Segler oder Motorsegler? Die Coast 250

Unter Maschine soll die Coast bis zu 15 Knoten schnell sein. Also ein Motorboot - oder doch nicht?

Neu ist die Idee, eine Kajütyacht so zu gestalten, dass sie vernünftig segelt und, mit meinem starken Motor versehen, gute Fahrt unter Maschine macht, beileibe nicht. Seit Jahrzehnten versuchen Werften, Entwürfe dieser Art zu etablieren. Im vergangenen Jahr erst hat die spanische Werft Nuva Yachts mit ihrer Nuva MS 6 einen Entwurf präsentiert, der beides kann und der derzeit nochmals modifiziert wird. Er mutet modern an, ähnelt vom Rumpf her jedoch eher einem Motor- denn einem Segelboot.

Anders die Coast 250, die die walisische Swallow-Werft noch in diesem Sommer an den Start bringen will. Sie ist ein schmuckes, kleines Fahrtenschiff, das von außen betrachtet als vollwertige Segelyacht durchgeht und sich nahtlos in die attraktive Swallow-Modell-Riege einpasst. Sie besticht durch gut segelnde Kajütkreuzer mit traditionellen Linien und Pfiff. Um die Boote trailerbar zu machen, wird aufs Gewicht geachtet, außerdem haben sie variablen Tiefgang und arbeiten teils mit Wasserballast. Für attraktive Segeleigenschaften sorgen unter anderem Carbon-Masten und -Spieren.

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Der Außenborder (mit bis zu 70 PS) befindet sich nicht am Heck, sondern in einem Schacht in der Schiffsmitte (Bild: swallowyachts)

Der Knackpunkt bei der Entwicklung kleiner Segelyachten, die unter Maschine 10 oder sogar 15 Knoten Fahrt machen sollen, ist die Positionierung des Außenborders. Angehängt ans Heck würde ein bis zu 70 PS starker Motor – diese PS-Stärke hat die Werft durchaus im Auge – das Heck der Bootes sehr tief eintauchen lassen und dadurch die Speedwerte negativ beeinträchtigen.

Auf der Coast 250 wird der Außenborder daher mittig im Schiff positioniert, direkt vor dem Niedergang. Um ihn dort unterzubringen, gibt es einen Extra-Schacht.  Natürlich könnte man an gleicher Stelle einen Innenborder installieren, doch diese Alternative kommt für die Werft nicht in Frage. Sie möchte ein leichtes Schiff präsentieren, und Außenborder sind nun einmal leichter als Innenborder, beziehungsweise haben im Verhältnis zu ihrem Gewicht deutlich mehr Power, vor allem in moderner Vier-Takt-Ausführung.

Damit wird deutlich: Der neue Motorsegler aus Wales soll in erster Linie ein Segelschiff sein, eines, bei dem sogar auf gute Segeleigenschaften geachtet wird. Dafür sprechen das Kohlefaser-Rigg, das auch hier zum Einsatz kommt, und die groß dimensionierte Segelfläche mit ausgestelltem Groß, Selbstwendefock und Bugsprit zum Ausbringen des Gennakers.

Bei Flaute allerdings, oder wenn die Tide kippt, bevor man sein Ziel erreicht hat, soll der starke Motor helfen, Skipper und Crew schnellstmöglich in den Hafen zu bringen; sofern gewünscht oder notwendig.

Andernfalls kann man es sich natürlich an Bord bequem machen. Die Einrichtung ist für zwei bis vier Personen ausgelegt. Geschlafen wird auf den Sitzbänken oder auf der Dreieckskoje vorn im Bug, gegessen am obligatorische Salonklapptisch. Darüber hinaus gibt es eine kleine Pantry und einen WC-Raum. Wer mag, kann sich im Watt sogar aufrecht trockenfallen lassen, denn die Coast ist mit Schwert ausgestattet.

Technische Daten:
Lüa (ohne Bugsprit): 7,57 m
LWL: 7,75 m
Breite: 2,55 m
Tiefgang: 0,4 – 1,85 m
Verdrängung: ca. 1,3 t
Außenborder: von 10 – 70 PS (4-Takter)
Treibstofftanks: 3 x 25 l
Segelfläche am Wind: 29 m2
Preis: ab ca. 57.000 Euro, ohne Motor
Werft: www.swallowyachts.com

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