Serie: Ich & mein Boot

Ahora: Laurin 32

Jan Christoph Athenstädt segelte schon als kleines Kind. Nach Reisen mit Großseglern in die Antarktis suchte er nach einem eigenen Schiff

Jan Christoph Athenstädt ist mit Booten groß geworden. Sein Großvater hatte eine selbst ausgebaute Neptun 22 an den Friesischen Meeren liegen. Und mit seinen Eltern fuhr er jede Sommerferien samt Jolle auf dem Autodach in die Bretagne, an den Golf von Morbihan. Ein tolles Revier, um den Umgang mit Wind und Gezeiten zu lernen, findet Athenstädt noch heute. Später tauchte er in die Großseglerszene ein, segelte in den USA auf dem Schoner Zodiac und auf der Bark Europa in die Antarktis.

Als Informatiker kann Jan Christoph Athenstädt von Bord, also auf Reisen arbeiten

Seit einiger Zeit besitzt Jan Christoph Athenstädt nun eine eigene Yacht: eine Laurin 32. Sein Ziel hatte er von Anfang an klar vor Augen. Mindestens über den Atlantik soll es damit gehen. Athenstädt hat gezielt nach einem seetüchtigen Langkieler gesucht: „Meiner Meinung nach verhalten sie sich besser im Seegang und bei schlechtem Wetter.“ Vom Typ Laurin 32 hatte er schon gehört, als er eines Tages neben dem eigentlich zu besichtigenden Boot eine liegen sah. „Da wusste ich: Das muss es sein.“

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Die Laurin 32 ist ein Design, das Geschichte geschrieben hat: Sie war der erste Koster, der in GFK und damit in Serie gebaut wurde. Die Koster-Boote sind nach einer Inselgruppe im Norden der schwedischen Westküste benannt. Dort segelten die Fischer einen speziellen Typ Doppelender, der in den 1930er-Jahren als Vorbild für eine Familie von Klassenregeln für Freizeitboote diente. Eine ganze Reihe schwedischer Konstrukteure – Knud Reimers zum Beispiel – entwarf auf dieser Grundlage Boote.

Schiffig, aber hell dank weißem Himmel

Darunter auch Arvid Laurin, ein Ingenieur und vielfach begabter Tausendsassa, der seit seinem 13. Lebensjahr segelte und an Entwürfen tüftelte. Er selbst gewann bei den Olympischen Spielen 1936 Silber im Starboot, und seine 5,5-mR-Yachten segelten erfolgreich bei den Spielen in den 1950er- und 1960er-Jahren. 1963 entwickelte Laurin auf Grundlage der Koster-Klassen die Laurin 32, die im nächsten Jahr erstmals gebaut wurde. Typisch dafür ist neben dem Spitzgatt das Waldeck.

»Ich mach das jetzt«

Mit dem Kaufpreis hat Jan Christoph Athenstädt sein Budget nur zur Hälfte ausgeschöpft, um flüssig genug für Reparaturen zu sein. Er wollte ein Restaurierungsprojekt, aber ein segelfähiges Schiff und kein Wrack. Und er hatte Glück. Der Vorgänger hatte bereits begonnen, die Yacht sorgfältig instand zu setzen, bevor er sie aus Altersgründen abgeben musste. Athenstädt machte weiter, nach dem Motto: So einfach wie nötig, um selbst reparieren zu können, aber so schiffig wie möglich.

Das Baujahr hat Jan Christoph Athenstädt selbst in den neuen Antirutschbeleg eingelassen

Schließlich schlägt des Eigners Herz eigentlich für Holzboote. Aber den damit verbundenen Mehraufwand hat er gezielt vermieden. Schließlich braucht er auch noch Zeit zum Arbeiten und zum Segeln. Dauerhaft an Bord zu ziehen, die Zelte an seinem Wohnort Konstanz abzubrechen und loszusegeln – das war von Beginn an sein Plan.

Dafür steht auch der Name seines Schiffes: Ahora. Das ist spanisch und bedeutet ‚jetzt‘. Er ist angelehnt an den Namen der Neptun 22 seines Opas: Mañana. Das ist auch spanisch und bedeutet ‚morgen‘. „Mein Opa hat immer von größeren Reisen geträumt, aber nie die Gelegenheit gehabt“, sagt Athenstädt. „Aber ich habe die Gelegenheit.“

Das Boot

Länge über alles: 9,81 m
Länge Wasserlinie: 8,60 m
Breite: 2,88 m
Tiefgang: 1,50 m
Verdrängung: 4,6 t
Ballast: 2,2 t
Segelfläche: 47,85 m²
Konstrukteur: Arvid Laurin (SWE)
Werft: Malmö Flyg Industry
Baujahr: 1965

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