Interview mit Bavaria Yachts

Auf der boot Düsseldorf 2017 präsentierte sich Bavaria zum zweiten Mal auf einem Messestand, der mit 3.800 Quadratmetern beinahe eine gesamte Halle einnahm. Unter anderem zeigte Bavaria Yachts erstmals das neue Flaggschiff C57, das in Zusammenarbeit mit einem neuen Designbüro entstand. Interview mit Bavaria-CEO Lutz Henkel

Wann bringt Bavaria Yachts wieder kleinere Boote auf den Markt?
Wir haben doch kleine Boote.

Finden Sie 34 Fuß klein heute?
Ja.

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Unter der Cruiser 34 ist also vorläufig nichts mehr zu erwarten?
Das würde ich so nicht unterschreiben. Aber ich werde über unsere Produktentwicklungspläne zu diesem Zeitpunkt noch keine Auskunft geben.

Was ist der Bestseller momentan?
Der Markt bewegt sich hin zu großen Booten. Wir haben mit unserer C57 einen erfolgreichen Start hingelegt. Sogar so erfolgreich, dass wir ausgelastet sind, was dieses Boot betrifft. Wir müssen erst neue Kapazitäten schaffen, um die Nachfrage bedienen zu können.

Wenn ich die C57 jetzt bestelle, wann bekomme ich sie dann geliefert?
Laut aktuellem Stand Anfang 2018. Aber wir werden unsere Kapazitäten anpassen. Zum Glück sind wir aufgrund der langen Erfahrung von Bavaria Yachts in diesem Punkt sehr flexibel.

Die Bavaria C57 stammt aus dem Designbüro Cossutti. Werden die folgenden Boote auch dort gezeichnet?
Ja, wir sind langfristige Partnerschaften mit unseren Entwicklungspartnern eingegangen.

Planen Sie, die gesamte Palette zu erneuern?
Irgendwann wird die Palette immer mal komplett erneuert. Zu Produktentwicklungen geben wir dann Auskunft, wenn das Boot ansteht. Das wüssten unsere Mitbewerber natürlich auch ganz gerne. So viel sei aber verraten: Wir haben erstmal Pläne für ein noch größeres Modell.

Wie viele Boote baut Bavaria Yachts im Jahr?
Wir bauen mehr als 1.000 Boote jedes Jahr.

Wie ist die Aufteilung zwischen Motor- und Segelbooten?
Wir haben einen Split von circa 60 Prozent Segel- zu 40 Prozent Motorbooten.

In welche Richtung entwickelt sich der Markt? Was verlangen die Kunden?

Es gibt die Bewegung hin zu größeren Motorbooten, die wir allerdings in dieser Form noch nicht im Portfolio haben. Weiterhin ist der Katamaranmarkt am boomen, hier sehen wir für unsere Bavaria Catamarans Modelle jedes Jahr enorme Zuwächse.

Der Designansatz der neuen C57 bricht mit dem, was wir bisher von Bavaria gewöhnt sind. Können Sie das Konzept kurz beschreiben?
Mit der Aussage, dass wir komplett mit unseren Traditionen brechen, bin ich nicht einverstanden. Wir haben in mehreren Workshops unsere komplette Segelbootpalette analysiert und haben nur auf die Stärken unserer Boote geachtet, die sie alle in der C57 wiederfinden. Beispielsweise die Badeplattform: Sie ist nach wie vor ein wesentliches Merkmal jeder Bavaria und ist die größte in ihrer Klasse. In der Produktion bauen wir unsere Marktführerschaft durch die Einführung neuer Techniken, wie zum Beispiel Vakuuminfusion und Modularbauweise, weiterhin aus.

Was sind denn sonst noch weitere klassische Merkmale einer Bavaria Segelyacht für Sie?
Die Kunden erhalten die höchste Lebensqualität auf dem Wasser. Und das in allen Bereichen des Bootes.

Wodurch zeichnet sich denn hohe Lebensqualität auf dem Wasser aus?
Die Frage gebe ich gerne als Gegenfrage zurück.

Sehr unterschiedlich. Die einen sagen: Lebensqualität ist, wenn ich eine perfekte Pantry habe, die wunderbar seetüchtig ist.
Genau.

Die anderen wünschen sich möglichst viel Raum unter Deck, ein, zwei, drei oder gleich fünf Nasszellen.
Da haben Sie uns schon gut beschrieben. Und wir können noch mehr liefern. Wir bieten eine perfekte Qualität, und wir geben nach wie vor ein ‚Made in Germany’ hinzu. Wir reagieren flexibel auf Marktanforderungen und sind ständig am verbessern unseres bestehenden Portfolios.

Zur Bauqualität: Sie haben auf das Vakuuminfusions-Verfahren umgestellt. Werden alle Boote jetzt nach diesem Verfahren gebaut?
Alle neuen Modelle werden bereits in Vakuum produziert. Die restliche Range wird folgen.

Uns ist immer noch nicht ganz klar, was Bavaria Yachts für Sie als Marke ausmacht.

Wir bauen seit 1978 am gleichen Standort qualitativ hochwertige Boote und zwar mit einem der führenden Produktionsverfahren der Welt. Boote, die unsere Kunden begeistern. Unsere Kunden schätzen das Raumkonzept und die Qualität unserer eigenen Schreinerei. Das sind Traditionen, denen wir uns verpflichtet fühlen und diese werden wir weiterführen. Die hervorragenden Segeleigenschaften werden wir noch weiter verbessern.

Die Tischlerarbeiten finden also nach wie vor in der Werft statt?
Selbstverständlich.

Sie haben jetzt einen neuen Händler im Iran und damit ein ganz neues Gebiet erschlossen. Wird im Persischen Raum viel gesegelt?
In dem Moment, in dem das Embargo beendet wurde, sind wir dort aktiv geworden und haben jetzt einen guten und starken Partner gefunden. Es gibt eine kleine Szene im Iran. Unser Anspruch ist, diesen Markt als Erster zu bedienen und mit zu entwickeln.

Soll von dort aus auch der Arabische Raum bedient werden?
Nein. Wir haben gleichzeitig einen Händler für den Libanon und die Vereinigten Arabischen Emirate hinzugewonnen.

Zum Thema Charter- und Eignermarkt: Wie ist das Verhältnis zwischen den beiden?

Viele unserer Eigner verchartern ihre Boote, viele unserer Händler bieten dementsprechende Lösungen an, und alle Modelle, insbesondere auch die neuen, werden weiterhin so entwickelt, dass es immer eine Charter- und eine Eignervariante geben wird.

Macht es sich bezahlt, auf der boot Düsseldorf mit diesem gewaltigen Stand vor Ort zu sein?

Wir sind das zweite Jahr in Folge mit diesem großen Stand in Düsseldorf, und ja, es lohnt sich. Die Kunden sind begeistert.

Welche Bavaria segeln Sie selber am liebsten?
Ich habe kein Lieblingsboot bei uns, ich segle alle Modelle gerne. Genügend Zeit zum Segeln habe ich leider nicht. Im November waren wir auf einem unserer Katamarane mit der Familie unterwegs und haben das sehr genossen.

Wie entwickeln sich die Katamarane für Sie?
Ausgezeichnet. Wir haben das Unternehmen Nautitech Ende 2014 akquiriert und haben es von einer relativ übersichtlichen Stückzahl innerhalb kürzester Zeit um ein Vielfaches erhöht. Nun werden wir dort mehr Kapazitäten schaffen müssen, denn in diesem Jahr sind kaum noch welche frei. Von daher bin ich sehr zufrieden mit der Entwicklung. Es läuft hervorragend.

Sind das die selben Kunden, die von einem Monohull auf einen Katamaran wechseln? Oder wer ist die Zielgruppe?
Wir haben durchaus Kunden, die von einem Monohull auf einen Bavaria-Katamaran gewechselt haben.

Gibt es Bestrebungen, etwas mehr in die Richtung Performance zu gehen? Sportlichere Bavarias?
In Kroatien stehen ab dieser Saison zum Beispiel 20 werftneue Cruiser 41S zur Verfügung, die dort als One-Design-Class eigene Regatten veranstalten. In China sind es 10 Cruiser 37, die beim China Cup eine eigene Klasse bilden.

Und kleiner? Im Regattabereich?
Wir werden keine Sondermodelle entwickeln, die – so viel kann ich Ihnen verraten – ausschließlich als Racer gebaut werden. Eine Bavaria wird immer ein Boot sein, das man sportlich segeln kann, was aber auch gemütlich gesegelt werden kann.

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