Porträt: 8mR Germania III

Sie ist ein Hingucker, wo immer sie auftaucht und ihr Name steht für die Anfänge deutschen Regattasegelns: die Krupp-Yacht Germania III

Der ranke Rumpf liegt weit auf der Seite und durchschneidet die Wellen. Wasser rauscht über das Vorschiff. Wellenbrechern gleich sitzen die Vorschiffsleute an Deck und lassen die kalte Dusche wieder und wieder über sich ergehen. Germania III läuft mit gut sieben Knoten am Wind in Richtung Luvmarke. Es sind die German Classics 2017, aber es könnte genauso gut die Olympiade 1936 sein.

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Die 8mR-Yacht mit der Segelnummer G9 ist so eng mit der Geschichte des deutschen Segelsports verbunden wie kaum eine andere. 1935 von Henry Rasmussen konstruiert und bei Abeking & Rasmussen in Lemwerder gebaut, segelt sie seit nunmehr 83 Jahren Regatten in ganz Europa. In Auftrag gegeben wurde sie von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der Friedrich Krupp AG, als dritte von sechs Yachten der Familie Krupp. Gesegelt wurde sie allerdings von seinem ebenso segelbegeisterten Sohn Alfried. Ihr Zweck: eine erfolgreiche Olympiateilnahme Deutschlands an den Segelwettbewerben 1936 zu gewährleisten und als Aushängeschild für deutsche Wertarbeit zu dienen. Nachdem die Vorgängerin Germania II, ebenfalls eine 8mR-Yacht, auf Regatten eher mäßig erfolgreich gewesen war, erging der Auftrag zum Bau im Sommer 1935. Die Baukosten betrugen damals knapp 30.000 Reichsmark. Bei einer Länge über alles von 15,04 Metern besitzt sie eine für die Meterklasseyachten typische verhältnismäßig kurze Wasserlinienlänge von 9,25 Metern.

Aus heutiger Sicht machen die langen Überhänge und die mit 2,52 Metern geringe Breite sie zu einer klassischen Schönheit. Nach damaligen Gesichtspunkten war sie eine hochmoderne Rennyacht. In ihrer ersten Regatta im September 1935 konnte Germania III klar unter Beweis stellen, dass sie ihrer Vorgängerin Germania II überlegen war und damit die bessere Wahl für Olympia darstellte. Die Entscheidung, dass Germania III für Deutschland an Start gehen sollte, war richtig: Nach sieben olympischen Wettfahrten lagen die norwegische Silja und Germania III punktgleich auf Platz zwei. Das folgende Entscheidungs-Matchrace zwischen den beiden Kontrahentinnen gewann Silja schließlich knapp. Germania III, geführt von Steuermann Hans Howaldt und mit Alfried Krupp von Bohlen und Halbach an Bord, gewann damit die Bronzemedaille und schrieb Regattageschichte.

Heute ist der Duisburger Bernhard Kolbe ihr Eigner. Seit 1990, als er das herunter- gekommene Boot vom Bodensee nach Duisburg holte, hat er Germania III in einen Zustand versetzt, der dem der 1930er Jahre weitestgehend entspricht, wenn nicht sogar in einen besseren. Doch der Weg dahin war nicht einfach und keineswegs geradlinig. Der erste Restaurierungsschritt machte aus Germania III eine klassische Fahrtenyacht. So wurde sie unter anderem mit WC und Pantry ausgestattet und ihr ein Seezaun verpasst. Sie sollte als Familienschiff dienen. Zaghafte erste Regattaambitionen zeigten jedoch, dass sie so keineswegs konkurrenzfähig war. Also beschloss Bernhard Kolbe: Kommando zurück! Das neue Ziel war, Germania III in den Zustand von 1936 zurückzuversetzen. Mit Gerd Wegener, Chef der Bootswerft Wegener, fand er auch den idealen Bootsbauer dafür. Wegeners Vater Jonny Wegener hatte Germania III, die den Zweiten Weltkrieg wie durch ein Wunder überlebt hatte, in den Nachkriegsjahren besessen und mit ihr 1949 und 1951 sogar das Blaue Band der Niederelbe gewonnen – damals noch ohne Motor an Bord.

Den ließ erst der nächste Eigner, der Hamburger Kurt Wagner einbauen. Fortan schwamm Germania III immer leicht achterlich vertrimmt, was Kolbe ein Dorn 
im Auge war. Nach etlichen Überlegungen brachte dann ein Besuch der
 boot Düsseldorf die etwas ungewöhnliche Lösung: Die Antriebsmaschine
wurde von achtern vor den Mast versetzt. Statt nun eine lange Welle durch das ganze Boot zu führen, entschied sich Kolbe für 
den Einsatz eines kleinen Hydraulikmotors, der von der Hauptmaschine gespeist, den Propeller antreibt. Diese Diesel-Hydraulische Antriebsanlage hat sich seitdem bewährt, Germania III schwimmt wieder in ihrer Konstruktionswasserlinie. Anhand alter Pläne und Fotos wurden auch Aufbau, Cockpit und Beschläge erneuert. So werden Fallen und Strecker an Bord nicht mit Klemmen belegt, diese gab es 1935 noch nicht. Stattdessen dienen Klampen und Belegnägel zum Festmachen. Auch einen Baumniederholer oder Traveller gibt es nicht an Bord. Das Cockpit ist ein waschechtes, tiefes Arbeitscockpit ohne Duchten. Durch ein Brückendeck vom Steuermann getrennt steht die Crew darin. Das Cockpitsüll reicht fast bis zur Brust, was ein sehr ergonomisches Kurbeln an den nicht-selbstholenden Winschen ermöglicht. Der Innenausbau ist reduziert, aber doch wohnlich, mit weiß lackierten Wegerungen und Schränken. All die Mühen machten sich dann 1998 mit dem Sieg bei der Weltmeisterschaft der Achter am Genfer See bezahlt.

Und so nimmt Germania III heutzutage regelmäßig unter dem Stander der Hamburger Segler-Vereinigung Altona-Oevelgönne (SVAOe) an Regatten teil: 2016 zum Beispiel an der Europameisterschaft der 8mR in Kopenhagen. Für 2018 ist die Teilnahme an der Weltmeisterschaft auf dem Bodensee geplant, wo sie sich mit anderen Achtern aus der vergangenen Epoche des Gentleman-Segelns messen wird.

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