Unter Deck der Grinde

Neben dem Spaekhugger war die größere Grinde aus dem Entstehungsjahr 1974 der Bestseller des dänischen Designers Jan Peter Bruun – und hat als extravaganter Spitzgatter längst Kultstatus. Aus gutem Grund: Das Boot zeigt Charakter fernab vom Mainstream, gibt sich sehr seegängig und weist ein für diese Größe wohnlich-funktionales Interieur auf. Ein Blick unter Deck

Wer sich ins Innere der Grinde begibt, wird von einem enormen Raumangebot überrascht. Die beeindruckende Breite von 3,12 Meter im Salonbereich sowie geringe Überhänge machten es möglich, das große Rumpfvolumen voll und effektiv auszunutzen. So konnten in der Standardversion sage und schreibe sieben Kojen realisiert werden: Neben dem Vorschiff gibt es zwei Salonkojen (1,90 Meter Länge) mit Lotsenkojen plus großer Hundekoje achterlich der Navigation an Steuerbord. Die gegenüberliegende L-Pantry am Niedergang verfügt über eine Kühlbox, einen zweiflammigen Kocher plus einen großen Kühlschrank. Eigentlich erinnert das Interieur eher an das einer 10-Meter-Yacht, was auch die Stehhöhen über 1,80 Meter im Salon und Vorschiff unterstreichen.

Das Lavac-Vakuum-WC im abgetrennten Vorschiff wurde leider nicht von der V-Koje separiert, aber nur so konnten komfortable Liegemaße (2 Meter x 1,80 Meter) im Vorschiffsdreieck erreicht werden.

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Die Verarbeitung des Teak-Ausbaus macht in allen Bereichen einen guten Eindruck. Solide Tie-Rods leiten den Wantenzug kraftschlüssig in den Rumpf ein und die breiten Winkellaminate an den tragenden Schotten zeigen auch nach über 40 Jahren keine Spannungsrisse oder Abplatzer. Was vielleicht am Rumpf liegt, der massiv im Handauflegeverfahren (in bis zu 16 Schichten) laminiert wurde.

Wenngleich es mit der Standard-Grinde machbar wäre, würde man heute natürlich nicht mehr mit einer halben Fußballmannschaft auf Törn gehen. Aber eine drei- bis vierköpfige Familie findet auf dem Raum-Schiff noch immer ausreichend Komfort.

Ohnehin gab es in der langen Bauzeit von knapp 15 Jahren auch einige interessante Modifikationen: Manche Boote bekamen eine zeittypische Dinette mit absenkbarem Salon-Tisch oder aber (wie diese) Einbauschränke mit funktionalen Detaillösungen zum Stauen statt beidseitiger Lotsenkojen oberhalb des Salons. In solch einer Ausbau-Variante wird die Grinde zu einem interessanten Komfort-Interieur für kleine Crews, die zu zweit auf längere Törns gehen wollen.

Etwa 85 Prozent wurden werftseitig ausgebaut, nur rund 15 Prozent verließen als kostensparende Kaskos zum Selbstausbau die Werfthallen, sodass bei den meisten eine einheitliche Ausbauqualität gewährleistet ist. Sie verdient zwar noch nicht das Prädikat ‚skandinavisch-hochwertig‘, ist aber in ihrer Struktur wie Finish doch grundsolide.

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