Unter Deck der LM 35 Vitesse

Anfang der 1990er-Jahre gebaut, ist die LM 35 Vitesse die letzte Yacht einer Werft, die den Bootsbau maßgeblich mitbestimmt hat. Mit der Formensprache der Klassiker LM 27, 30 oder 32 hat sie kaum noch was gemein. Aber genauer hingeschaut, ist das Bent-Andersen-Design eine Art krönender Abschluss. Ein Blick unter Deck

Wer durch die Schiebetür an Deck der LM 35 Vitesse hindurchgeht, gelangt in die Pantry steuerbords. Spüle, Backofen und Kühlschrank lassen wenig Wünsche offen. Während Mutti bei bestem Hafenkino im vollverglasten Deckshaus kochen konnte, widmete sich Skipper gegenüber am Steuerstand nochmals neuralgisch dem Törn – das hört sich heute vielleicht etwas chauvinistisch an, war damals aber schlicht der Zeitgeist. Und im Layout revolutionär: Oben leben, unten schlafen – LM unterteilte die Lebensbereiche erstmals in zwei Wohnwelten, was den Erfolg schon der ersten Generation mit ausmachte, auf der Vitesse aber wesentlich weiterentwickelt wurde. Wer den Fahrersitz mit wenigen Handgriffen demontiert, gelangt in eine geräumige Achterkoje.

Auch die zwei Ebenen zwischen Deckshaus und Rumpf wurden einander angeglichen: „Die Pantry ist auf versetzter Ebene zwischen Salon und Cockpit platziert. Wir haben den steilen Treppen ein Ende bereitet – und den Chef ans Tageslicht gebracht“, heißt es dazu selbstbewusst im damaligen Prospekt. Tatsächlich war das eine Vorwegnahme heutiger Decksalon-Yachten.

Unten gibt es schiffsmittig einen zweiten, asymmetrischen Salon, der bei Entnahme der Rückenpolster weitere Schlafkojen ermöglicht. „Gelebt wird sommers aber eben meist oben im Cockpit-Salon“, weiß Eigner Jürgen Stein aus Erfahrung – wegen der besseren Sicht ist das auch klar ersichtlich. Dem Salon unter Deck schließt sich hinter dem Hauptschott am deckstehenden Mast das abgetrennte Vorschiff an: Unterteilt ist es in eine geräumige, durch Paneele vollverkleidete V-Koje sowie einen davon separierten Nassbereich mit Pump-WC und Dusche und gegenüberliegendem großem Stauschrank.

Das Holzfinish in Teak gleicht nicht skandinavischem High-End, zeugt aber von erfahrenem, funktionalem Großserien-Bau (LM Camping): Abgehängte Holzdecken zeigen das genauso wie verkleidete Seitenwegerungen, einheitliche Maserungen, Rahmen oder Schlingerleisten, da wo sie sinnvoll erscheinen.

Kommentieren
*Pflichtfelder. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht