Insolvenz der Megawerft

Bavaria weiterhin ohne Käufer

Bei Bavaria Yachts sieht es derzeit nicht gut aus. Kein Interessent möchte die Werft bisher kaufen. Dennoch möchte Bavaria weiter produzieren

Eigentlich hätte die Entscheidung über einen neuen Besitzer bereits feststehen sollen. Doch bisher hat noch keiner der Interessenten eine Zusage gegeben. Jetzt will Bavaria in Eigenregie noch 24 Yachten im September bauen – und hofft, dass sich bis dahin ein Käufer gefunden hat. “Im September wollen wir in Giebelstadt rund 24 Motor- und Segelyachten fertig stellen”, sagt Interims-Chef Brinkmann. Die Zahlen liegen weit unter der Kapazität des Unternehmens mit rund 600 Mitarbeitern. Im Mai 2018 lieferte Bayern rund 30 Boote in zwei Wochen aus. Seit Juli werden die Mitarbeiter aus der Insolvenzmasse ausgezahlt. Derzeit wird am Hauptsitz der Werft Kurzarbeit betrieben.

Wir blicken zurück: Mitte April erschütterte die Branche die Nachricht, dass Bavaria Yachtbau, die bis dahin größte Werft für Segel- und Motoryachten in Deutschland, Insolvenz anmelden musste. CEO Lutz Henkel verließ bereits kurz vor dem Insolvenzantrag das Unternehmen. Bis dahin schob Bavaria einen dreistelligen Millionenbetrag als Schuldenberg vor sich her. Als die Eigentümer, die Finanzinvestoren Anchorage und Oaktree, dann schließlich ihren Rückzug bekannt gaben, war es vorbei. Seitdem versucht Interims-CEO Tobias Brinkmann einen Käufer für die Werft zu finden.
Laut Brinkmann laufen derzeit noch Verhandlungen und Gespräche. Es soll Interessenten geben, die das Unternehmen ernsthaft erwerben und weiterführen wollen. “Es gibt Angebote zum Kauf von Bavaria”, sagte Brinkmann laut einem Medienbericht. “Wir hoffen, in den nächsten Wochen eine Entscheidung über den Verkauf bekannt geben zu können.”

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Für neue Segelyachten und Motorboote gibt es nach Angaben von Brinkmann noch immer Interesse und Bestellungen. Wenn man dem potentiellen Käufer der Werft ein solches vollständiges Auftragsbuch vorlegt, sollte der Verkauf erleichtert werden.

Welche Bieter noch im Rennen sind, darüber wird natürlich geschwiegen. Über Bieter, die nicht mehr als neue Inhaber von Bavaria in Frage kommen, gibt es viele, oft nicht belastbare, Gerüchte. So soll die Familie Meltl, die bis 2007 bereits 50 Prozent an Bavaria hielt und damals die Hälfte des gigantischen Kaufpreises von 1,3 Milliarden erhielt, ihr Angebot zurückgezogen haben. Ein Interesse von Hanseyachts aus Greifswald, wie es in einigen Medien berichtet wurde in einer Kooperation mit AWN, hielten Branchenexperten schon Beginn an für ein Gerücht und wird inzwischen von Hanseyachts dementiert. Das einige andere Wettbewerber die Chance nutzten, als potenzielle Inverstoren einen Blick in die Bücher von Bavaria zu werfen, ist nicht ungewöhnlich bei Insolvenzen. Ein echtes Kaufinteresse steht dann selten im Vordergrund. Auch über den Kaufpreis gibt es bisher nur Spekulationen. Je nach Quelle schwankt er zwischen 5 und 30 Millionen Euro. Aber für Tobias Brinkmann dürfte der Kaufpreis nicht entscheidend sein, er liegt eh weit unter dem Buchwert und den Forderungen der Gläubiger und den ehemaligen Inhabern Oaktree und Anchorage. Wichtiger für Zulieferer, Kunden und die Mitarbeiter dürfte die Nachricht sein, dass es überhaupt in Giebelstadt weiter geht.

Die Katamaran-Sparte von Bavaria in Frankreich,  Nautitech, ist von der Insolvenz nicht betroffen. Der kürzlich erworbene Hersteller von Mehrrumpfbooten steht aber ebenfalls zum Verkauf. Ob im Rahmen eines Komplettverkaufs der Werftengruppe oder separat, ließ Brinkmann offen. Der Nautitech Messestand auf der Messe Cannes Mitte September ist bereits fest gebucht. Ob Bavaria auch mit Segel- und Motorbooten auf dieser so wichtigen Messe vertreten sein wird, kann erst entschieden werden, wenn es einen neuen Investor gibt.

Wie sehr Brinkmann nun also unter Druck steht einen Käufer für Bavaria zu finden, zeigt schon einen Blick in die weiteren Termine im Messekalender. Im September startet weltweit die Messesaison, also die Zeit die Auftragsbücher für den Winter zu füllen. Ohne einen Inverstor dürften potenzielle Kunden verunsichert sein eine Segel- oder Motoryacht bei einem Bavaria Händler zu bestellen. Wichtige Aufträge besonders in der Charterindustrie dürften dann verloren gehen. Charterunternehmen brauchen feste Zusagen, um Yachten in der nächsten Saison verchartern zu können.

Der Messeauftritt auf der Interboot in Friedrichshafen in der letzten Septemberwoche, der in den Vorjahren direkt von Bavaria organisiert und auch zum größten Teil gezahlt wurde, wird nun von den Händlern Meltl, Pronautik und Yachtcenter Mannheim selbst bestritten. Auch auf der Flensburg Boat Show vom 7. bis 9. September in der Marina Sonwik können Kunden das neue Volumenmodel Bavaria C45 beim Laboer Bavaria Händler Ap Yachting besichtigen. Ein absolut positives Signal für den Markt, denn nicht nur die Deutsche Händler, sondern das gesamte weltweite Händlernetz von Bavaria vertraut weiter auf die Marke und ihr fortbestehen. Für die Mitarbeiter wäre dies nur zu wünschen. Sie zeigten in den letzten Monaten ein sehr hohes Engagement bestehende und neue Aufträge an Yachten fristgerecht zu erledigen. Die Unsicherheit, wie es nun weiter geht, ist der Belegschaft verständlicherweise nun sehr hoch. Eine Entscheidung wird frühestens in 14 Tagen erwartet.

 

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