Nichts für schwache Nerven

Es wurde eng, es wurde laut, es war nichts für schwache Nerven: Der Start zur Langstrecke zur Deutschen Meisterschaft der Zweihand-Crews war ein Krimi auf des Messers Schneide. Elf Yachten tummelten sich kurz vor 17 Uhr auf der Enge zwischen Travemünde und „Passat“, um die beste Startposition zu ergattern. Sie kämpften um jeden Millimeter –...

Es wurde eng, es wurde laut, es war nichts für schwache Nerven: Der Start zur Langstrecke zur Deutschen Meisterschaft der Zweihand-Crews war ein Krimi auf des Messers Schneide. Elf Yachten tummelten sich kurz vor 17 Uhr auf der Enge zwischen Travemünde und „Passat“, um die beste Startposition zu ergattern. Sie kämpften um jeden Millimeter – wohlwissend, dass noch über 100 Seemeilen und damit rund ein kompletter Tag harter Wettkampfsport vor ihnen liegen. Fahrtensegler und Luxus-Yachteigner sorgten mit ihrem unerwarteten Auftritt dafür, dass das Gedrängel eine zusätzliche Würze erhielt.
 


Gleich mit dem Start in eine lange Nacht zeigte sich, dass die Teilnehmer zur Premiere einer Deutschen Meisterschaft in der Disziplin Offshore Double Handed gierig auf den Eintrag in die Geschichtsbücher des Deutschen Segler-Verbandes sind. Spätestens mit dem Einholen des „Blauen Peter“ (Ein-Minuten-Signal) auf dem Startschiff gab es kein Halten mehr. Unter Backbordbug rauschte die halbe Flotte vom Passathafen kommend auf den Startpoller an der Travepromenade zu. Dort aber lauerte die andere Hälfte der Yachten, um eng an der Küste über die Linie zu ziehen und mit einem langen Kreuzschlag aus der Trave zu kommen. Gebrüll war programmiert, hektische Wendenmanöver wurden eingeleitet. Wenige Sekunden vor dem Start schien sich alles aufzuklaren, als eine Fahrtenyacht unter Motor unbeirrt die Trave hinaufzog und auf die startenden Rennyachten zuhielt. Im letzten Moment legte die Schiffsführerin den Rückwärtsgang ein, die Fahrtenyacht verschwand kurzzeitig im Gewimmel der Segel, tauchte danach aber wieder auf. Ohne Schrammen gingen die IDM-Crews auf Kurs, lieferten sich danach noch einige Kreuzduelle, um schließlich die Trave zu verlassen und in Richtung offene Ostsee zu entschwinden.

Start Double Handed Offshore Travemünde: Lina Rixgens mit ihrem neuen Boot. Foto: www.segel-bilder.de

Ganz ohne Komplikationen lief es dann allerdings doch nicht ab – das allerdings ohne Gegnereinfluss. Lina Rixgens und Partner Sverre Reinke setzten hinter der Nordermole eine Wende, zogen die Fock auf neuem Bug dicht und mussten dann mit entsetztem Blick feststellen, dass die Schotbefestigung platzte und das Schothorn wild zu schlagen begann. Wichtige Meter gingen verloren, bevor das Segel wieder stand. Kurze Zeit später musste die junge Crew aber doch den Rückweg antreten. Das Groß drückte im oberen Bereich aus der Mastnut heraus. Damit wäre ein Reffen nicht mehr möglich gewesen. Bei weiter zunehmenden Wind für Lina Rixgens keine Option: „Leider mussten wir zurück in den Hafen. Jetzt werden wir ein Tuch auf das Vorliek nähen, damit es dicker wird und hält. Dann hoffen wir, bei der Mittelstrecke wieder dabei zu sein.“
Mit gebremstem Schaum ging es eine Stunde später zur Langstrecke im Ostsee-Cup auf die Bahn. Zwei Startgruppen schickte das Wettfahrtleiter-Team von der Trave aus auf eine etwas kürzere Langstrecke als bei der Deutschen Meisterschaft.

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