Souveräne Führende bei den Meisterschaften

Ausschlafen hieß es für die Segler der Travemünder Woche am fünften Regattatag. Nach den Erfahrungen der vergangenen Tage, als sich die Seebrise erst am Nachmittag auf den Bahnen eingestellt hatte, und einer unveränderten Wetterlage hatte Gesamt-Wettfahrtleiter Anderl Denecke verlängerte Bettruhe verordnet und den Start in den Tag auf 14 Uhr angesetzt.

Eine perfekte Terminierung, wie sich zeigte. Die Sonne warf am Mittag mit der aufsteigenden Hitze über dem Land die Windmaschine an, und pünktlich gingen die Athleten in den fünf Meisterschaftsklassen sowie zur Ranglistenregatta der Kielzugvögel an den Start.

Laser 4.7
Bahn-Chefin Tina Buch konnte nach einem schwierigen Tag am Dienstag mit angestrengten Jugendlichen diesmal in viele zufriedene Gesichter blicken. „Es ist alles super schnell durchgegangen, wir hatten in diesem riesigen Feld nur zwei Gesamtrückrufe“, berichtete die Wettfahrtleiterin. „Mit dem späten Start lagen wir genau richtig, vielleicht wäre schon eine halbe Stunde früher etwas möglich gewesen. Aber als wir auf die Bahn gefahren sind, war der Wind noch löchrig.“ Im Feld der 77 Teilnehmer der Laser 4.7 nutzte Mewes Wieduwild die guten Winde, um sich mit einer Siegesserie in eine starke Position für den Titelkampf zu bringen. Vor zwei Jahren hatte der 15-Jährige die Europameisterschaft der Optimisten gewonnen. Nach dem Wechsel aus der Jüngsten- in die Jugendklasse ist der Berliner bereits in der deutschen Spitze angekommen. „Er ist erst seit diesem Jahr dabei, hat hier eine tolle Serie mit fünf Siegen hingelegt. Nur in der zweiten Wettfahrt hat er mit einem 19. Platz einen Streicher gesegelt. Da war er zu gierig und ist auf die falsche Seite gefahren“, berichtete Trainer Michael Fellmann.

Anzeige

Laser Radial
Nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei der Deutschen Jugendmeisterschaft im vergangenen Jahr steuert Moritz Peitzner aus Kiel nun auf Goldkurs bei den Laser Radial. Mit einer beeindruckend beständigen Serie von Top-Drei-Ergebnissen – darunter drei Siege – liegt er nach sechs Wettfahrten vor dem Allgäuer Julian Hoffmann. Auf Platz drei folgt Roko Mohr aus Berlin. Für Familie Mohr ist die Lübecker Bucht ein gutes Revier. Im vergangenen Jahr gewann Rokos Bruder Mic hier den Titel als Deutscher Jüngstenmeister im Optimisten. Peitzner freute sich über die Bedingungen in den vergangenen Tagen: „Das sind die Winde, auf die ich gehofft habe. Es ging darum, auf Speed zu fahren und keine Fehler zu machen“, so Peitzner, der in diesem Stil weitermachen will: „Man will sich immer verbessern – und letztes Jahr war ich ja Dritter.“

Vaurien
Diese Dominanz sorgt einfach für großes Staunen: Francesco Zampacavallo/Carlos Armengot segeln zur Weltmeisterschaft von Sieg zu Sieg. Sechs Starts, sechsmal Platz eins: Blütenweißer kann eine Weste nicht sein als die der Spanier. Die Favoritenrolle ist damit klar vergeben, trotzdem ist die WM noch nicht entschieden. Denn die spanischen Verfolger Tirso Atares/Gonzalo Rodrigues geben sich ebenfalls keine Blöße und sind mit einem Abstand von neun Punkten noch in Schlagdistanz. Zwei weitere spanische Teams auf den folgenden Plätzen runden die Überlegenheit der Segler von der iberischen Halbinsel in dieser Klasse ab.

Flying Junior
Vier Teams aus den Niederlanden und sechs aus Deutschland belagern die Top-Ten bei der Europameisterschaft der Flying Junior. Doch noch stehen die Segler aus dem Nachbarland auf allen Medaillenplätzen. Bei einer klaren Führung von Guido Sol/Hugo de Jong arbeitet sich allerdings die Borkener Mannschaft Bernd Hater/Paula Scharf an die Top-Ränge heran. Nach den Plätzen zwei und drei am Mittwoch haben sie nur noch einen Abstand von vier Punkten auf den Bronzerang.

Varianta
Ein kleines Geschenk hielten die Varianta-Titelverteidiger Frank Schönfeldt/Gerd Becker (Hamburg) für die Konkurrenz bereit. Doch dem sechsten Platz in der vierten Wettfahrt stehen fünf Siege gegenüber. „Ich habe ein gutes Gefühl. Wir fahren hoch und schnell. Und eine gute Geschwindigkeit ist die beste Freundin der Taktik“, berichtete Frank Schönfeldt. Allerdings war er sich vor dem Start gar nicht so sicher, ob es klappen würde: „Wir sind mit neuen Segeln ein großes Risiko gegangen“, so der Segelmacher, der im Segelschnitt eine Veränderung der Profiltiefe vorgenommen hat. „Ob das alles so klappt, war nicht klar. Aber vor zwei Wochen sind wir bereits Deutsche Meister der Conger mit einem ähnlichen Segelschnitt geworden, deshalb haben wir auch ohne Training gesagt: Wir machen das einfach.“ Es läuft, und Schönfeldt gesteht: „Ich bin fast ein bisschen euphorisch.“

Kielzugvogel
Am heutigen Mittwoch starteten die Kielzugvögel in ihre Ranglistrenregatta zur Travemünder Woche. Mit zwei Siegen legte das Team Jörg Friedlein/Oliver Babik (Hattingen) die Messlatte sehr hoch. Bis zum Samstag, wenn auch die Vaurien, Flying Junior und Laser ihre Meisterschaften beenden, ist aber noch viel Zeit.

Kommentieren
*Pflichtfelder. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht