einen Winkel von 30 Grad sollten die Peilungen nicht unterschreiten, da sonst die Messung zu ungenau wird. Allerdings bietet selten eine Küste den schönen rechten Winkel zwischen zwei Punkten an, sodass die Kreuzpeilung nicht immer möglich ist. Wer es ganz richtig durchführen möchte, rechnet die Peilungen noch in rechtweisende Peilungen für die Seekarte um. Entgegen allen Behauptungen guter Seemannschaft muss dies in Fahrtgebieten an Nord- und Ostsee nicht unbedingt nötig sein. Die Missweisung beträgt nur wenige Grad. Es sollte dennoch immer der Wert in der Seekarte kontrolliert werden.
Andererseits lässt sich der rechtweisende Kurs so auch schnell im Kopf ausrechnen. Wer noch eine Deviationstabelle an Bord hat, kann auch diese nutzen. Allerdings gilt sie für den Peilkompass nur eingeschränkt. Einfacher ist es meist, die Peilung so in die Karte einzutragen – es sei denn, die Missweisung ist erheblich!

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Standlinien

Je mehr Peilungen (und damit Standlinien) genommen werden, desto genauer lässt sich die Position bestimmen. Eine Kreuzpeilung mit drei Standlinien definiert das Feld, in dem sich das Boot befindet, relativ genau. Diese topografische Konstellation trifft aber auch nur sehr selten zu.
Dennoch sollte nicht darauf verzichtet werden, regelmäßig zu peilen. Es muss auch nicht immer der Peilkompass verwendet werden. Objekte, die querab (im rechten Winkel) passiert werden, ergeben ebenso eine Standlinie. Diese Peilungen können ebenfalls in die Seekarte in Bezug auf den Steuerkurs eingetragen werden. Eventuell ergibt sich die Möglichkeit für eine Kreuzpeilung mit einem anderen Punkt. Der Vorteil: Es muss nur eine Peilung mit dem Kompass genommen werden. Für die Querpeilung reicht eine Markierung an Deck.

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Vierstrichpeilung

Mit geometrischen Formen lässt sich außerhalb des Mathematikunterrichts erstaunlich viel anfangen und sogar für die Navigation nutzen. So ergeben die Winkel in einem Dreieck beispielsweise immer 180 Grad. Wenn wir einen Punkt an der Küste in einem Winkel von 45 Grad zum Kurs über Grund peilen und den Punkt erneut peilen, wenn er genau querab steht, ergibt sich ein gleichschenkeliges Dreieck, denn der dritte Winkel muss ebenfalls 45 Grad betragen. Der Basiswinkelsatz lautet: Sind in einem Dreieck zwei Winkel gleich groß, so sind auch die beiden gegenüberliegenden Seiten gleich lang.
Der gesegelte Weg während der beiden Peilungen entspricht dann genau dem Abstand zum gepeilten Punkt. Bei dieser Methode muss am besten mit einer Stoppuhr gearbeitet werden, um die zurückgelegte Strecke zu Koppeln.

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Verdoppelung des Schiffsseitenwinkels

Nach dem gleichen Prinzip kann die Position mithilfe der Verdoppelung eines Winkels ermittelt werden. Der Punkt wird beispielsweise mit 25 Grad in Bezug auf den Kurs über Grund gepeilt. Bei 50 Grad wird erneut gepeilt und die zurückgelegte Strecke notiert. Zwei Winkel im Dreieck stehen dann fest: 25 Grad und 130 Grad (180 – 50). Der andere Winkel muss ebenfalls 25 Grad betragen, sodass wieder ein gleichschenkliges Dreieck entsteht. Der zurückgelegte Weg entspricht erneut dem Abstand zum Peilobjekt.

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Koppeln

Wenn die Elektronik durch einen Defekt ausfällt, wird auch die Logge nicht mehr funktionieren. Eine mechanische Logge wird kaum noch jemand an Bord haben. Sobald der Ausfall bemerkt wird, gilt dem Logbuch eine große Aufmerksamkeit. Mithilfe der festgehaltenen Daten lässt sich die Position annäherungsweise ermitteln. Mit einer selbst gebauten Logge lässt sich sogar die Geschwindigkeit messen, sodass regelmäßig folgende Eintragungen erfolgen sollten:

Stündlich

  • Uhrzeit,
  • Geschwindigkeit
  • Seemeilen
  • Kurs
  • Steuerkurs
  • Windstärke und -richtung

Besonderheiten

  • Wenden
  • Halsen
  • Passieren einer Tonne, eines Kaps, eines Leuchtturms

Alle Eintragungen mit Uhrzeit und mit Peilung.

Anhand dieser Daten wird der Kurs in die Seekarte eingetragen. Einfluss von Wind und vor allem Strom nicht vernachlässigen. Alle Peilungen (auch einfache Standlinien) werden eingetragen. Auch hier gilt: Je mehr Peilungen, desto genauer.