Trends im Innenausbau: Komfortabler, heller, wandelbarer

Der Trend hin zu luftigen und komfortablen Yachteinrichtungen ist ungebrochen. Selbst auf kleinen Tourenkreuzern und Daysailern findet man alles, was das Herz begehrt. Viel Licht, viel Luft, viel Luxus – und auf jeden Fall eine Toilette

Galten Yachten in der Vergangenheit als besonders begehrenswert, wenn sie schlank und rank aussahen, verkaufen sie sich heutzutage besonders gut, wenn sie schnell segeln, unkompliziert zu handhaben sind und ein geräumiges, mit allen erdenklichen Annehmlichkeiten ausgestattetes Innenleben präsentieren. Möglich wird die gewünschte Kombination aus Leistungsstärke und Komfort durch moderne Bootsbaumaterialien und ausgetüftelte Rumpf- und Interieur-Designs.

1. Rümpfe wachsen

Das Interieur bestimmt die Rumpfform

Eine moderne Fahrtenyacht wird von innen nach außen designt. Leicht zu erkennen am hohen Freibord, am breiten Heck, am voluminösen Vorschiff, an der mächtigen Sprayhood und an den beiden kapitalen Steuerrädern, die das Cockpit dominieren. Bei gleicher Länge wirkt ein aktueller Riss deutlich größer als sein Vorgänger-Pendant. Und ist es auch. Durch das „Aufblasen“ der Bootshülle nach oben und in die Breite wird Stehhöhe generiert, die von vorn bis achtern durchläuft, und ganz nebenbei noch jede Menge Platz für Kabinen und Nasszellen geschaffen. Dabei helfen Design-Tricks wie ein steil aufragender Steven und ein breites Achterschiff mit ausladenden Kimmkanten. Mit dem schönen Nebeneffekt, dass die Wasserlinie länger wird und damit die Performance steigen kann. Ähnliches gilt für die Kimmkanten. Sie sorgen dafür, dass mehr Platz ins Achterschiff kommt, andererseits geben sie Stabilität, die notwendig ist, weil das Unterwasserschiff flacher angelegt ist als bei Yachtrissen früherer Jahre.

Insbesondere die Rumpfform hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Waren früher schlanke Rümpfe das Ideal, werden Schiffe heute immer breiter

Aber ein Muss sind exzellente Segeleigenschaften offenbar nicht. Händler berichten, dass immer weniger probegesegelt wird. Wenn überhaupt, fallen die Ausfahrten kurz aus. Meist bleibt das Schiff sogar am Steg liegen. Die Kaufentscheidung fällt unter Deck nach einem kurzen Check von Rigg und Cockpit und einem langen Rundgang durch die Räume. Wer sich im dargebotenen Ambiente wohlfühlt und merkt, dass der vorhandene Komfort seinen Erwartungen entspricht, fragt nicht nach Höchstgeschwindigkeiten oder Wendewinkel. Dasselbe gilt für jene, die Kompromisse eingehen müssen. Wie die jüngere Vergangenheit zeigt, gibt es immer mehr Paare und Familien, bei denen nur ein Teil leidenschaftlich gerne segelt, während der andere die Yacht eher als wohnlich-stylisches Feriendomizil wahrnimmt. Der Aufgabe, für beide Parteien eine zufriedenstellende Lösung zu finden, haben sich die Konstrukteure genähert, indem sie Segelschiffen mehr Volumen verpassten. Glücklicherweise haben die Leistungen darunter nicht gelitten, denn mithilfe neuer Materialien, Techniken und effektiverem Design segeln Fahrtenyachten heute schneller und unkomplizierter als noch vor wenigen Jahren, obwohl sie nicht mehr so schnittig aussehen.

Die Entwicklung hin zu voluminösen Yachten begann in den 1980ern und hat noch lange kein Ende gefunden. Immer ausgefallenere Ideen generieren noch mehr Kabinen und / oder Komfort an und unter Deck. Eine besonders platzschaffende Rumpfform hat sich jüngst Bénéteau einfallen lassen. Ihre neuen Oceanis-Modelle 51.1 und 46.1 zeigen oberhalb des Wasserpasses einen auffälligen Knick, der von vorn bis achtern durchläuft und mit dem nichts anderes bezweckt ist, als Wohnraum zu schaffen, ohne das Unterwasserschiff breiter als notwendig zu machen. Es soll schmal bleiben, damit gute Leichtwindeigenschaften entstehen.

Neu ist auch, dass kurze, aber sehr breite Rumpfformen, wie man sie von französischen Offshore-Racern kennt, fürs Fahrtensegeln genutzt werden. Bestes Beispiel dafür die kleine, bis in den letzten Winkel durchdachte Sarch 7. Von außen sieht sie aus wie eine spacige Rennziege, dabei ist sie rundum familientauglich.

In jedem Fall gilt: Die dunkle Höhle, in die man sich zurückzog, um mit Familie oder Freunden bei Petroleumlicht Skat zu kloppen, findet man schon lange nicht mehr. Licht, Luft und Platz sind gefragt – je mehr davon, desto besser.

2. Räume bekommen mehr Licht

Weil die Stehhöhe unter Deck eine gewichtige Rolle spielt, sind die Seitenwände selbst kleiner Yachten heute so hoch, dass man im Sitzen nicht mehr aus den Salonfenstern hinausschauen kann. Um aber trotzdem das Geschehen im Hafen und auf dem Wasser beobachten zu können, werden Fenster in den Rumpf eingebaut. Und weil alle Seitenfenster zusammengenommen (für das aktuelle Lebensgefühl) noch nicht genug Tageslicht unter Deck bringen, gibt es zusätzlich Skylights und durchsichtige Schiebeluks. Helligkeit ist Trumpf. Und optische Leichtigkeit. Letztere holt man sich mit hellen Hölzern an Bord, mit mediterranen Decken- und Polster-Farben wie Weiß, Beige und Grau in allen Schattierungen. Und mit einem schnörkellosen Möbeldesign, das man sich in allererster Linie von den italienischen Designern abgeschaut hat.

3. Flexibilität ist gefragt

Außerdem verkaufen sich Yachten besonders gut, wenn sowohl ihre Räume als auch ihre Möbel wandelbar sind. Weil die Basis-Rümpfe und Einrichtungen dann gleichbleiben und sich nur Ausrüstungs- und Ausstattungspakete ändern, kann insgesamt preisgünstiger produziert werden. Dabei gelingt es den Werften, ihren Serienschiffen ein gewisses Maß an Individualität mitzugeben, denn der Eigner kann aus einer Fülle unterschiedlicher und untereinander kombinierbarer Innenlayouts wählen. Das funktioniert mithilfe versetzbarer Wände und integrierter Möbelsockel bzw. -module, die nur darauf warten, eine von vielen möglichen Funktionen zu übernehmen. Bei der Oceanis 35, die 2014 auf den Markt kam, trifft beides zu. Sie ist besonders lichtdurchflutet und ihr Interieur ist extrem flexibel, denn die Rückwand der Vorschiffskabine kann mit wenigen Handgriffen herausgenommen werden. Übrig bleiben ein starker Rahmen, der dem Vorschiff die erforderliche Stabilität verleihen soll und ein großer Raum mit Loft-Charakter.

Raumaufteilung

Ein hohes Maß an Flexibilität hilft Werften, Yachten zu verkaufen, die eine breite Käuferschicht ansprechen. Für den Charterbetrieb werden sie zu reinen Bettenburgen, bei denen es einzig darum geht, so viele Kabinen wie möglich unterzubringen. Ob der Salon dann noch groß genug bleibt, um allen Mitreisenden Sitzplätze zu bieten, ist nicht ganz so wichtig.

Bei Interieurs, die für das typische Segler-Paar oder Familien-Crews gedacht sind, liegen die Schwerpunkte auf luxuriöser Ausstattung und Wohnkomfort, wie man ihn von zu Hause kennt. Anstatt eine dritte oder vierte Doppelkabine einzurichten, gibt es eine begehbare Backskiste zum Stauen von Koffern, Kites und Getränkekisten, alternativ eine Werkstatt oder ein Büro, wo sonst die obligatorischen Doppelstockbetten stehen. Auch der Salon ist großzügiger gestaltet, mit zwei frei stehenden Lesesesseln und einer gemütlichen Sitz-Gruppe samt Fernseher, der per Knopfdruck aus der Rückenlehne des Sofas nach oben fährt.

Einer besonderen Herausforderung gegenüber sehen sich Innenarchitekten, wenn es um die Gestaltung kleiner Innenräume geht. Erfreulicherweise denken viele Designer heutzutage quer und wagen gänzlich Neues. Statt den Tisch mittig zu positionieren, rücken sie ihn an die Wand. Und warum soll eine Pantrybox unbedingt quadratisch sein, wo ein schmales Rechteck doch viel weniger Platz wegnimmt?

Flexibilität: Das gleiche Boot, aber mit verschiedenen Versionen für das Interieur. Der Kunde kann beispielsweise entscheiden, ob er mehr Kabinen oder mehr Nasszellen haben möchte

Was es bedeutet, rundum innovativ zu sein, zeigt der Spanier Axel de la Hidalga eindrucksvoll. Auf seiner Sarch 7 hat er alles untergebracht, was das Fahrtensegler-Herz begehrt. Zwei vollwertige Doppelkojen, einen Esstisch, der gleichzeitig als Navitisch fungiert, weil er aufklappbar ist, eine Längspantry mit Kocher und Spüle und eine separate Nasszelle. Alles auf einem nur sieben Meter langen Schiff, das auch noch gut segelt.

Weil sich Yachten ohne Toilette nicht mehr verkaufen, sind Entwickler bemüht, selbst auf kleinstem Raum irgendwo eine Toilette unterzubringen. Auf Daysailern mit sehr flachen und kurzen Kabinen und kleinen Kajütkreuzern findet man das Porta Potti meist versteckt unter der Salonbank oder achtern unter der Hundekoje, manchmal auch in einem Schapp mittig zwischen den Dreieckskojen. Es steht auf einer verschiebbaren Platte und kann bei Bedarf hervorgezogen werden. Auch fest eingebaute Seewasser-WCs werden in Salonbänke eingesetzt und dann mit einem Deckel geschickt getarnt. Sobald die Kabine groß genug ist, erhält sie eine eigene Nasszelle oder es wird dafür gesorgt, dass mobile Wände oder Türen den Nutzer vor unliebsamen Blicken schützen.

Überhaupt spielen Toilettenräume zentrale Rollen bei der Interieur-Gestaltung. Auf den meisten größeren Yachten verfügt inzwischen jede Doppelkabine über eine eigene Nasszelle, das verlangt die Kundschaft. Erstaunlicherweise finden sich immer noch Lösungen, auf die bislang niemand gekommen ist und die sich einfach und effektiv umsetzen lassen. Ein gutes Beispiel dafür ist die brandneue Sun Odyssey 410. Sie zeigt einen Bug-Ausbau, bei dem die Nasszelle neben der Kabine liegt und spitz in den Steven ausläuft. Durch diesen Zuschnitt behält der Schlafraum seine rechteckige Form und wird nur etwas schräg gestellt.

Im Vergleich zu Charterschiffen verfügen Yachten im Eigner-Ausbau über Nasszellen, die ausgesprochen großzügig dimensioniert sind. Bei vielen handelt es sich eher um luxuriös ausgestattete Badezimmer, die fast so komfortabel sind, wie man es von zu Hause gewohnt ist. Sie haben separate, durch Trennwände geschützte Duschbereiche, manche sind sogar mit einem Stuhl ausgestattet. Dank versetzbarer Wände und entsprechender Layout-Modifikationen liegt es beim Eigner, zu bestimmen, ob er lieber ein besonders großes Bad haben möchte oder ein normal geschnittenes, dafür aber einen größeren Schrank in der Achterkabine.

Im sogenannten En-Suite-Layout, in dem entweder das komplette Achterschiff oder der gesamte Bugbereich für den Eigner separiert ist, sind getrennte Nasszellen derzeit en vogue. In einem Raum befinden sich WC und Waschbecken, im anderen ist die Dusche untergebracht.

Mobiliar aus GFK

Mit Baukasten-Systemen, die auf Holz-Möbel setzen, lassen sich besonders einfach und effektiv wandelbare Interieure erstellen. Es geht aber auch anders. Beispielsweise, indem komplett auf GFK gesetzt wird. Hier ist alles aus GFK oder GFK-Sandwich erstellt – Rumpf, Deck, Inventar. Genau wie die das Holz-Inventar ist auch das GFK-Mobiliar flexibel und vielseitig nutzbar. Gearbeitet wird mit Sockeln, in die genormte Pantryblöcke hineinpassen – wahlweise auch Kühlboxen oder Portas Pottis. Derartige Interieurs findet man vor allem auf kleineren Fahrtenyachten und auf Cruiser-Racern. Staumöglichkeiten für Kleidung findet man in abnehmbaren Schränken aus Stoff oder Netzgewebe, Lebensmittel verschwinden in den Bettkästen. Meist gibt es noch einen mobilen Tisch, der sich sowohl im Salon als auch im Cockpit aufbauen lässt. Komfort bringen abnehmbare Rückenlehnen und Kojen in XXL.

Module aus GFK können einfach und kostensparend produziert werden. Aufwendige Holzarbeiten in einer Tischlerei entfallen © Silke Springer

Ein großer Vorteil, den diese stringente GFK-Bauweise mit sich bringt, liegt darin, dass sich Innenräume freier gestalten lassen als herkömmliche, denn die Möbel selbst geben dem Rumpf Stabilität, weil sie Teil des Konstruktionsplans sind und anlaminiert werden.

Wandelbare Möbel

Nicht nur variable Einrichtungspläne, auch wandelbare Möbel helfen, Schiffsräume optimal zu nutzen. Außerdem sorgen sie für Wow-Effekte, beispielsweise, wenn sich ein behaglicher Sessel, einmal kurz auf den Kopf gedreht, in Sekundenschnelle in einen Navitisch verwandeln lässt. Oder eine dreiteilige Salonbank mit nur wenigen Handgriffen zu einer Navigations-Ecke mit bequemem Zweiersofa mutiert. Möglich wird das, weil sich der Tisch auf einer Schiene hin- und herfahren lässt. Noch eindrucksvoller ist die Metamorphose, die sich auf der Azuree 33 abspielt, wenn man den Mittelteil der Salonbank hochhebt und der darunter liegende Navitisch aufploppt. Sogar Türblätter können verblüffen, indem sie mal als Kabinentür, mal als Schranktür dienen.

Wandelbar sollen Möbel auch in Bezug auf Mehrfach-Nutzung sein. Die Geschirrschränke sind so bemessen, dass Standard-Kühlschränke hineinpassen. Hängeschränke werden passend für gängige Espressomaschinen zugeschnitten, Pantry-Arbeitsflächen und -Fronten prophylaktisch auf den Einbau von Mikrowellen vorbereitet. Der Eigner entscheidet mit seiner Bestellung, welche Funktion der Schrank übernehmen soll und ob er eine Kaffeemaschine und eine Mikrowelle an Bord haben will.

4. Module

Mehrfachnutzung bedeutet aber auch, dass ein und dasselbe Möbel passend für unterschiedliche Schiffstypen oder Räume konstruiert ist. Viele Schränken, Betten und sogar ganze Pantryblöcke haben inzwischen standardisierte Maße und Formen. Ähnliches gilt für die Kabinen, denn Kojen sollen in möglichst viele Kabinen hineinpassen, egal, ob das Yachtmodell 35 oder 45 Fuß groß ist. In jedem Fall kann eine Werft, die mit standardisierten Modulen arbeitet, einen Großteil ihrer Möbel vorproduzieren. Später brauchen die bereits fertigen oder halbfertigen Teile, die nach dem Baukasten-System ineinandergreifen, nur noch entsprechend dem bestellten Layout in die Rumpfschale eingesetzt zu werden. Diese Modulbauweise eröffnet eine Vielzahl an Variationsmöglichkeiten und spart Zeit und Geld.

Auch bei der eigentlichen Möbelfertigung und beim späteren Einbau kann Zeit und Material gespart werden – indem Kleiderschränke keine Lüftungsschlitze mehr bekommen, durch offene Kanten, die eigentlich versiegelt sein müssten, damit sie nicht aufquellen, durch eckige Schapps, die idealerweise rund geformt wären, um sich dem Schiffskörper besser anzupassen. Stattdessen werden die Kästen stumpf auf den Rumpf gesetzt, mit Lücken zwischen Laminat und Holz.

In der Großserie wird die Inneneinrichtung in Modulen gefertigt, die für alle Typen verwendet werden können © Silke Springer

Da kantige Möbel aber gerade modern sind, treffen Salon-Einrichtungen mit geraden Hängeschränken den Zeitgeschmack. Eine Modeerscheinung, die sowohl Werften als auch Kunden entgegenkommt. Die großen Werften wollen günstige Preise aufrufen, ihre Käufer wollen möglichst viel Schiff. Zwischen den Extremen, eine Einrichtung möglichst schnell „zusammenzuschustern“ oder sie bis in die letzte Ecke hinein sorgfältig aufzubauen und anzupassen, liegt natürlich die ganze Bandbreite an Qualitätsunterschieden. Um festzustellen, in welche Kategorie die ausgeguckte Traumyacht fällt, hilft ein Blick auf und hinter die Fassaden. Wenn die Maserung von einer Schranktür nicht mit der des Schrankkörpers übereinstimmt, wenn der Hängeschrank nicht genutzt werden kann, weil beim Öffnen lose Kabel herausquellen, wenn sich beim Hochheben der Salonpolster ein Stauraum öffnet, der nur flüchtig überpinselt ist und so rau, dass man sich die Finger verletzt, dürfte klar sein: Hier wurde sowohl an Zeit als auch an Material gespart.

Bleibt das Auge aber an fein abgerundeten, sorgsam eingefassten Möbelkanten hängen und wandert die Hand automatisch von einem makellos geschliffenen Handlauf zum nächsten, wird man beim Öffnen des Salonschapps sicher ordentlich verlegte Kabelkanäle antreffen.

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