Test: Hallberg-Rassy 340

Die neue 340 folgt dem Design, das Rassy bereits bei der 44 aufgegriffen hat. Ein Rumpffenster und besonders markant: die großen Fenster im Aufbau

Schiebeluk auf, einmal kurz in die Runde geschaut. Wunderbar, auch der zweite Testtag verspricht ausgesprochen schön zu werden. Glück gehabt, das hätte im November rund 100 Kilometer nördlich von Göteborg ganz anders aussehen können. Was macht es da schon, dass das Außenthermometer gerade einmal sieben Grad anzeigt? Unter Deck ist es muckelig warm, die Heizung arbeitet zuverlässig und leise. Das konnte man in der vergangenen Nacht positiv erleben. Um beim morgendlichen Duschen ja nicht zu frieren, wurde das Thermostat gleich nach dem Aufstehen ein paar Grade hochgedreht. Womit wir schon mitten im Testbericht wären. Weil sich die Nasszelle auf der neuen Hallberg-Rassy 340 vorn zwischen Salon und Vorschiffskabine befindet, kann sie sowohl mit großem Oberlicht als auch mit Seitenfenster ausgestattet werden. Sind beide Luken geöffnet, sorgt ordentlich Durchzug dafür, dass Feuchtigkeit schnell nach außen transportiert wird. Einen getrennten Duschbereich gibt es nicht, er wird aber auch nicht benötigt. Das knapp zehneinhalb Meter lange Schiff, das wie gewohnt von Germán Frers gezeichnet wurde, ist mit zwei Doppelkabinen, einer Nasszelle, einer übereck angelegten Pantryzeile und einer tiefen Backskiste auf der Steuerbord-Cockpitseite ausgestattet. Der Innenraum wirkt hell und luftig und trotzdem gemütlich. Warmes Holz (serienmäßig Mahagoni) ist mit beigefarbenen Polstern kombiniert. Die sehr sauber verarbeiteten, weißen Seitenwand- und Deckenverkleidung inklusive plan eingesetzter Lampen und Lautsprecher verleihen der Einrichtung einen klassischen Look, ohne altbacken zu wirken. Im Gegenteil. Dafür, dass viel Tageslicht in den Salon fallen kann, sorgen diverse Luken, Oberlichter und Fenster, darunter auch Rumpffenster. Weil Einschnitte in den Rumpf natürlich die Festigkeit mindern, sind unterhalb der Rumpffenster solide Extra-Stringer einlamiert, die dem Schiff die erforderliche Gesamtfestigkeit zurückgeben.

Außergewöhnlich ist die Geräumigkeit des Salons. Weil das Bad vor dem Mast untergebracht ist und die Pantry verkehrt herum aufgestellt und dabei noch ein Stück in den Cockpitbereich gerückt wurde, konnte der Salon weiter nach achtern gezogen werden. In diesem Bereich ist das Schiff am breitesten. Hinzu kommt, dass das gesamte Vorschiff größer ist, als man es von älteren Werftmodellen kennt, denn die Neue hat einen steilen Steven. Dadurch ist Platz genug vorhanden, eine wirklich komfortable Bugkabine einzubauen, ohne auf den obligatorischen Ankerkasten samt elektrischer Winde verzichten zu müssen. Mit einer Kojengröße von 0,60 mal 1,90 Metern Breite und zwei Metern Länge steht dort ein vernünftig dimensioniertes Bett. Außerdem gibt es zwei Kleiderschränke mit Ablagen.

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Durch einen einfachen Designtrick (auf den man zugegebenermaßen erst einmal kommen muss) wird zusätzlich Platz gespart und – zumindest optisch – noch mehr Großzügigkeit generiert. Die Tür zur Vorschiffskabine hat eine Doppelfunktion. Geschlossen separiert sie die Kajüte vom Rest des Wohnbereichs, offen dient sie als Front für einen großen Kleiderschrank, der seitlich im Durchgang eingebaut ist. Steht die Tür offen, fällt der Blick ungehindert von der Niedergangstreppe bis vorn in die Bugspitze.

Doch wie meistens bei Mehrfachnutzungen gibt es auch Nachteile. Schiffsformen sind selten bis nie über längere Strecken geradlinig geschnitten, was es nahezu unmöglich macht, eine plane Fläche von der Größe einer Tür um 90 Grad zu schwenken und an einer zweiten Position passgenau einzufügen. So auch hier. Wird das Türblatt vom Schrank weg vor die Kabine gezogen, bleibt oben und unten ein kleiner Spalt offen. Damit ist zwar Sichtschutz gegeben, aber Geräuschschutz nur bedingt.

Das Wasser für die zweite Tasse Kaffee beginnt zu brodeln, während Butter und Aufschnitt wieder in der Kühlung verstaut werden. Beim Arbeiten in der Pantry fällt angenehm auf, dass man sich sehr gut anlehnen beziehungsweise abstützen kann. Im Rücken die Niedergangstreppe, Steuerbord die Spüle, der Herd liegt an der offenen Seite. Ein derartiges Pantry-Layout ist seetauglich – und gleichzeitig platzsparend – auh für Geschirr und Besteck. Für Lebensmittel, die nicht in die Kühlbox gehören, muss man Plätze suchen und / oder die Sofakästen einbeziehen. Einen extra Schrank gibt es nicht, was jedoch auf Yachten von zehn Metern Länge fast schon als normal gelten darf.

Gegenüber, wo klassischerweise das Bad ist, findet man auf der HR 340 den Navigationsbereich mit einer kleinen, schmalen Ablage für Utensilien wie Brillen, Handy oder iPad. Darüber hängt das Elektrikpaneel: Jedes einzelne Kabel ist sorgfältig verlegt und beschriftet. Navigiert wird, wie heutzutage vielfach üblich, am Salontisch oder direkt am Kartenplotter.
Backbord neben dem Niedergang liegt der Eingang zur Achterkabine. Auch hier findet man eine großzügig dimensionierte Koje. Beeindruckend ist die Zugänglichkeit des Volvo D1-30. Von der Achterkabine aus kommt man an die Rückseite des Motors heran, indem eine Klappe beiseite geschoben wird. Darüberhinaus gibt es zwei seitliche Inspektionsluken.

 

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