Unter Deck der Bianca 27

Die dänische Bianca 27 aus dem Entwurfsjahr 1965 zählt zu den ersten europäischen GFK-Yachten und weist noch zahlreiche Details aus der Ära des Holzbaus auf. Wer hier an Bord geht, begibt sich auf eine Zeitreise. Ein Blick unter Deck

Wenn man am Niedergang im Salon der Bianca 27 einen Moment innehält und sich in die Entstehungszeit zurückversetzt, wird einem klar, was den Erfolg der Bianca maßgeblich mitbestimmte. Das Interieur gibt sich enorm großzügig. Dank des hohen, stufenartigen Aufbaudecks konnte in weiten Teilen eine Stehhöhe über 1,80 Meter erzielt werden, und wegen des voluminösen Vorschiffes realisierte die Werft dort schon Mitte der 1960er eine vollwertige V-Koje. Das war weit mehr als beim nordischen Folkeboot – und andere Konkurrenz gab es zu Beginn kaum. Statt auf einer störenden Maststütze steht das Rigg auf einem aussteifenden Hauptschott. Direkt davor liegt ein abgetrenntes Pump-WC mit ausziehbarem Waschbecken und großem, gegenüberliegendem Nassschrank – auch das war damals innovativ und nicht selbstverständlich.

Der Salon gibt sich klassisch und durchdacht: Durch das Wegnehmen der Rückenlehnen werden die Salonbänke zu breiten Kojen. Die großen Schapps darüber sind durch Fronten aus Rattangeflecht gut belüftet und die auffällig großen Fenster verliehen dem Boot schon damals das Licht einer modernen Fahrtenyacht. Frische Außenluft gelangt über ein Vorschiffsluk und zwei Tannoylüfter in das Innere.

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Beidseitig des Niedergangs erstreckt sich eine nach damaligen Verhältnissen großzügige Pantry mit Spüle, zweiflammigem, kardanisch aufgehängtem Herd, vielen Ablagen (die Treppe wird mitgenutzt) und Stauschränken. Durchdachter Clou: Klappt man die Ablagefläche des Herdes auf, wird daraus ein verlängerter Arbeitstisch. Verschließt man die Waschbecken-Abdeckung, ergeben sich weite Flächen zur damals noch notwendigen Karten-Navigation.

Was aber wirklich beeindruckt, ist die außergewöhnliche Ausbauqualität in Teakholz. Zwar wurden in Hochzeiten mehrere 27er gleichzeitig gefertigt, vom getakteten Großserienbau war man aber noch weit entfernt. So blieb Zeit für detaillierte Möbeltischlerarbeiten, wie beispielsweise eine weiße, durch Holzpaneele abgehängte Deckenverkleidung, die gut mit dem holzlastigen Ausbau kontrastiert. Sämtliche Teakflächen sind einheitlich gemasert, die Seitenwände wurden innenseitig mit Holz ausgekleidet, und überall finden sich Zier- und Schlingerleisten sowie Rahmen um Schapps und Schränke. Die später einsetzende Ära der Teppichauskleidungen findet sich glücklicherweise nur im Vorschiff. Alles in allem ein durchdachter, raumausnutzender Ausbau in guter handwerklicher Qualität, dessen Optik heute allerdings auch vom Pflegezustand des Schiffes abhängt.

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