Hamburg ist absolute Bundesliga-Spitze

Der Segelsport folgt den Spuren des Fußballs und wandelt mit der Segel-Bundesliga doch auf ganz eigenen Pfaden. Denn während im großen Vorbild der Norden aktuell keine Rolle spielt, ist er beim Segeln absolute Spitze.

Beim dritten Act der aktuellen Saison im Rahmen der Travemünder Woche eroberte der NRV Hamburg die Tabellenspitze in der Ersten Liga zurück und schwenkte damit ein auf Kurs Titelverteidigung. Auch in der Zweiten Liga gibt Hamburg durch den Tabellenführer Mühlenberger SC den Ton an.

Der dritte Spieltag der Bundesliga fordert von den jeweils 18 Teams in der Ersten und Zweiten Liga großes Durchhaltevermögen. Denn die Brise setzte sich an allen drei Regattatagen erst an den Abenden durch. Dann aber bot die Lübecker Bucht zum Teil beste, mitunter karibische Bedingungen. Damit gelang in beiden Spielklassen die maximale Anzahl der geplanten Wettfahrten – zum ersten Mal in dieser Saison, nachdem auf dem Bodensee und dem Starnberger See die Spieltage aufgrund der schwierigen Winde vorzeitig beendet werden mussten.

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Der NRV aus Hamburg, immerhin dreimaliger Titelträger in der jungen Geschichte dieses Segelformats, hätte diese maximale Anzahl an Wettfahrten allerdings nicht gebraucht. Bereits zwei Rennen vor Schluss stand die Mannschaft um Steuermann Tobias Schadewaldt als Sieger fest.

„Das Ergebnis liegt weit über dem, was wir erwartet haben“, freute sich Schadewaldt. „Die Grundlage waren unsere guten Starts, hier hatten wir eine fast 100-prozentige Quote. Wir sind sehr glücklich, so gut zurecht gekommen zu sein. Auf dem Starnberger See hatten wir mit den Bedingungen noch große Probleme.“ Den ersten Tag vor Travemünde, als die Crews bis um 20 Uhr auf dem Wasser waren, beschrieb der NRV-Steuermann als „Bilderbuch-Tag“. An Tag zwei waren die Winde zwar etwas kritischer, und auch der finale Tag brauchte etwas, um in Fahrt zu kommen, doch insgesamt fiel das Schadewaldt-Fazit eindeutig aus: „Travemünde hat sich von seiner besten Seite gezeigt! Das war auch in der Vergangenheit so. Die Travemünder Woche ist eben zur schönsten Jahreszeit terminiert.“ Nach der Hälfte der Saison wollte der Titelverteidiger zwar noch keinen Ausblick für den Saisonabschluss wagen, hat aber schon ein klares Ziel vor Augen: „Als nächstes steht für uns das Champions League-Finale in St. Moritz auf dem Plan. Und da haben wir Großes vor. Wir wollen auf das Treppchen!“ Mit dem TW-Ergebnis im Rücken geht der NRV mit großem Selbstbewusstsein in dieses Event. In der Lübecker Bucht siegte er vor dem Württembergischen YC und dem Chiemsee YC.

In der Zweiten Liga gab es sogar einen doppelten Norderfolg. Der Mühlenberger SC mit Simon Magnus am Ruder setzte sich gegen die Stadtrivalen vom Hamburger SC um Steuerfrau Silke Basedow durch. Auf Rang folgte der Schweriner YC. Die Lokalmatadore vom Lübecker YC platzierten sich nach 48 Wettfahrten mit Rang sechs im Tabellenmittelfeld, bleiben in der Saisonwertung auf Rang acht. Der Lübecker Segler-Verein belegte Platz 14 vor Travemünde und bleibt damit in Abstiegsnot.

„Wir haben uns gut auf Travemünde vorbereitet, haben hier mit den Lübecker Mannschaften trainiert“, berichtete Ole von Studnitz aus dem MSC-Team. „Wir haben den Aufstieg als klares Ziel vor der Saison ausgegeben und liegen dafür auf gutem Kurs.“ In allen drei bisherigen Spieltagen landeten die Hamburger auf dem Podium und stehen damit deutlich an der Spitze der Gesamttabelle. „Das Intensivtraining am Gardasee zum Saisonstart zahlt sich aus. Wir haben einen großen Kader und wollen nun natürlich schon am vorletzten Spieltag in Berlin alles klar machen“, so von Studnitz. Dann wäre der MSC in der Luxussituation, zum Zweitliga-Abschluss in Kiel auch jüngeren Seglern eine Einsatzchance zu geben. Doch noch wiegelt Ole von Studnitz ab: „Wir wissen, dass die Reviere in Berlin und in der Kieler Innenförde echte Wundertüten sind.“

Der sechste Platz für den Lübecker YC war unter den aktuellen Bedingungen für die Mannschaft um den ehemaligen Olympiasegler Simon Grotelüschen ein gutes Ergebnis: „Ich bin inzwischen als Arzt an der Klinik in Altona tätig und kann daher kaum trainieren und mich auf die Bundesliga vorbereiten. Deshalb ist der sechste Platz okay. Meine Mannschaft hat das sehr gut gemacht. Aber man muss eben auch akzeptieren, dass sich andere Mannschaften den Sieg einfach verdient haben.“ Mit dem Einsatz vor der eigenen Haustür beendet Grotelüschen auch schon wieder die Bundesliga-Saison. Zu den verbleibenden zwei Zweitliga-Events müssen andere Steuerleute ran. Als derzeit Achter ist der LYC aber weit weg von Abstiegssorgen und kann eher nach oben blicken. Das ist beim Stadtkonkurrenten LSV ganz anders. Die Mannschaft um Kim Brandt muss wohl wieder damit rechnen, den Klassenerhalt beim Liga-Pokal zu sichern.

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