Die Geschichte der boot Düsseldorf

Es war einmal – so beginnen viele Märchen. Eine märchenhafte Erfolgsgeschichte unserer Zeit ist die der Wassersportmesse boot Düsseldorf, die vor 50 Jahren als Projekt ambitionierter Visionäre in einer wassersportlichen Diaspora an den Start ging und sich bis heute zum Branchenprimus gemausert hat. Vom 19. bis 27. Januar 2019 wird in den Messehallen am Rhein Geburtstag gefeiert

Als 1969 die erste boot Düsseldorf ihre Tore öffnete – damals noch in einer einzigen Halle auf dem alten Messegelände an der Fischerstraße – hatte so mancher seine Zweifel, ob eine Wassersportausstellung im Binnenland neben zwei weiteren Veranstaltungen dieser Art in Deutschland Bestand haben könnte. Der Lübecker Horst Schlichting, Gründer des Fachmagazins segeln und später der Segler-Zeitung, deren langjähriger Chefredakteur und Herausgeber er war, sah jedoch als passionierter Segler und als selbsternannter Mann „fixer Ideen“ eine Perspektive. Und so überzeugte er Kurt Schoop, damals Chef der Düsseldorfer Messegesellschaft, von seiner Vision einer Bootsausstellung in der bevölkerungsreichsten Region Deutschlands fern der Küste. Die anfangs bescheidene Veranstaltung mauserte sich im Laufe von 50 Jahren zur größten Wassersportmesse der Welt, die heute unter schützenden Hallen­dächern auf dem Messegelände entlang der Stockumer Kirchstraße, der Beckbuschstraße und des Rheins alle Facetten der Branche umfangreich abbildet.

Horst Schlichting überzeugte Kurt Schoop, damals Chef der Düsseldorfer Messegesellschaft, von seiner Idee einer Bootsausstellung fern der Küste (Bild: Messe Düsseldorf)

Heute füllt die boot immer Ende Januar für neun Tage riesige Hallen, die vor allem für weltweit bedeutende Leitmessen für Investitionsgüter aus vielen Industriebereichen – wie beispielsweise Druckindustrie und Kunststofftechnik – gebaut wurden. Die Düsseldorfer Messegesellschaft, heute mit Werner M. Dornscheidt und Hans Werner Reinhardt an der Spitze, hat stetig in einen perfekten Schauplatz und eine perfekte Organisation investiert und sich damit weltweit einen hervorragenden Namen erarbeitet. Hallentore und hohe Decken bieten selbst großen, bis zu 40 m langen Yachten genügend Raum. Für ganz große Modelle, für die ein Straßentransport zu aufwendig ist, wurde 1980 ein bis zu 120 t tragender Travellift angeschafft, der sie direkt aus dem Rhein in die Hallen transportiert. Getauft auf den Namen Big Willi, erinnert er an Willi Weyer, den langjährigen nordrhein-westfälischen Minister und seinerzeitigen Präsidenten des Deutschen Sportbundes. Und für noch schwerere Yachten wird seit 2016 ab Rotterdam eine Pontonflottille organisiert, von der die schweren Yachten auf speziellen Hubwagen sicher zu ihrem Standplatz in die Halle transportiert werden.

1970 machten Damen in maritimem Outfit auf die Messe aufmerksam (Bild: Messe Düsseldorf / Claus Wolde)

Ab 1970 entwickelte Abdul-Rahman Adib, zuerst als Projektreferent, ab 1978 als Projektleiter mit seinem Team mit viel Engagement, Tatendrang und Ideenreichtum die boot von einer reinen Boots- und Zubehörausstellung zu der internationalen Leitmesse in ihrer heutigen Ausprägung mit umfassenden Angeboten rund um den Boots- und Wassersport. Viel diplomatisches Geschick war gefragt, um letztendlich alle Wünsche und Ideen der Aussteller und Besucher zu erfüllen. Dazu gehörten auch Kooperationen mit den Medien, wie beispielsweise die Einbindung von TV-Sendungen wie das Aktuelle Sportstudio, das während der boot Sendungen direkt am und im Wasserbecken in den Aktionshallen produzierte, sowie die Förderung des breiten Wassersports außerhalb der Messe, beispielsweise bei Segelevents.

Schon in den 1970er Jahren konnte auf der boot in den Messe­hallen gesegelt werden. Ein Highlight der damaligen Zeit (Bild: Messe Düsseldorf / Claus Wolde)

2009 übernahm Goetz-Ulf Jungmichel die Teamleitung. In seine Zeit fällt die Hinwendung der boot zu einer Erlebnis-Veranstaltung unter dem Motto „360 Grad Wassersport“. Das Konzept bewegte die Menschen, Sonderschauen und Aktionen luden zum Mitmachen ein, und es gelang, die boot auf hohem Niveau als die weltweite Nummer Eins unter den Wassersportmessen zu etablieren, während andere Veranstaltungen rund um den Globus mit starken Einbußen zu kämpfen hatten. An das Erfolgskonzept von Adib und Jungmichel knüpfte 2016 der heutige boot Director Petros Michelidakis an, der die gute Zusammenarbeit mit den erfahrenen Marktteilnehmern im Messerat und mit dem Bundesverband Wassersportwirtschaft fortführt, die er bei seinem Start als einfach genial bezeichnete. Petros Michelidakis intensivierte den Mitmach-Faktor, weitere Informationsrunden und strukturierte den B2B-Sektor für Fachbesucher aus aller Welt. Mit Erfolg: Rund 70.000 der über 247.000 Besucher der letzten boot kamen aus dem Ausland, aus 102 Ländern. Und mehr als 2.000 Journalisten berichteten von der Megaschau am Rhein.

Die boot hat früh auf das Konzept gesetzt, einzelne Hallen zu bestimmten Themen­komplexen zu bilden (Bild: Messe Düsseldorf / Claus Wolde)

Zur 50. Auflage der boot werden vom 19. bis 27. Januar 2019 erstmals mehr als 2.000 Aussteller erwartet. In 16 Messehallen wird auf 220.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche eine gigantische Erlebniswelt rund um das Thema „360° Wassersport erleben“ geschaffen. „Die boot Düsseldorf ist die einzige Messe weltweit, die diese Vielfalt umfassend präsentiert. Mit Herstellern aus erwarteten 70 Ländern aus allen Teilen der Welt zeigen wir hier eine einzigartige Produktvielfalt. 1.500 Segel- und Motorboote haben auf der boot ihre Messeheimat“, erläutert boot Director Petros Michelidakis. „Damit ist die boot ein anerkanntes internationales Branchenevent mit B2B-Charakter. So nutzen zum Beispiel Entscheidungsträger großer Charterunternehmen die Messe, um sich ein umfassendes Bild vom Markt zu machen, direkt mit den Herstellern in Kontakt zu treten und vergleichen zu können.“ Mitmachen und erleben heißt es für Besucher in den Themenwelten mit Programm und Aktionen, Stars und Gästen auf den Bühnen, Vorträgen und Workshops mit Experten. Diese von der Messe Düsseldorf arrangierten Sonderschauen widmen sich dem Segeln, Motorbooten, Superyachten, Trendsportarten, Tauchen, Urlaub und Charter, dem Refit, der Yachtausrüstung, dem Angeln und dem Kanusport.

Die neueste Ausrüstung war schon immer ein wichtiger Bestandteil des Messekonzeptes (Bild: Messe Düsseldorf / Claus Wolde)

Mit ihren 50 Jahren ist die boot bis heute jugendlich und frisch. „Unser Ziel ist es, immer ganz nah am Markt zu sein und die aktuellen Trends auf der Messe umzusetzen beziehungsweise selbst zu kreieren“, so boot-Chef Michelidakis. Ein Beispiel: das spektakuläre Tow-In Windsurfen im 60 Meter langen Flatwater-Pool. Auch die stehende Riesenwelle „THE WAVE“ ist so ein Trendsetter.

Doch die boot ist nicht nur ein bedeutender Marktplatz für die Branche, seit vielen Jahren beteiligt sie sich auch aktiv an Projekten zum Schutz der Meere. Daraus sind inzwischen Aktionen wie der „ocean tribute Award“ oder die „love your ocean“ Kampagne entstanden, die eine hohe Medienresonanz erzielen und die Aufmerksamkeit der Menschen auf dieses hochbrisante und wichtige Thema lenken. So ist die britische Seglerin und Meeresaktivistin Emily Penn für die boot Düsseldorf als prominente und erfolgreiche Botschafterin am Start. Und seit zwei Jahren präsentiert der „love your ocean“ Stand auf der Messe Maßnahmen und Ideen für den Meeresschutz, berät über die Qualität des Wassers oder lädt Kinderforscher zum Mitmachen ein. Projekte und Initiativen aus der ganzen Welt, die sich für den Schutz der Meere einsetzen, können sich für den „ocean tribute Award“ 2019 auf dem Portal oceantributeaward.boot.de bewerben. Mitstreiter bei dieser Initiative sind die monegassische Fürst Albert II Stiftung, die Deutsche Meeresstiftung sowie als Sponsor der Tauchscooter-Hersteller Seabob.

Heute werden Superyachten über den Rhein verholt und in die Messehallen transportiert (Bild: Messe Düsseldorf / ctillmann)

An Fachbesucher richten sich die Einladungen zu speziellen Fachveranstaltungen und Meetings wie beispielsweise das International Breakfast Meeting der European Boating Industry am Dienstag früh, bei dem wirtschaftliche Aspekte der Branche mit einem Charterschwerpunkt im Mittelpunkt stehen, das Marina Symposium des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft für Hafenbetreiber, der Workshop boot Interior und die Agents Night für Vercharterer am Donnerstagabend.

Die konsequente thematische Gliederung der einzelnen Hallen nach Angebotsschwerpunkten wird von den Besuchern hoch geschätzt. „Wir sind seit Jahrzehnten auf der boot vertreten, da wir dort den besten Kontakt zu Endkunden herstellen können und in den neun Tagen Beziehungen zu unseren gewerblichen Abnehmern pflegen“, sagt Robert Marx, Geschäftsführer des Hamburger Zubehör- und Motorengroßhändlers Friedrich Marx und Präsident des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft. „Die boot hat sich zum stärksten Marktplatz für uns entwickelt. Der Service der Messe und das positive Feedback suchen ihresgleichen.“

Zum 50. Geburtstag verpassten die Düsseldorfer der Anzeigenkampagne mit dem Motto „Follow the Call“ einen globalen Anstrich, indem man die Motive der elf Emotionen weckenden wassersportlichen Leidenschaften internationalisierte. Die diversen Facetten des Wassersports präsentieren sich vor Traumkulissen – wie in der Karibik oder im Yellowstone Nationalpark, wie in der Bay von San Francisco unter der Golden Gate Bridge oder vor der Skyline von Manhattan – Kulissen, die ihrerseits Sehnsüchte wecken.

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