128. Travemünder Woche

Bange Minuten bei der Vermessung der Optimisten

Vor dem Segeln steht die Kontrolle. Zum Auftakt der Deutschen Jugend- und Jüngstenmeisterschaften im Rahmen der Travemünder Woche gilt es, die Boote auf ihren ordnungsgemäßen Zustand zu überprüfen.

Bei den Optimisten heißt das, dass 210 Dinghis der Nachwuchsseglern im Alter zwischen acht und fünfzehn Jahren zu vermessen sind. Dafür stehen insgesamt 14 Vermesser zur Verfügung, die gestern und heute die Aufgabe haben, die Boote auf ihre Maße sowie Sicherheitsstandards zu checken.

Der Grünstrand der Travemünder Woche ist der Ort des Geschehens. Ab 9 Uhr sind die 14 Vermesser im Einsatz, und die Jüngsten unter den Seglern stecken in leichter Nervosität, ob ihr Boote glimpflich durch die Kontrollen kommen oder ob noch Änderungen gemacht und mögliche Fehler behoben werden müssen. Alle teilnehmenden Bootsklassen an den Internationalen Deutschen Jugend- und Jüngstenmeisterschaften (IDJM und IDJüM) müssen diesen Prozess durchlaufen, um überhaupt an den Meisterschaften teilnehmen zu können. Und vor allem bei den kleinsten Starten, den Optimisten, ist die Vermessung besonders spannend: Das Regelwerk ist eng, die Bootsbauer sind zahlreich und die Teilnehmeranzahl von 210 Booten ist sehr groß. Zudem umfasst das Regattafeld der Optis neben den nationalen Teilnehmern auch internationale Sportler – u. a. aus Brasilien, Australien, Frankreich und Mexiko. „Ziel ist es, einen Opti in einer Zeit von einer Minute und zehn Sekunden komplett zu kontrollieren“, so Vermesser Christian Krause. „Die Voraussetzungen sind jedoch nicht die besten, da in dem Vermessungszelt, in dem die Prüfung der Optimisten stattfindet, parallel die Vermessung zwei weiterer Bootsklassen vollzogen wird.“

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Hintergrund der Kontrollvermessungen liegt darin, die Einheitlichkeit zu gewährleisten, sodass die Boote unter gleichen Bedingungen an den Start gehen. Aber es gibt auch andere Aspekt.

Alle Einzelteile des Bootes, die als Einstiegsklasse in den Regattasport dient, werden an separaten Stationen im und vor dem Vermessungszelt der Travemünder Woche beim Grünstrand geprüft. So darf der Rumpf zum Beispiel in dem ersten Drittel keine Werbung enthalten – Ausnahme ist eine kleine Fläche an Backboard, auf der das Veranstaltungslogo angebracht werden darf. Auf dem Segel darf, neben dem Optimisten-Logo, lediglich eine weitere Farbe und nichts weiter als die Landeskennung und die Segelnummer zu sehen sein. Sicherheitsrelevant ist, dass die Lufttanks keine offenen Nähte oder poröse Stellen haben, um nicht ihre Funktionsfähigkeit bei einer möglichen Kenterung zu verlieren. Zudem wird geprüft, ob die Schwimmwesten der Kinder eine angebundene Pfeife besitzen und Pütz und Praddel mit Sicherungsleine versehen sind. Auf korrekte Vermessungsmaße werden zum Beispiel Schwert, Ruder und Spriet überprüft. Sobald die Teile die jeweilige Prüfung bestanden haben, bekommen sie einen Kontrollaufkleber. In den meisten Fällen kommen die Nachwuchssegler mit ihren Optimisten gut durch die Kontrolle. Und sollte es doch Probleme geben oder Veränderungen müssen gemacht werden, ist noch genug Zeit, um diese durchzuführen. Ein häufig auftretendes Problem ist die sogenannte „Affenschaukel“ am Baum. Sie soll die Kräfte der Schot auf das Aluminiumgestänge verteilen. Hängt die Schaukel aber zu tief, wird sie zum Risikofaktor. Die Sportler könnten beim Manöver in ihr hängen bleiben und somit kentern.

„Kinder sollen in der Regel bei der Vermessung alleine ohne Eltern antreten. Ziel ist es, die Selbständigkeit zu fördern“, so Krause, der seit zwei Jahren das Amt des Vermessers ausübt. Bereits bei der Vorbereitung zur Kontrollvermessung konnte beobachtet werden, dass einige Kinder diese Vorbereitungsmaßnahmen eigenverantwortlich übernehmen. Sie wissen genau, was zu tun und zu machen ist, worauf es ankommt, um mit einem sicheren Gefühl zu der Vermessung zu gehen. Eine leichte Nervosität gehört dennoch dazu. So auch bei Nachwuchsseglerin Ella Sofia Rissanen: „Vielleicht ist etwas falsch, zum Beispiel, wenn die Segel-Nummer nicht richtig aufgeklebt ist“, so die 13-Jährige. „Es ist aber nicht sehr schlimm, denn an der Regatta kann ich trotzdem teilnehmen. Aber es kostet Zeit“, fügte sie hinzu. Für Ella ist es die erste Kontrollvermessung ihres Optis in diesem Umfang. Bei vorigen Vermessungen bei anderen Regatten wurden lediglich das Schwert, das Segel sowie das Ruder geprüft. Diese umfangreiche Vermessung gibt es nur bei der IDJM und der IDJüM sowie bei den Ausscheidungen zur Welt- und Europameisterschaft.

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