Wanderer zwischen den Welten

Er ist der überlegendste Sieger der Travemünder Woche 2019: Phillip Kasüske. Der Berliner hatte bei seinem fünften Start zur TW die Konkurrenz der Finn-Dinghys jederzeit im Griff, segelte ausschließlich Siege ein. Nicht unerwartet, denn der Sportsoldat ist als Nationalmannschaftssegler ein Profi unter Amateuren. Und so war die Travemünder Woche für ihn „ein Regatta-Training, um Wasserstunden...

Er ist der überlegendste Sieger der Travemünder Woche 2019: Phillip Kasüske. Der Berliner hatte bei seinem fünften Start zur TW die Konkurrenz der Finn-Dinghys jederzeit im Griff, segelte ausschließlich Siege ein. Nicht unerwartet, denn der Sportsoldat ist als Nationalmannschaftssegler ein Profi unter Amateuren. Und so war die Travemünder Woche für ihn „ein Regatta-Training, um Wasserstunden zu sammeln“.


Der 24-Jährige hat Großes im Fokus: Olympia 2020. Parallel ist er Teil des Offshore Team Germany, der Hochseesegel-Kampagne, die 2021 nach knapp 20 Jahren und dem umjubelten Sieg der „Illbruck“ in Kiel wieder ein deutsches Boot zum legendären Ocean Race an den Start bringen will.
Mal Finn, mal „Einstein“. Es ist auch ein Hopping zwischen Kiel und Portsmouth in England, wo die „Einstein“, eine 60 Fuß lange Imoca, derzeit liegt. Ein Spagat, der ihn fordert. „Es ist unheimlich zeitintensiv, gerade durch das Reisen.“ Sein Studium (Logistik-Management) kommt deshalb auch etwas zu kurz. Doch missen will er das Hin und Her nicht. „Beides ergänzt sich unheimlich gut. Ich kann viel lernen.“
In Travemünde zählte der Finn. Die Regatta war ein Baustein auf der „Road to Tokyo“. „Auf Olympia habe ich in den vergangenen Jahre hingearbeitet.“ Dazu gehört auch, dass er nach dem Abitur im Sommer 2013 und dem Umstieg vom Laser in den Finn von Berlin nach Kiel gezogen ist. In Schilksee trainiert er mit Max Kohlhoff (26). Ihr Ziel: Nach 16 Jahren Flaute soll wieder ein deutscher Finn an der olympischen Startlinie stehen. „Dafür arbeiten wir zusammen, pushen uns gegenseitig, ob im Kraftraum, auf dem Rad oder auf dem Wasser.“ Aber bisher haben sie noch nicht mal ein Nationen-Ticket. Die letzte Chance gibt es dafür im April 2020. „Beim Weltcup in Genua wird der letzte freie Platz für Europa ausgesegelt. Das wird knallhart, da sind noch sechs, sieben weitere Top-Nationen mit uns im Wettstreit.“
Nach der Travemünder Woche düst Kasüske wieder nach England. Vorbereitung auf das berühmte Fastnet-Race, das er mit der Crew ab dem 3. August segelt. Den Blick über den Finn-Horizont hinaus schätzt er sehr. „Ich profitiere davon ungemein. In der Zusammenarbeit mit Profi-Teams passiert in Deutschland viel zu wenig.“

Statt Wettfahrten zu segeln, übten sich die Segler im Baden. Foto: segel-bilder.de ORC Baden

Deutsche Bestenermittlung 505er
Die Deutschen Meister von 2017 und 2018, Jan-Philipp Hofmann/Felix Brockerhoff (Düsseldorf) verteidigten ihren Titel, auch wenn er aus Mangel an ausreichenden Meldungen diesmal nur inoffiziell war. „Es war auf jeden Fall gut, es heute noch einmal zu probieren. Aber die Entscheidung, das Rennen abzubrechen, war richtig“, sagte Hofmann „Natürlich sind wir als Klasse traurig, dass wir es nicht geschafft haben, ein meisterschaftswürdiges Feld zusamen zu bekommen. Am Revier hat es auf keinen Fall gelegen.“ Hinter den Serienmeistern segelten Alexander Holzapfel/Stefan Worm (Koblenz) und Frederik Schaal/Felix Diesch (Überlingen) zu Silber und Bronze.

Finn-Dinghys und Trias
Mit sieben Siegen in sieben Rennen ließ Phillip Kasüske (Berlin) den Verfolgern Uli Breuer (Rursee) und Nicolaus Schmidt (Hamburg) bei den olympischen Finns keine Chance. Bei den Trias konnte zwar noch ein Rennen gesegelt werden, aber das hatte keinen Einfluss mehr auf die Gesamtwertung, die Mario Fattorini (Schweiz) vor Mathias Strang (Mülheim) und Wolfgang Mohr (Reichenau) gewann.

Ergebnisse unter manage2sail.com
IDM Seesegeln ORC I+II (Abschluss nach fünf Wettfahrten)
1. „Intermezzo“, Jens Kuphal (Berlin), 6.9
2. „Sportsfreund“, Axel Seehafer (Heiligenhafen), 8.3
3. „Halbtrocken 4.0“, Michael Berghorn (Kiel), 9.6
4. „Sydbank“, Torsten Bastiansen (Flensburg), 19.2
5. „Adamas“, Jan Peters (Heiligenhafen), 19.3
6. „Claxpax“, Klaus Schütte (Lübeck), 27.5

IDM Seesegeln ORC III (Abschluss nach fünf Wettfahrten)
1. „Immac Fram“, Kai Mares (Dänischenhagen), 4.3
2. „Halbtrocken“, Dr. Knut Freudenberg (Flensburg), 11.6
3. „Patent 4“, Jürgen Klinghardt/Henning Tebbe (Hamburg), 12.9
4. „One Spirit“, Sören Brandt (Kiel), 13.2
5. „Ex&hopp“, Michael Schulz (Greifswald), 20.5
6. „Heat“, Max Augustin (Hamburg), 27.4

Deutsche Bestenermittlung ORC IV (Abschluss nach fünf Wettfahrten)
1. „nemo“, Uwe Kleinvogel (Rostock), 5.6
2. „Kalkei“, Frank Schuberth (Rostock), 7.3
3. „Test“, Chris Bauermeister (Wismar), 11.9
4. „Blue Bird“, Max Schuberth (Rostock), 16.5
5. „Matrix“, Andreas Laufkötter (Greifswald), 20.2
6. „Ghost“, Robert Neumann (Hamburg), 21.8

505er, deutsche Bestenermittlung (Abschluss nach sieben Wettfahrten)
1. Jan-Philipp Hofmann / Felix Brockerhoff (Düsseldorf), 7
2. Alexander Holzapfel / Stefan Worm (Koblenz), 20
3. Frederik Schaal / Felix Diesch (Überlingen), 26
4. Timon Treichel / Morten Roos (Düsseldorf), 27
5. Thure Gnadeberg / Aron Tellen (Hannover), 40
6. Nils-Henning Hofmann / Jan-Hendrik Lenz (Düsseldorf), 40

Finn Dinghy (Abschluss nach sieben Wettfahrten):
1. Phillip Kasüske (Berlin), 6
2. Uli Breuer (Rursee), 17
3. Nicolaus Schmidt (Hamburg), 21
4. Dirk Meid (Mayen), 39
5. Kai Falkenthal (Kiel), 45
6. Fabian Lemmel (Berlin), 46

Trias (Abschluss):
1. Mario Fattorini (Schweiz), 9
2. Mathias Strang (Mülheim), 11
3. Wolfgang Mohr (Reichenau), 22
4. Hans-Wolf Holland (Rheingau), 25

Kommentieren
*Pflichtfelder. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht