Das Aus der Varianta 18

Es ist offiziell: Die Varianta 18 wird mit der Baunummer 299 eingestellt. Variantasegler Stephan Boden, besser bekannt als 'Digger Hamburg', über die kurze Produktion der Varianta 18

Ein Kommentar von Stephan Boden

 

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Anlässlich der Vorstellung der neuen Varianta 37 während der Hanseboot 2013 wurde von Seiten HanseYachts von einem „Volksboot“ gesprochen. Ein Boot, das über 80.000 Euro kostet und dessen Unterhaltskosten kaum in Münzen bezahlt werden können.

Varianta – eigentlich ein Name, der vielen Seglern leuchtende Augen bereiten sollte. Nicht wegen der 37er, auch nicht wegen der 44er, sondern wegen der alten Varianta 65, die mit über 4.000 gebauten Einheiten ein echtes Volksboot der ersten Wasserwelle in den 1970er Jahren war. Volksboot wurde die Ur-Varianta damals in Bootstests genannt.

Michael Schmidt, ehemaliger Hanse-Chef und Werftgründer, hatte sicher auch den Begriff Volksboot im Kopf, als er im November 2009 die Varianta 18 auf die Bühne hob. Ein preisgünstiges, einfaches und nicht überladenes Boot für Einsteiger, Wochenendsegler und Ersteigner. „Zurück zu den Wurzeln“ titelte damals die „FAZ“.  Und die Wurzeln hatte Schmidt auch im Sinn: Warum eigentlich immer größer, schneller, komplizierter und teurer? Die Markteinführung wurde ein voller Erfolg. Die kleine Dehler lief anfangs wie “geschnitten Brot”. Selbst große Tageszeitungen testeten das Boot. Es wurden „Weltvarianta-Spiele“ angekündigt, über eine Klassenvereinigung nachgedacht und „Add-Ons“ nach Baukastenprinzip angeboten. Die Kiste schien zu laufen.

Ein gutes Jahr später verkaufte Michael Schmidt die Werft an den Finanzinvestor Aurelius. Und für Finanzinvestoren scheint der Begriff Volksboot etwas anderes zu bedeuten. Von Weltvarianta-Spielen war jedenfalls keine Rede mehr. Dehler wurde aus dem traditionellen Standort Freienohl im Sauerland nach Greifswald an die Ostsee umgebettet, und der Rumpf der Varianta in Polen laminiert. Eine Chance für ein preiswertes Boot? Nein, das Boot verkümmerte im Portfolio der HanseYachts AG langsam. Auf der vergangenen boot in Düsseldorf war eine Varianta 18 zu sehen – aber niemand betreute sie. Herrenlos stand das kleine Boot im Schatten der großen Varianta und Interessenten nahmen veraltete Preislisten mit nach Hause. Produktpflege? Fehlanzeige!

„Bei der VA18 ist der Aufwand, gemessen am Ertrag, zu hoch. Außerdem passt das Boot nicht mehr in unsere Abläufe, weil auch die Nachfrage gesunken ist“, begründet Pressesprecher Thorben Will die Einstellung der Varianta. Natürlich sinkt die Nachfrage bei einem Boot, das der Händer nicht verkauft. Auch nicht wirklich verkaufen will. Ein Händler muss so viel reden wie bei einem großen Boot. Und letztlich hat er nur ein paar Euro pro verkaufter Varianta eingenommen. Deshalb ist jetzt auch Schluß mit der Varianta 18. Sie wird noch circa 20 mal gebaut und die Produktion mit der Baunummer 299 eingestellt. Varianta – stand dieser Name für den Anbieter eines Volksbootes, so gibt es Volksboote jetzt nur noch in 37 beziehungsweise 44 Fuss. Das Volk muss nur tiefer in die Tasche greifen.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) rechnet damit, dass bereits im Jahr 2030 bis zu 40 Prozent weniger 19 bis 26-jährige Segler in Vereinen Mitglied sind. Ob einer überalternden Szene 80.000 Euro teure Volksboote helfen, darf man bezweifeln. Im Yacht- und Bootsbau werden eine Menge Emotionen verkauft. Wenn man mit dem Hobby der Leute Geld verdienen will, geht es allerdings nur über Emotionen. Ob es richtig ist, selbst emotionslos zu agieren und einen Sympathieträger, der ab und an mal einen Ablauf stört, einzustellen? Ich werde es von Bord meiner Varianta 18 beobachten. Zum Glück habe ich eine.

Auf Wiedersehen, Volksboot.

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